Gemeinschaftskunde aus erster Hand

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 Die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden informiert die Schülerinnen über die Europäische Union und erklärt, warum ein geein
Die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden informiert die Schülerinnen über die Europäische Union und erklärt, warum ein geeintes Europa wichtig ist. (Foto: Anthia Schmitt)
Anthia Schmitt

Eine Unterrichtsstunde der besonderen Art haben die rund 50 Elftklässlerinnen der Gemeinschaftskundekurse an der Heimschule Kloster Wald am Freitag erlebt. Andrea Bogner-Unden, die vor ihrer Wahl zur Landtagsabgeordneten der Grünen lange Zeit an der Schule als Lehrerin tätig war, kehrte anlässlich des „Tages der Freien Schulen“ an ihre frühere Wirkungsstätte zurück, um über Europa zu referieren. Sie wählte dafür gut verständlich die Formen des Vortrags und des Dialogs, flocht eigene Standpunkte ein und beantwortete die Fragen der Mädchen, die sichtlich interessiert zuhörten.

Zunächst erinnerte die Abgeordnete – die Mitglied im Europaausschuss der Landesregierung ist und sich dort hauptsächlich mit völkerverbindenden Projekten wie Schüleraustausch und Städtepartnerschaft beschäftigt – an das Europa vor und während der beiden Weltkriege. „Über Hunderte von Jahren war es der Normalzustand, dass die Europäer unter einander Krieg führten“, sagte sie. „Europa war eine blutrote Fläche.“ Erst seit der Europäischen Union (EU) gebe es Worte statt Waffen und Kooperation statt Krieg. Deshalb, aber auch wegen der vielen Herausforderungen, die ein einzelnes Land gar nicht bewältigen könne, und wegen der Übermacht der Großmächte sei ein geeintes Europa so wichtig.

„Ein einzelnes Land würde von den großen Nationen in die Tasche gesteckt“, sagte sie. Das derzeitige Problem sei, dass Europa mit Krisen in Verbindung gebracht werde. „Nationale Probleme werden Europa in die Schuhe geschoben.“ Sie selbst sei eine „überzeugte Vertreterin Europas“, wünschte sie sich nicht nur, dass die Europäische Union wieder mehr Vertrauen gewinnt, sondern auch ein Mehr an Europa wie eine gemeinsame Streitmacht oder eine gemeinsame Gesetzgebung. „Weltoffenheit und Heimatliebe widersprechen sich nicht“, warb sie um mehr Engagement für Europa.

Am Beispiel der rechtsorientierten FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs), die in Österreich mitregiert und Änderungen in der Gesetzgebung bewirkt hat, machte sie deutlich, welche Folgen die Regierungsbeteiligung einer rechtspopulistischen Partei für die Menschen hat. „Das ist keine Politik für den kleinen Mann“, sagte sie. Im weiteren Verlauf ihrer rund 90 Minuten langen Unterrichtsstunde ging sie auf die Osterweiterung der Europäischen Union ein. „Die Hoffnung für die Menschen auf dem Balkan ist Europa, diese Hoffnung darf Europa nicht enttäuschen“, sagte sie. Einen kurzen Blick warf sie außerdem auf das Engagement der EU in Afrika, um dort den Menschen eine Lebensgrundlage zu schaffen. Viele Fragen gab es von den Schülerinnen zum Austritt Großbritanniens aus der EU und dessen Folgen.

„Niemand weiß es“, sagte Bogner-Unden. Sie berichtete ausführlich von wirtschaftlichen Verflechtungen, erklärte, warum der Ausgang der Abstimmung im britischen Parlament zum Deal eines geregelten Austritts so wichtig ist, und zeigte mit aller Deutlichkeit auf, welche Konsequenzen eine Ablehnung des Deals hat und welche Gefahren und Kosten für Europa und Großbritannien drohen.

Gefahren, auf die vor dem britischen Referendum nirgends hingewiesen worden sei. „Ich bin gespannt und besorgt“, sagte sie zum völlig offenen Ausgang der britischen Abstimmung und warnte zugleich vor wachsenden europafeindlichen Tendenzen in anderen europäischen Ländern.

„Das friedliche Miteinander ist kein Selbstläufer, Europa braucht das Engagement von euch allen“, gab sie den Mädchen schließlich mit auf den Weg, bevor sie zur Gitarre griff und ihre Zuhörer mit dem Udo-Jürgens-Song „Ist das nichts“ aus dem Jahr 1979 nachdenklich stimmte.

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