Ersthelfer erleidet plötzlich selbst einen Schlaganfall

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Weil er nur einen leichten Schlaganfall erlitten hat, darf Fahrlehrer Ralph Müller inzwischen wieder arbeiten.
Weil er nur einen leichten Schlaganfall erlitten hat, darf Fahrlehrer Ralph Müller inzwischen wieder arbeiten. (Foto: Sebastian Korinth/Archiv)

Als Ralph Müller den am Boden liegenden Motorradfahrer sieht, fackelt er nicht lange: Er hilft. So, wie er es bei der Bundeswehr einst gelernt hat. So, wie er es an seine Fahrschüler tagtäglich weitergibt. Doch plötzlich benötigt auch der Helfer Hilfe – denn er erleidet einen Schlaganfall. Sein Riesenglück: Die Rettungskräfte sind schon alarmiert. „Vor allem deshalb dürfte die Sache für mich so glimpflich ausgegangen sein“, sagt Ralph Müller jetzt, anderthalb Wochen später. „Alle haben einen Super-Job gemacht.“

"Mehrere Leute haben hilflos drumherum gestanden"

Es ist Ostermontag, etwa 17.15 Uhr, als Ralph Müller am Gewerbegebiet Otterswanger Straße vorbeifährt. Kurz zuvor sind an der Ausfahrt ein Motorrad- und ein Autofahrer zusammengestoßen. Der Motorradfahrer zieht sich schwere Verletzungen zu, die Beifahrerin des Autofahrers hat einen Schock. „Ich habe mein Auto abgestellt und den Motorradfahrer auf der Straße liegen sehen“, sagt Müller. „Mehrere Leute haben relativ hilflos drumherum gestanden.“

Anders als sie weiß der Fahrlehrer, was er zu tun hat: Bei der Bundeswehr hat er eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert. In seiner Fahrschule bietet er Erste-Hilfe-Kurse für Führerscheinanwärter an. Ralph Müller kümmert sich um den Motorradfahrer, nimmt ihm den Helm ab. Kurz darauf hilft auch ein Arzt mit, der zufällig vorbeikommt. „Ich dachte: Dann kann ich ja jetzt aufstehen“, sagt Müller. „Aber mein linker Fuß ist am Boden kleben geblieben.“ Der Ersthelfer merkt, dass ihm plötzlich auch das Sprechen schwer fällt, dass sein linker Arm und sein linkes Bein gelähmt sind.

Dem Notarzt in die Arme gefallen

Inzwischen sind Feuerwehr, Krankenwagen, Sanitäter und Rettungshubschrauber vor Ort – eigentlich für den verletzten Motorradfahrer. Doch am Ende ist es Ralph Müller, der nach Ravensburg ins Krankenhaus geflogen wird. „Mein Glück war, dass ich dem Notarzt mehr oder weniger in die Arme gefallen bin“, sagt er. Drei Tage lang wird er im Krankenhaus versorgt. „Dort war ziemlich schnell klar, dass ich keine bleibenden Schäden davontragen werde“, sagt Ralph Müller.

Schlaganfall als Denkzettel

Glücklicherweise hat er nur einen leichten Schlaganfall erlitten. „Deshalb darf ich jetzt auch wieder Auto fahren und arbeiten – dafür haben die Ärzte sofort grünes Licht gegeben“, sagt der Fahrlehrer. „Bei einem schwereren Schlaganfall wäre das nicht gegangen.“ Und so ist Müller inzwischen wieder auf den Straßen der Region unterwegs – vorerst nur halbtags, bald wieder häufiger. Doch den Schlaganfall hat er schon auch als Denkzettel verstanden. „Ich will versuchen, das Stresslevel in Zukunft etwas niedriger zu halten“, sagt er.

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