Bis 2022 sollen alle Haltestellen barrierefrei sein

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Die Haltebuchten am Omnibusbahnhof in Pfullendorf sind dank des abgesenkten Zugangs für Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwa
Die Haltebuchten am Omnibusbahnhof in Pfullendorf sind dank des abgesenkten Zugangs für Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwagen problemlos erreichbar. (Foto: Anthia Schmitt)
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Exakt zum 1. Januar 2022 soll es an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs im Kreis Sigmaringen keine Barrieren mehr geben. Damit stehen auch Pfullendorf in den noch verbleibenden viereinhalb Jahre eine Vielzahl von Baumaßnahmen und eine insgesamt große Investition ins Haus. Pfullendorf ist gegenüber anderen Gemeinden an zentraler Stelle im Vorteil: Beim Bau des Zentralen Omnibusbahnhof in Pfullendorf ist laut Stadtbaumeister Jörg-Steffen Peters auf Barrierefreiheit schon geachtet worden.

Die Barrierefreiheit an Haltestellen bis zum Beginn des Jahres 2022 ist im Personenbeförderungsgesetz des Landes festgeschrieben. Die vom Land eingeforderten Investitionen sollen den Nahverkehr attraktiver machen. „Damit sollen nicht nur Rollstuhlfahrer künftig leichter den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen können. Dies soll auch Menschen mit Rollator oder Kinderwagen den Ein- und Ausstieg in den Bus erleichtern“, sagt Max Stöhr, Leiter des Fachbereichs Kommunales und Nahverkehr im Landratsamt in Sigmaringen.

Derzeit arbeitet der Fachbereich von Max Stöhr an einem Haltestellenkataster. Stöhr: „Darin werden alle rund 600 Haltestellen im Landkreis aufgenommen und ihr derzeitiger Zustand erfasst.“ In einem weiteren Schritt werden „wir auch in Abstimmung mit den Busunternehmern, Kriterien festlegen, welche Haltestellen barrierefrei umgebaut werden müssen“. Welche der Haltestellen barrierefrei umgebaut werden müssen, steht damit noch nicht fest.

VdK begrüßt neue Vorgaben

Der Pfullendorfer Vorsitzende des Sozialverbandes VdK, Karlheinz Fahlbusch, begrüßt die gesetzlichen Vorgaben für den öffentlichen Personennahverkehr. „Es kommt aber darauf an, was unter Barrierefreiheit verstanden wird“, so der VdK Vorsitzende. Aus seiner Sicht müsse sowohl den Zugang zur Bushaltestelle als auch der Einstieg in den Bus ohne Barriere möglich sein. Einen barrierefreien Zugang zu jedem einzelnen Bussteig hält er allerdings für nicht praktikabel. „Ich halte es für ausreichend, wenn die Bussteige über einen zentralen Zugang erreichbar sind. Kleinere Umwege müssen zumutbar sein“, so Fahlbusch. Darüber hinaus gelte es bei der Barrierefreiheit nicht nur an Rollstuhlfahrer zu denken. So weiß er aus Erfahrung, dass bestimmte kleinere Erhebungen für Rollstuhlfahrer durchaus passierbar sind, bei der Benutzung eines Rollators als Gehhilfe dagegen nicht zu überwinden sind. „Der Rollator müsste dann angehoben werden“, so Fahlbusch. Wenn eine ältere Dame den Rollator zusätzlich mit ihrem Einkauf beladen habe, sei das schwierig.

Pfullendorf habe in Sachen Barrierefreiheit bereits einiges getan, lobt Fahlbusch. So sei ein Niederflurfahrzeug als Bürgerbus angeschafft worden, das den leichten Einstig möglich macht. Auch deshalb sei das Fahrzeug im Vergleich zu einfacheren Fahrzeugen „entsprechend teurer“ gewesen. Wie die Stadt die Haltestellen nun ebenfalls in einen entsprechenden Zustand versetzen will, wird sich in den nächsten viereinhalb Jahren zeigen. Genauere Aussagen dazu möchte Pfullendorfs Stadtbaumeister Jörg-Steffen Peter erst im September machen.

Vielleicht herrscht bis dahin mehr Klarheit über die Vorgaben des Landratsamtes. Denn noch berufen sich Städte und Gemeinden auf die herrschende Unsicherheit, weil noch nicht klar ist, wo eine Investition in die Barrierefreiheit Sinn macht. Stöhr: „Vermutlich werden Haltestellen außerhalb von Ortschaften und mit sehr geringer Frequenz nicht umgebaut werden müssen“.

Doch was heißt geringe Frequenz? Ziel der Maßnahmen ist es schließlich, die Frequenz im Personennahverkehr zu erhöhen. Dabei bezieht sich Stöhr auch auf kleine Ortschaften. Zur Untätigkeit seien die Gemeinden außerdem nicht verdammt, so Max Stöhr. Sie könnten unabhängig vom Landkreis tätig werden. Als Straßenbaulastträger stehe es den Gemeinden frei, ihre Haltestellen jetzt schon barrierefrei umzubauen.

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