Gründerwettbewerb soll leere Geschäftsräume füllen

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Bürgermeister Thomas Kugler (links) und Wirtschaftsförderer Bernd Mathieu stellen den Gründerwettbewerb vor. Sie hoffen auf viel
Bürgermeister Thomas Kugler (links) und Wirtschaftsförderer Bernd Mathieu stellen den Gründerwettbewerb vor. Sie hoffen auf viele Ideen für die Belebung der Innenstadt mit neuen Geschäften. (Foto: Anthia Schmitt)
Anthia Schmitt

Eine wachsende Zahl von Leerständen und die seit Jahren eher erfolglosen Bemühungen, die Innenstadt zu beleben, haben die Stadt bewogen, einen neuen Weg einzuschlagen. Ein Gründerwettbewerb soll helfen, die leeren Geschäfte und Schaufenster wieder zu füllen. Gestern fand die Auftaktveranstaltung zum Projekt „Lebe deine Idee – mach dich selbstständig“ statt, an dem neben der städtischen Wirtschaftsförderung auch Profis wie die drei örtlichen Banken, die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer und verschiedene Medienpartner unterstützend beteiligt sind.

Angesprochen sind Menschen, die sich im Haupt- oder Nebenerwerb selbstständig machen wollen, Jungunternehmer, die einen Betrieb übernehmen, und Geschäftsleute, die bereits einen Betrieb haben und in Pfullendorf eine Filiale eröffnen wollen. Sie sollen ihre „pfiffigen, originellen oder klassischen Geschäftsideen“, so Bürgermeister Thomas Kugler, bis zum 27. Februar nächsten Jahren bei der Wirtschaftsförderung der Stadt einreichen.

Bei einer Umsetzung gibt es eine Vergütung

Danach wird die Idee geprüft und mit Hilfe der unterstützenden Partner ein detaillierter Businessplan ausgearbeitet, bevor am 17. Juli im Rahmen der Pfullendorfer Wirtschaftstage die besten Ideen mit einer Geldprämie von bis zu 2000 Euro und Sachpreisen belohnt werden. Wer dann auch noch im dritten Schritt seine Idee umsetzt und in der Innenstadt ein Geschäft eröffnet, erhält von der Stadt eine Prämie von 5000 Euro für notwendige Renovierungsarbeiten, Ladenmiete oder Marketing. Klar, dass Wirtschaftsförderer Bernd Mathieu außerdem bei der Suche nach den idealen Räumlichkeiten hilft

„Wir wollen nicht mehr länger warten, ob jemand kommt und in der Stadt ein Geschäft eröffnen möchte“, erklärte Kugler die Hintergründe der Initiative. Die Innenstadt dürfe keine reine Wohnstadt werden.

„Wir favorisieren eine Mischung aus Handel, Handwerk, Gastronomie und Wohnen.“ Außerdem habe die Stadt auch die Verpflichtung, den bestehenden, durchaus attraktiven Geschäften ein Umfeld zu bieten, das Menschen in die Stadt lockt. Ausdrücklich will Kugler den Wettbewerb über den „Zwei-Kilometer-Raum um Pfullendorf“ hinaus bekannt machen und auch Firmengründer im deutlich weiteren Umkreis ansprechen. Er dankte ausdrücklich den beteiligten Partnern, die „Geld und zusätzliche Arbeit“ in das Projekt einbringen.

Er machte deutlich, wo das Problem in der Pfullendorfer Innenstadt neben dem fehlenden Interesse bei potenziellen Geschäftsleuten hauptsächlich liegt: die geografische Lage mit den steilen Straßen, aber auch die Eigentümerstruktur bei den Ladengeschäften. Einige Hausbesitzer hätten kein Interesse daran, ihren leer stehenden Ladenraum zu vermieten, bei anderen ehemaligen Geschäften müsse vor einer Neuvermietung unbedingt gründlich renoviert werden, sagte Kugler. Für ihn ist es deshalb wichtig, auch die Pfullendorfer Bürger zu aktivieren.

Erweiterung der kostenlosen Parkzeit auf zwei Stunden

Sie sollen Verantwortung für ihre Stadt zeigen. Dazu gehört auch das Einkaufen vor Ort, das künftig mit einem Gewinnspiel attraktiver wird. Ab Ende November gibt es beim Handel Gewinnspielkarten und eine monatliche Auslosung von vier 25-Euro-Geschenkgutscheinen.

Ein weiterer Beitrag der Stadt zur Belebung der Innenstadt ist die Erweiterung der kostenlosen Parkzeit auf zwei Stunden und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt für große und kleine Besucher. So werden die öffentlichen Sitzgelegenheiten verbessert und es werden Spielgeräte für Kinder aufgestellt. Wirtschaftsförderer Mathieu stellte den Gründerwettbewerb, für den es keine Einschränkungen hinsichtlich der Branche gibt, näher vor.

Dessen besonderer Reiz liegt in der kostengünstigen Beratung und Begleitung durch die Fachleute der Banken, der Kammern und der Wirtschaftsförderung, die die potenziellen Firmengründer erhalten. Leistungen, für die ein Firmengründer normalerweise gutes Geld bezahlen muss. „Der vorgeschriebene Businessplan gibt nicht nur den potenziellen Firmengründern, die wir nicht in ihr Unglück rennen lassen wollen, sondern auch den Hauseigentümern eine gewisse Sicherheit“, sagte Mathieu. Er hob die Einzigartigkeit der Pfullendorfer Initiative hervor, bei der „alle Partner mitmachen und in einem Boot sitzen“.

Welche Möglichkeiten die Kammern haben, um Firmengründer auf ihrem Weg zu begleiten, stellte am Ende Jürgen Kuhn vor. Er ist bei der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben Experte für Gründungen, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen und bietet eine ganze Reihe von speziellen Veranstaltungen für Firmengründer wie Sprechtage, Beratungsgespräche oder das Online-Portal „Gründungswerkstatt“ an. „Wir müssen das Thema Selbstständigkeit gerade im ländlichen Raum forcieren“, sagte er.

Und: „Wir unterstützen die Initiative der Stadt Pfullendorf sehr und freuen uns, dass wir aktiv dabei sein dürfen.“ Nach der Präsentation nutzten die Partner gern die Gelegenheit zum Kennenlernen und zum Austausch.

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