Gegen Fracking baut sich breiter Widerstand auf

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Heinz Brandt und Anne Waibel zeigen die Plakate für die Kampagne gegen Fracking – zum Schutz des Grund- und Trinkwassers. (Foto: Volker Knab)
Schwäbische Zeitung

Vom Pfullendorfer Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) geht eine landesweite Initiative aus, das sogenannte Fracking zu verbieten. Bei der umstrittenen Methode wird unter der Erdoberfläche befindliches Erdgas, das unter schwierigen Gesteinsverhältnissen vorhanden ist, mittels Druck nach oben befördert. Das kann üble Folgen haben. Die sind vielfältig im Internet dokumentiert. Schließlich verschiebt sich geologisch was.

In den USA wächst die Protestbewegung, seit das Verfahren dort großflächig angewandt worden ist. Ebenso in Deutschland vor allem bislang in den früheren Abbaugebieten von Kohle und Gas. Im Bodenseeraum und Hinterland haben viele Kommunen per Gemeinderatsbeschluss Resolutionen gegen das Verfahren verabschiedet. Die haben aber keinerlei bindende Wirkung. Entscheidend ist das Bergrecht. Und die Firmen, die an einem möglichen Abbau Interesse haben, reichen dort weiter munter Anträge auf Konzessionen ein. Von oben betrachtet ist in Baden-Württemberg inzwischen unterhalb einer Linie von Konstanz bis Ulm an vergebenen Rechten alles abgedeckt.

Von den Konzessionsrechten betroffen ist damit längst auch der riesige Grundwasserspeicher Oberschwabens, sagt Heinz Brandt vom BUND Pfullendorf. Ingrid Gänns, Anne Waibel engagieren sich für das Thema und treiben es weiter voran – obwohl viele Gemeinden am Bodensee inzwischen eine Resolution gegen die Abbaumethode Fracking auf ihrer Gemarkung verabschiedet haben. „Am Bodensee direkt sehen wir viel weniger eine direkte Gefahr, allein wegen des Tourismus und aufgrund der Bedeutung des Bodensees als Grundwasserspeicher“, sagt Waibel. Vielmehr befürchten sie, dass deshalb im Hinterland die ersten Anwendungen des Verfahrens kommen könnten. Ein Hinweis für sie ist dafür die Beantragung der Rechte auf unkonventionellen Abbau für die Bereiche Biberach, Konstanz oder Saulgau. Das waren freie Zonen, weil für eine entsprechende Gewinnung die technischen Möglichkeiten nicht vorhanden waren. Für andere Bereiche – etwa Pfullendorf, im Bereich Oberschwaben – hat das Bergamt in Freiburg sowieso bereits Abbaurechte vergeben. Hier wurde an manchen Stellen über Jahre hinweg Erdöl und vor allem Erdgas gefördert.

„Wir wollen ein generelles Verbot des Verfahrens erreichen“, sagt Brandt. Für Waibel ist es das Bergrecht, das dringend gesetzlich überarbeitet gehört. „Da haben die Bürger gar nichts zu sagen“, sagt sie. Egal ob das die Gemeinde, der Kreis oder der Regionalverband sei. Brandt geht es um den geologischen riesigen Grundwasserspeicher im Bereich vor der Schwäbischen Alb.

Mit ihrer Enttäuschung über die Landesregierung halten sie sich noch zurück. Denn das erhoffte Moratorium für Fracking – was möglichen Abbau zumindest verhindert hätte – gab es nicht. Eine Ablehnung auf Bundesebene war im Mai bereits von der CDU/FDP-Mehrheit abgelehnt worden. Dafür rumort es im Bodensee-Hinterland gewaltig. Plakate und Flyer sind gedruckt. Zum Treffen im Oktober haben sich bereits die BUND-Ortsgruppen aus Bad Waldsee, Ravensburg, Sigmaringen und Bad Saulgau angemeldet. „Das Treffen ist für alle offen“, sagt Heinz Brandt.

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