Alno-Sprecher: „Der Iran ist ein Markt mit Wachstumspotenzial“

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Alno-Sprecher: „Der Iran ist ein Markt mit Wachstumspotenzial“
Alno-Sprecher: „Der Iran ist ein Markt mit Wachstumspotenzial“ (Foto: dpa)

Nachdem die Europäische Union und die USA die Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen den Iran aufgehoben haben, hoffen viele Unternehmen aus dem Südwesten Deutschlands auf neue Geschäftsfelder – darunter Daimler und der Friedrichshafener Automobilzulieferer ZF. Der Pfullendorfer Küchenmöbelhersteller Alno unterhält schon seit Jahren Geschäftsbeziehungen nach Vorderasien. „Der Iran ist für uns zwar ein Markt auf niedrigem Niveau, aber mit Wachstumspotenzial“, sagt Unternehmenssprecher Jürgen Schulze-Ferebee. Auch in andere Regionen der Welt hat Alno inzwischen seine Fühler ausgestreckt.

Von den seit 2006 geltenden nuklearbezogenen Sanktionen gegen den Iran war der Küchenmöbelhersteller mit Hauptsitz in Pfullendorf nicht betroffen. „Seit 2015 haben wir einen Handelspartner im Iran, mit dem wir zusammenarbeiten und der auch schon ein paar Küchen verkauft hat“, sagt Jürgen Schulze-Ferebee. Insgesamt habe die deutsche Küchenindustrie im vergangenen Jahr Produkte im Wert von 1,4 Millionen Euro in den Iran verkauft. Für Alno sei der Markt allerdings eher wegen des Projektgeschäfts interessant und weniger, um Privatkunden zu beliefern. „Baut jemand eine Wohnanlage und stattet alle Einheiten mit unseren Küchen aus, ist das für uns lukrativer“, sagt der Alno-Sprecher.

Geschäfte mit Russland und China

In den vergangenen Jahren hat der Küchenmöbelhersteller sein Auslandsgeschäft kontinuierlich ausgebaut. So gründete das Unternehmen 2013 zusammen mit der Nature Vanessa Holding Company aus Hongkong ein Joint Venture in China. 2014 übernahm Alno die Schweizer AFG Küchen AG. Ein Jahr später stellten die Pfullendorfer zusammen mit der Pervaya Mebel’naya Fabrica, einem der größten Möbelhersteller des Landes, ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland auf die Beine. Der Anteil der ausländischen Tochtergesellschaften am Umsatz lag im Jahr 2015 bei 56 Prozent. Drei Jahre zuvor waren es noch 29 Prozent.

„Im Ausland ist die Marge beim Küchenverkauf deutlich höher als in Deutschland“, sagt Jürgen Schulze-Ferebee. „Der deutsche Markt ist so überhitzt, dass wir aus unserer Sicht gut daran tun, uns Absatzmärkte im Ausland zu suchen.“ Selbst bei kleineren Geschäften könne der Küchenmöbelhersteller dort gute Ergebnisse erzielen. Kleinere Märkte hätten das Potenzial, dass sich dort in Zukunft weitere Möglichkeiten auftun. „Wenn wir dann schon vor Ort sind, tun sich Mitwerber schwerer damit, Fuß zu fassen“, sagt der Alno-Sprecher.

Vertrieb über Händler vor Ort

Alnos kleinste Absatzmärkte befinden sich in Afrika und Südamerika. Die Umsätze dort bewegen sich laut Unternehmenssprecher im kleinen einstelligen Millionenbereich. „Der Aufwand bei der Bearbeitung dieser Märkte ist im Verhältnis zum Umsatz natürlich relativ hoch – allein schon bei der Betreuung der Kunden“, sagt Jürgen Schulze-Ferebee. Wegen der höheren Margen lohne es sich aber trotzdem, diesen Aufwand zu betreiben. „Risiken versuchen wir zu minimieren, indem wir ab Werk liefern und per Vorauskasse abrechnen“, sagt der Alno-Sprecher. Der Vertrieb der Küchen erfolge über Händler vor Ort. „Diese tragen das Abwicklungs- und Währungsrisiko.“

Für die Alno-Mitarbeiter, die für das Auslandsgeschäft zuständig sind, liegt der größte Aufwand in der Koordination der Aufträge. „Sie kümmern sich etwa um den Transport und um Zollfragen“, sagt Jürgen Schulze-Ferebee. Seine Kollegen, die in Afrika und Südamerika aktiv sind, seien schon lange mit den Regionen vertraut. „Sie kennen die Menschen, die Landschaft und die Strukturen der Länder“, sagt der Alno-Sprecher.

Der Schweizer Sanitärtechnik-Hersteller Geberit, der am Standort Pfullendorf rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt, wollte sich gegenüber der Schwäbischen Zeitung zu (möglichen) Geschäftsbeziehungen in den Iran nicht äußern.

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