Denkmalschutz hemmt das Bauen in der Altstadt

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Denkmalschutz hemmt das Bauen in der Altstadt
Schwäbische Zeitung

Die Stadt Pfullendorf verfügt über eine historische Kernstadt mit Seltenheitswert. Für die Stadtentwicklung ist das aber ein Hemmschuh – so lautet zumindest ein immer wieder vorgebrachtes Argument in der Stadt ansässiger Einzelhändler oder Immobilienbesitzer. Der Standort Altstadt sei nur wieder mit größeren Ladenflächen anzuschieben und indem ein Frequenzbringer auf großer Fläche dort angesiedelt wird.

Die Einzelhandelsgeschäfte in der Altstadt konzentrieren sich inzwischen auf zwei Straßen. Der östliche, obere Teil der Kernstadt ist längst abgehängt. Der Bau einer Seniorenwohnanlage stellt die letzte größere Investition in diesem Bereich der Pfullendorfer Altstadt dar. Das ist allerdings bereits ein paar Jahre her. Seit über einem Jahr läuft für diesen Bereich ein Programm der Altstadtsanierung mit Fördermöglichkeiten. Es tut sich aber wenig.

Inwieweit lässt das Denkmalrecht aber in der Kernstadt Pfullendorf überhaupt die Schaffung größerer Einheiten zu – schließlich ist die Altstadt noch fast vollständig von der Stadtmauer, teils über in die Mauer integrierte Häuser, umringt. Die Struktur der engen Straßen und Gassen des mittelalterlichen Stadtbilds ist nahezu vollständig erhalten. Und das spiegelt sich auch in der Zahl der denkmalgeschützten Gebäude in der Stadt wider. Und darüber hinaus an einigen Freiflächen entlang der historischen Stadtmauer parallel zur Kolpingstraße. Denkmalgeschützt sind auch die Stadtmauern beziehungsweise ihre Reste. Der rechtliche Rahmen führt dann nach einem Abbruch zu solch‘ absurden Fassaden und Mauerresten, wie sie derzeit direkt an der Kreuzung am Fuß der Altstadt zu sehen sind.

Vor zwölf Jahren wurde die historische Substanz der Stadt Pfullendorf in einem so genannten Denkmalbuch durch das Landesdenkmalamt vollständig erfasst. Ein Blick auf den Stadtplan zeigt die hohe Dichte an Bau- und Kulturdenkmälern in der Altstadt. Zuständig ist inzwischen als sogenannte untere Denkmalbehörde die Stadt Pfullendorf. Bis zur Verwaltungsreform unter dem damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) war der Denkmalschutz über eine eigene Behörde Landessache.

Ein denkmalgeschütztes Objekt darf nur dann abgerissen werden, wenn der Eigentümer anhand einer auf zehn Jahre angelegten Wirtschaftlichkeitsrechnung nachweisen kann, dass eine Sanierung nicht zumutbar ist, erläutert Josef Waldschütz vom zuständigen Pfullendorfer Bauamt und seit der Verwaltungsreform gleichzeitig zuständig für den Denkmalschutz in der Stadt. Außerdem muss das Objekt zuvor ein Jahr lang auf der Internet-Plattform der Landesdenkmalbehörde vergeblich zum Verkauf angeboten worden sein.

Aber auch wenn die Häuser in der Altstadt nicht denkmalgeschützt sind, genießen sie so genannten „Ensembleschutz“, erläutert Waldschütz: Sprich: Der Gesamteindruck des denkmalgeschützten Bereichs darf durch die neue Bauweise nicht gestört werden. Entscheidungen würden dabei in enger Abstimmung mit dem übergeordneten Denkmalschutz getroffen. „Das Objekt muss sich in den Gesamteindruck einstimmen“, sagt Waldschütz. Er verweist aber gleichzeitig darauf, dass Erweiterungen mit Stahl und Glas inzwischen durchaus gerne akzeptiert werden. Als Beispiel verweist er auf den Anbau an die ebenfalls denkmalgeschützte Christuskirche in Pfullendorf. Ein Anbau dürfe durchaus ein Element für sich sein.

Waldschütz: „Gekünstelt muss es heute nicht mehr sein“.

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