Existenzgründer will Altreifen schreddern

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Schwäbische Zeitung
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Julius Blien hat vor etwa drei Wochen bei der Stadt Pfullendorf einen Bauantrag für eine Altreifenschredderanlage im Gewerbegebiet Mengener Straße eingereicht. Am kommenden Dienstag, 16. Juli, steht der Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung auf der Tagesordnung des Technischen Ausschusses. „Ich benötige eine Fläche von 1,5 Hektar“, sagt der 25-jährige Existenzgründer aus Illmensee. „Ich hoffe, dass mein Vorhaben genehmigt wird“, so Blien. Sollte der Technische Ausschuss nichts einzuwenden haben, liegt es letztendlich am Gemeinderat. Die Halle mit einer Maschinenstraße soll eine Größe von etwa 2000 Quadratmetern haben, die Tausende von Altreifen werden im Freien aufeinandergestapelt. Der Firmenname lautet Tyrewolf GmbH. Recyceln statt verbrennen

Altreifen sind wegen ihrer Form, Beschaffenheit und Brennbarkeit ein problematischer Abfallstoff. Sie werden in der Regel in Zementwerken verbrannt. Bliens Geschäftsidee sieht wie folgt aus: Statt die Altreifen konventionell zu verbrennen, will er sie recyceln. „Die Altreifen werden in meinem Betrieb in ihre Grundbestandteile Gummi, Stahl und Textil zerlegt und durch ihre Aufbereitung in qualitativ hochwertige Sekundärwerkstoffe überführt.“ Durch das Recycling gewinnt Tyrewolf unter anderem Material für Gummimatten für Tiere zum Schlafen, Fallschutzböden für Kinderspielplätze oder Granulat für Kunstrasen. „Es ist nichts anderes als ein neues, umweltschonendes Entsorgungsverfahren für Altreifen“, ergänzt Blien, der derzeit selbst in der Reifenhandelbranche tätig ist und schon längere Jahre über die Altreifenschredderanlage nachgedacht hatte. Die Kunden geben in seinem Betrieb ihre alten Reifen ab und bezahlen – je nach Größe oder Fahrzeug – zwischen 1,50 und 2,50 Euro. Nach der Aufarbeitung verkauft Tyrewolf das gewonnene Material an verschiedene Hersteller. „Das Geschäft funktioniert, weil es immer Autoreifen geben wird“, so Blien.

Mit Unterstützung von einer Handvoll Mitarbeiter sollen jede Stunde etwa 350 Reifen zerlegt und aufbereitet werden. „Das sind bei zehn Arbeitsstunden am Tag etwa 4000 Reifen“, so Bliens einfache Rechnung. Die ersten Vorverträge mit Geschäftskunden liegen ihm bereits vor. „Ohne sie hätten die Bank wahrscheinlich nicht mitgemacht.“ Sollte das Genehmigungsverfahren wie gewünscht laufen, soll Ende August mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ungefähr im April 2014 soll die Altreifenschredderanlage in Betrieb genommen werden.

In Sachen Immissionsschutz ist Blien relativ gelassen. „Da geht es um Brandschutz, Abwasser und ähnliches. Das passt soweit alles. Fehlt nur noch der Startschuss für eine große Fläche im Gewerbegebiet Mengener Straße.“

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