Ausgebucht: Trotzdem muss die Einrichtung kämpfen

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Ausgebucht: Trotzdem muss die Einrichtung kämpfen
Schwäbische Zeitung

„Mein rechter, rechter Platz ist leer, da wünsch ich mir …“, läuft der Reim des Spiels in der Runde. „Wer darf herkommen, Jonas“, fragt Erzieherin Neeske Kühner. Zunächst bleibt’s still. Dann ist klar, wer aus der Runde der 15 Mädchen und Buben, die an diesem Montagvormittag mit drei Betreuungskräften in Großstadelhofen auf dem Gelände des Wald- und Wiesenkindergartens in der Straße „Wolfsgrube“ gemütlich auf improvisierten Bänken und Hockern zusammensitzen, es sein soll. Auf das „als was“ folgen imitierte Tierstimmen. Das Spiel geht weiter, der nächste ist dran…

Das Gelände ist weitläufig, Schaukelanlage und einfache Spielgeräte im jahreszeitlich bedingten satten Grün stehen da. Ein Bauwagen und eine original mongolische Jurte – ein beheiztes Zelt – schließen sich an. Ein riesiger, relativ offen gelassener Sandberg sticht ins Auge. Und der ist ein Grund für diesen Besuch beim Wald- und Wiesenkindergarten Pfullendorf. Schon zum zweiten Mal hat die Firma Müller Kieswerke Ostrach kostenlos Sand auf das Gelände gebracht – eine Spende, über die bei der von einem kleinen Trägerverein getragenen Einrichtung eine riesige Freude herrscht.

„Das ist so großzügig, weil es schon das zweite Mal hintereinander war“, sagt Kühner, zweite hauptamtliche Kraft neben der langjährigen Leiterin des Kindergartens, Elvira Riegger. Kühner wird Riegger im Juli ablösen, die altersbedingt aus ihrem Amt ausscheidet. „Bei uns ist viel Sand ganz besonders wichtig. Wir sind geradezu darauf angewiesen“, freut sie sich weiter.

Den Wald- und Wiesenkindergarten Pfullendorf besuchen 15 Kinder, hinzu kommen die Kleinen in der Zwergengruppe, betreut von Ursula Welschen. Die arbeite allerdings nahezu ehrenamtlich, sagen ihre Kolleginnen. Denn eine Einrichtung wie der Wald- und Wiesenkindergarten Pfullendorf lebt von einem hohen ehrenamtlichen Engagement Anders ging das in der Aufbauzeit auch gar nicht. Die Stadt trägt einen Teil der Kosten über den Trägerbeitrag. „Der wird von uns ganz normal bezuschusst“, so Hauptamtsleiter Hans Jürgen Rupp. Das ist gesetzlich so vorgegeben. Für die Kinder, die nicht aus Pfullendorf und deren Ortsteilen kommen, stellt die Stadt den Heimatgemeinden Rechnungen. Das läuft auch umgekehrt so, erläutert der Hauptamtsleiter das Procedere.

Trotzdem kämpft der Wald- und Wiesenkinderaten Pfullendorf, auch wenn er komplett voll ist. Denn Waldkindergärten dürfen per Gesetz nicht mehr als 15 Kinder groß sein, erläutert Kühner. Trotzdem lohnt sich für interessierte Eltern unbedingt ein Anmelden. „Wir haben immer wieder was frei“, so Kühner. Schließlich erfolge nicht jede Vormerkung.

Der bessere Betreuungsschlüssel in einem ganz anderen Umfeld samt entsprechender Pädagogik, der einerseits den großen Reiz einer solchen pädagogischen Einrichtung ausmacht und für manche Kinder für eine gute Entwicklung auch schlicht unabdingbar ist, bedingt so auch andererseits die permanenten wirtschaftlichen Nöte. Oft arbeiten in solchen Einrichtungen dann Erzieherinnen unterbezahlt, neben außerordentlichen, ehrenamtlichen Engagement der in irgendeiner Form im Trägerverein tätigen Eltern. Und derzeit bewegt sich das jährliche Defizit des Wald- und Wiesenkindergartens in einem Bereich von 16000 Euro. Das geht an die Substanz eines kleinen Vereins.

Kontakt: Wald- und Wiesenkindergarten Pfullendorf Telefon (07552) 928173, Neeske Kühner oder über die Homepage des Wald- und Wiesenkindergartens unter: www.pfullendorf.de/waldkindergarten.html

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