Beim Fracking gibt es kein laufendes Verfahren

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Schwäbische Zeitung
Anthia Schmitt

„Von vornherein ein ganz klares Nein.“ Gemeinderat Peter Schramm forderte in der Sitzung am Donnerstag, was seine Ratskollegen anschließend einstimmig beschlossen: Die Stadt Pfullendorf richtet ein Schreiben an die Landesregierung, den Regionalverband und das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg, in dem sie sich mit Nachdruck gegen die unkonventionelle Erdöl- und Erdgasförderung durch Fracking und ein Wiederaufleben der konventionellen Erdölförderung ausspricht. In dem Schreiben fordert die Stadt außerdem eine Änderung des Bergrechts und ein Verbot von Fracking sowie, einem Vorschlag von Gemeinderat Heinz Brandt (UL) folgend, ein Planfeststellungsverfahren und eine Umweltverträglichkeitsprüfung.

Heinz Brandt, gleichzeitig Geschäftsführer des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), hatte in der Sitzung im Juni angeregt, die Stadt möge wie andere Kommunen im Bodenseeraum und Oberschwaben ein klares Statement gegen Fracking äußern. Fracking bedeutet ein Verfahren, bei dem Erdgas auf relativ neue Art und Weise gefördert wird. Sprich: da wird nicht einfach in tieferen Erdschichten ein Feld erschlossen, sondern da werden mit Hilfe von Wasser und Chemikalien Brüche in der Erdkruste erzeugt, um vorhandene Gase freizusetzen.

Für derartige Erschließungen sind rechtliche Genehmigungen notwendig. Und in Pfullendorf wurde lange Erdöl gefördert – auf dem Areal, wo heute das neue Industriegebiet ausgewiesen wird, hatte die Firma ihren Sitz. Eine Ölpumpe als Industriedenkmal gibt davon Zeugnis. Die Förderung wurde vor …. eingestellt.

„Wir sollten uns zu dem Thema äußern, zumal unsere Gegend prädestiniert ist“, sagte Bürgermeister Kugler im Gemeinderat im Vorfeld der Abstimmung. Er informierte, dass drei Lizenzen für das Aufsuchen von Erdgas und Erdöl für die Region Oberschwaben und unter dem Feldnamen „Oberschwaben II“ auch für das Gebiet zwischen Ostrach und Wald erteilt seien und außerdem ein Konsortium aus Ingenieuren überlege, die alte Erdölförderung wieder aufleben zu lassen.

„Bis jetzt ist nichts passiert“, sagte Kugler und warnte vor einer Panikmache, mit der Aufsuchungslizenz dürfe noch keiner aufs Feld und auch die Überlegungen des Konsortiums seien nur sehr vage. Allerdings stelle das Fracking eine Gefahr für das Grundwasser dar, denn auch ohne direkten Kontakt mit dem Grundwasserleiter bestehe die Gefahr, dass Gase in die Gesteinsschichten gelangen, in denen Grundwasser vorkommt. Der oberschwäbische Raum sei für Millionen von Menschen der Trinkwasserspeicher, ein Schutzgut, das vor jeder möglichen Schädigung zu schützen sei. Allerdings ist eine Resolution nichts anderes als ein Appell an den übergeordneten Gesetzgeber.Rechtlich bindend ist er nicht, egal wie viele Landkreise oder Gemeidnen sich dem anschließen. „Wenn mal gebohrt wird, ist es meist zu spät“, sagte Stadträtin Gisela Franke von der UL.

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