61 Betriebe werben um den Nachwuchs

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 Wolfgang Scheitler, Leiter der Pfullendorfer Spitalpflege, wirbt um Auszubildende im Bereich der Altenpflege.
Wolfgang Scheitler, Leiter der Pfullendorfer Spitalpflege, wirbt um Auszubildende im Bereich der Altenpflege. (Foto: Anthia Schmitt)
Anthia Schmitt

Die Ausbildungsbörse der Wirtschaftsinitiative Pfullendorf (WIP) erfreut sich bei Betrieben und Jugendlichen ungebrochen großer Beliebtheit. Bei der 17. Auflage am Donnerstag in der Pfullendorfer Stadthalle stellten 61 Unternehmen ihre Ausbildungsangebote vor.

„Richtig kuschelig“ fand es Organisator Bernd Ruther angesichts des engen Zusammenrückens der Stände. Dieses war nötig geworden, damit alle Aussteller in die Halle und ins Foyer hineinpassen. Einigen Interessenten, so berichtete Ruther, habe er aus Platzmangel trotzdem eine Absage schicken müssen. „Es wollten noch mehr Aussteller kommen.“

Längst sind nicht mehr nur einheimische Betriebe in der Stadthalle vertreten, sondern auch Firmen wie der Autozulieferer Mahle aus Leibertingen, der Maschinenbauer Knoll aus Bad Saulgau, die Kunststoff verarbeitenden Unternehmen Späh aus Scheer und Tox aus Ablach oder – erstmals in diesem Jahr – das Rüstungsunternehmen Diehl Defence aus Überlingen. „Wir haben viele Mitarbeiter aus dem Raum Pfullendorf und mit dem Regiobus ist es kein Problem, nach Überlingen zu gelangen“, sagte Diehl-Personalchef Dieter Monka. „Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, in diesem Jahr in Pfullendorf präsent zu sein.“

Rund 560 Schüler aus Pfullendorf, Meßkirch, Krauchenwies und Wald informierten sich an den Ständen über Ausbildungs- und Praktikumsangebote. Viele waren im Klassenverband gekommen, andere aus Eigeninitiative – beispielsweise ein junger Mann, der bereits eine Bewerbung an die Stadt Pfullendorf geschickt hatte und befürchtete, aufgrund seiner Schulnoten gar nicht erst in die engere Wahl zu kommen. Er habe gedacht, er stelle sich bei der Ausbildungsbörse persönlich vor, um seine Chancen zu erhöhen, erklärte er Personalleiterin Marlies Matheis. Dafür habe er sich extra frei genommen – ein Engagement, das Matheis zu würdigen wusste.

Vertreten waren viele Berufe und duale Studiengänge aus dem sozialen, kaufmännischen oder technischen Bereich sowie aus dem Dienstleistungsgewerbe. Erstmals seit längerer Zeit war mit dem Gasthaus Höchsten aus Illmensee auch wieder ein Gastronomiebetrieb mit dabei. Die Firmen Schöppler und Irßlinger aus Meßkirch stellten Berufe im gärtnerischen Bereich vor. Fast alle Aussteller hatten ihre Auszubildenden und junge Leute mitgebracht, um mit den Schülern auf Augenhöhe in Kontakt zu kommen.

Das Handwerk fehlt fast komplett

Interessante Werkstücke und Vorführungen, kleine Geschenke, Gewinnspiele, besondere Höhepunkte wie der Sandkasten des Tiefbauunternehmens Strobel, in dem kleine Bagger via Fernsteuerung gelenkt werden konnten, oder die Möglichkeit des praktischen Ausprobierens, wie sie der Friseursalon Schmauder anbot, sollten die Aufmerksamkeit der Jugendlichen zusätzlich auf sich ziehen. Was allerdings auffiel: Das heimische Handwerk mit klassischen Berufen wie Schreiner, Heizungsbauer, Maler oder Elektriker fehlte fast vollständig.

Die Jugendlichen kamen gut vorbereitet zur Ausbildungsbörse. Von der WIP hatten sie im Vorfeld sogenannte „Spickzettel“ bekommen, auf denen die wichtigsten Fragen für ein Kontaktgespräch zusammengestellt waren. Für gezielte Gespräche gab es außerdem eine Messezeitung mit allen Ausbildungsangeboten.

„Es gibt den jungen Menschen ein gutes Gefühl, dass man um sie buhlt“, sagte Bürgermeister Thomas Kugler. Er erinnerte daran, dass die Ausbildungsbörse einst ins Leben gerufen worden war, um den Jugendlichen auf dem damals schwierigen Arbeitsmarkt zu einem Ausbildungsplatz zu verhelfen. Heute sei die Situation anders. Die Betriebe stünden im Wettbewerb um die Auszubildenden und Fachleute von Morgen.

„Die Ressource Mensch ist in manchen Bereichen ein Mangelprodukt geworden“, sagte Thomas Kugler. Gleichzeitig hob er die Ausbildungsbörse als Plattform für das vielfältige Gewerbe in der Region hervor. „Der ländliche Raum wird unterschätzt“, sagte der Bürgermeister. „Es gibt hier viele tolle Betriebe.“

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