Bücherei: Gedruckte Bücher verlieren an Bedeutung

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Digitale Streamingdienste für Filme und Musik werden bei Jugendlichen immer beliebter. Das schlägt sich auch in den öffentlichen
Digitale Streamingdienste für Filme und Musik werden bei Jugendlichen immer beliebter. Das schlägt sich auch in den öffentlichen Büchereien nieder. „Für diese Art der Mediennutzung sollte sich auch die Pfullendorfer Bücherei öffnen“, sagt dere (Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)
Schwäbische Zeitung
Anthia Schmitt

Geänderte Lesegewohnheiten, die Möglichkeiten des Internets und die vielseitigen digitalen Medien machen auch vor der Pfullendorfer Stadtbücherei nicht Halt. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag hat Büchereileiterin Martina Feldt in ihrem Jahresbericht mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass mittelfristig ein Wandel auf die Bibliotheken zukommt: Die Bücherei wird zunehmend von einem Haus der reinen Medienausleihe zu einem Aufenthalts- und Begegnungsort für alle Bürger – vorausgesetzt, die Räume sind einladend genug.

Die Zahlen der Pfullendorfer Bücherei sprechen bereits jetzt eine deutliche Sprache: Die Zahl der Ausleihen ist von 100 000 im Jahr 2016 auf knapp 92 000 im Jahr 2017 gesunken. Waren es im Jahr 2016 noch 50 500 Printmedien und gut 41 600 Non-Book-Medien wie CDs, DVDs oder Konsolenspiele, die ausgeliehen wurden, so gingen die Zahlen in 2017 auf 45 600 Printmedien und 36 800 Non-Print-Medien zurück.

Die Zahl der aktiven Nutzer der Bücherei ist ebenfalls leicht rückläufig. Sie sank von 1570 im Jahr 2016 auf 1390 im Jahr 2017, wobei etwa ein Drittel der Nutzer aus den umliegenden Gemeinden kommt. Stabil ist die Zahl der Neuanmeldungen, die bei jährlich etwa 330 Personen liegt.

Onleihe gewinnt an Bedeutung

Deutlich gewachsen sind hingegen die Ausleihzahlen der digitalen Medien. Die Onleihe – von Martina Feldt als „das beste Produkt, das wir haben“ bezeichnet – macht bereits jetzt zehn Prozent der Ausleihen aus. Auch die Zahl der Nutzer aus Pfullendorf steigt stetig. Die Onleihe, ein gemeinsames Angebot von 20 Bibliotheken, dem sich die Pfullendorfer Bücherei im Jahr 2014 anschloss, verfügt aktuell über 28 000 digitale Medien, auf die die Kunden aller 20 Bibliotheken Zugriff haben.

„Die Gesamtausleihe ist mit 92 000 vergleichsweise immer noch hoch, wobei Kinder unter zwölf Jahren einen wesentlichen Teil der aktiven Nutzer ausmachen“, sagte Martina Feldt. Sie verwies aber auch auf die digitalen Streamingdienste für Filme und Musik, die bei Jugendlichen immer beliebter werden und den Gang in die Bücherei überflüssig machen. „Für diese Art der Mediennutzung sollte sich auch die Pfullendorfer Bücherei öffnen und sich rechtzeitig positionieren“, sagte Feldt. „Die Streamingangebote für Bibliotheken sind im Kommen und aus unserer Sicht eine konsequente Weiterentwicklung des digitalen Angebots.“

Konsequent hat sich die Bücherei in den vergangenen Monaten auch als Ort der Begegnung weiterentwickelt. 140 unterschiedliche Angebote für Kinder und Jugendliche in den vergangenen beiden Jahren, die die Leselust und das Interesse an Büchern fördern sollen, standen auf dem Programm. Dazu kamen etliche Veranstaltungen für Erwachsene. Für mehr Aufenthaltsqualität sorgen eine neue Leselounge und die Einrichtung des Lesecafés. „Mütter mit Kleinkindern, Schulkinder, die spielen wollen, Bürger, die das Gespräch suchen, oder Senioren, die Zeitung lesen, verbringen die Zeit bei uns“, sagte Martina Feldt. Die Stadtbücherei sei zu einer beliebten Familieneinrichtung geworden.

Zwei Wünsche trug die Büchereileiterin am Ende ihres Berichts vor: Zum einen bat sie um Geld für eine modernere und größere Theke für die Ausleihe und Rückgabe der Medien. Zum anderen verwies sie noch einmal auf die Streamingangebote für Büchereien, um nicht die Generation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Bibliothekskunden zu verlieren.

Bürgermeister Thomas Kugler bescheinigte Martina Feldt und ihrem Team „eine sehr gute Arbeit“. Die Pfullendorfer Bücherei genieße einen hervorragenden Ruf und müsse auch weiterhin attraktiv bleiben. „Das ist eine Verpflichtung der Stadt gegenüber der Bevölkerung“, sagte Kugler.

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