„Der Verlust von Alno wäre eine Katastrophe“

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Der Küchenmöbelhersteller Alno in der größten Krise der Unternehmensgeschichte, Geschäftsschließungen in der Altstadt und im Seepark-Center, verkaufsoffene Sonntage auf der Kippe: In seinem ersten Jahr als Wirtschaftsförderer der Stadt Pfullendorf hat Bernd Mathieu zwölf teilweise stürmische Monate durchlebt. Bereut hat er seinen neuen Job aber trotzdem nicht. Bei den Themen, die ganz oben auf seiner Liste standen, gab es schließlich auch zahlreiche Erfolge.

Was Alno betrifft, nimmt Bernd Mathieu kein Blatt vor den Mund. „Der Verlust von Alno in Pfullendorf wäre für die Stadt eine Katastrophe – zumal wir als Verwaltung auch nur bedingt Einfluss nehmen können“, sagt er. Deshalb hofft der Wirtschaftsförderer darauf, dass der Standort Pfullendorf trotz aller Probleme erhalten bleibt.

Die Schließung der Euronics-Filiale im Seepark-Center und des Reformhauses Kratzert in der Altstadt – beides zum Ende vergangenen Jahres – waren für Bernd Mathieu gleich zwei schlechte Nachrichten kurz nach Dienstantritt. Zumindest in einem Fall gibt es Licht am Horizont: Der Elektro-Fachmarkt will voraussichtlich im November wieder öffnen. „Und in Sachen Altstadt ist nicht aller Tage Abend“, sagt der Wirtschaftsförderer. So werde hinter den Kulissen das eine oder andere erfolgversprechende Gespräch geführt. „Auch wenn wir nicht jedes Geschäft werden wiederbeleben können.“ Die Altstadt sei keineswegs so tot, wie es die Kritiker behaupten.

Hatten die Klagen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegen verkaufsoffene Sonntage im Frühjahr noch für Aufruhr gesorgt, so hat sich die Lage inzwischen wieder etwas entspannt. Im April war in Pfullendorf die „Echte Gilde der Marktschreier“ zu Gast gewesen, für den zweiten verkaufsoffenen Sonntag am 15. Oktober sind ein Generationenfest und ein Stadtspiel über das Smartphone geplant. „Die Wirtschaftsinitiative und unsere Innenstadtbeauftragte Mira Krane sammeln das ganze Jahr über Ideen“, sagt Bernd Mathieu. Deshalb gehe er davon aus, dass es auch bei den nächsten verkaufsoffenen Sonntagen attraktive Anlässe geben wird.

Schnelles Internet wird ausgebaut

Trotz einiger Hürden sei das erste Jahr als Wirtschaftsförderer in Pfullendorf ein gutes gewesen, sagt Bernd Mathieu. „Ich bin sowohl beruflich als auch privat in der Stadt angekommen.“ Erfolge vermeldet Mathieu beispielsweise beim Ausbau schneller Internetanschlüsse: Die Telekom wolle die schnellere Technik in der Kernstadt ab Mitte des Monats nach und nach freischalten. Die Ortsteile Otterswang, Zell, Schwäblishausen und Mottschieß sollen noch in diesem Jahr über die Breitbandversorgungsgesellschaft im Landkreis Sigmaringen ans schnelle Internet angeschlossen werden. Für die Einwohner von Tautenbronn, Gaisweiler, Sylvenstal und Brunnhausen hat die Firma Inexio ein Angebot vorgelegt. „Gibt es genug Interesse, wird das Gebiet erschlossen.“

Auf einem guten Weg sieht Bernd Mathieu auch den Radexpress Oberschwaben, der ab Mai 2018 als „Räuberbahn“ etwa doppelt so oft wie bisher zwischen Aulendorf und Pfullendorf unterwegs sein wird – bis Oktober an jedem Wochenende und an Feiertagen. Zum Saisonstart sollen die Haltestellen auf Vordermann gebracht werden, die Beleuchtung möglichst schon zum Weihnachtszug, der am 9. Dezember 2017 fährt.

Darüber hinaus hat Bernd Mathieu beispielsweise Kontakte zu Unternehmen geknüpft, Förderanträge bearbeitet und mit Interessenten für Gewerbeflächen gesprochen. „Pfullendorf ist nach wie vor ein aufstrebender Raum“, sagt er. „Wir haben vieles zu bieten und können das auch ruhig zeigen.“

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