Dieser Anblick bleibt vorerst

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So sieht der Blick auf die historische Stadtmauer aus, nachdem das Laub sich gelichtet hat.
So sieht der Blick auf die historische Stadtmauer aus, nachdem das Laub sich gelichtet hat. (Foto: Volker Knab)
Schwäbische Zeitung

Es ist ein seltsam anmutendes Stück „Stadtmauer“, das sich dem Auge am Ende der Uttengasse bietet. An einem Abschnitt der sichtlich historischen, allerdings baulich heruntergekommen Mauer fügt sich eine seltsame Mischform an: Reste einer Hauswand mit Türen und Fenstern im fließenden Übergang zur Stadtmauer mit integrierten Stadtmauerresten. Und das bleibt erst mal so.

Von unserem Redakteur  Volker Knab

Im Moment wird hier geparkt, an dieser Ecke der Uttengasse, Einmündung in die Straße „Am Alten Spital.“ Auf der gekiesten, erweiterten Parkfläche wird seit dem Abbruch des Hauses mit der Hausnummer Uttengasse 1 im Sommer vergangenen Jahres geparkt. Sonst ist nichts passiert, seit dem seinerzeit mehr als überfälligen Abbruch. Denn das war sichtlich schwer baufällig gewesen. Im Dach Löcher, der Garten davor entwickelte sich zum wildwuchernden Kleinwald mit freier Entfaltungskraft für Bäume und Sträucher.

Der so entstandene Sichtschutz von Seiten der vielbefahrenen Durchgangsstraße Überlingen/Ravensburg unterhalb des historischen Aufgangs zur Stadt ist geblieben und verdeckt einen im Grunde einmaligen Blick auf die historische Stadtmauer. Jetzt wo das Laub fällt, wird er frei. Zeigt aber auch den fließenden Übergang zu der erhaltenen Mauer des Abbruchhauses, das in die Stadtmauer integriert war.

Das abgebrochene Haus stammte vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. Historische Stadtkerne und Ähnliches interessierten damals nicht. Eine Stadtmauer war als Steinbruch geduldet, Häuser wurden angesetzt. Wie die fließenden Übergänge ausgesehen haben, kann man sich an dieser Ecke Pfullendorfs sehr schön ansehen.

Ein schöner Anblick ist es aber nicht. Und es liegt nicht an der eigentlich sehenswerten Stadtmauer. Daran wird sich aber so schnell nichts ändern. Denn die Stadtmauer ist ein eingetragenes Kulturdenkmal. Und mit der Abbruchgenehmigung des Hauses verbunden war die Auflage an den Besitzer, die Stadtmauer zu erhalten und zu sichern. Das hat der Eigentümer getan. Fenster und Türen sind vernagelt.

„Uns ist nichts bekannt“, sagte der Leiter der Unteren Baurechtsbehörde in Pfullendorf, Josef Waldschütz auf eine entsprechende Anfrage der „Schwäbischen Zeitung. In seine Zuständigkeit fällt auch der Denkmalschutz, wie es mit dem Mauerabschnitt weiter geht. Das Gelände ist privat. Bei einem Bauvorhaben muss aber die „Stadtmauer im Vordergrund als Gesamtanlage erkennbar bleiben“, so Waldschütz. „Die Mauer muss integriert werden“. Das sei auch durch einen Bebauungsplan abgesichert.

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