Wolf wurde bei Ostrach gesichtet

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Umweltstaatssekretär: Wie gefährlich ist der Wolf?
Umweltstaatssekretär Andre Baumann beantwortet die Frage, wie gefährliche Wölfe in Baden-Württemberg sind. Und welche Kennzeichen eigentlich einen gefährlichen Wolf definieren. Außerdem gibt Baumann Antwort auf die Frage, warum er sich so stark für Wacholderheiden einsetzt, die in Baden-Württemberg geradezu einmalig sind.
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Auf der Gemarkung der Gemeinde Ostrach ist ein Wolf gesichtet worden. Das geht aus einem Papier des Umweltministeriums in Stuttgart hervor, das an die Mitglieder der „Koordinationsgruppe Wolf“ am 2. März herausgegeben wurde. In der „Koordinationsgruppe Wolf“ sind neben den zuständigen Naturschutzbehörden auch Naturschutz-, Jagd- und Landnutzerverbände vertreten, wie zum Beispiel die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA), aber auch die Nutztierverbände.

Der Wolf wurde am Morgen des 24. Februar von einem Autofahrer in der Gemeinde Ostrach gesehen. Der Autofahrer filmte den Wolf mit seinem Smartphone, „wie er einige Meter neben der Straße entlang rannte und dann abdrehte“, heißt es in dem Papier. Ralf Heineken, Pressesprecher des Umweltministeriums in Stuttgart, bestätigt die Sichtung. „Es handelt sich um einen C1-Nachweis und das bedeutet, dass es sich ganz sicher um einen Wolf handelt“, bestätigt Heineken. Im Papier mit dem Aktenzeichen Az.: 72-8852.44 Wolf heißt es: Die FVA bewertet das Video in Abstimmung mit dem Dokumentations- und Beratungszentrum des Bundes zum Wolf (DBBW) als C1-Nachweis für einen Wolf.“ Wo genau der Wolf in Ostrach gesichtet wurde, kann Heineken nicht sagen. „Aber da es Gemeinde Ostrach heißt, gehe ich davon aus, dass es schon ziemlich nahe am Ort selbst war.“ Auch Tobias Kolbeck, Sprecher des Landratsamtes Sigmaringen, bestätigt die Sichtung.

Wo Deutschlands Wölfe leben

Am 17. Februar, also vor rund zwei Wochen, wurde im Donautal der erste Wolf gesichtet, seit Canis lupus, so der lateinische Name, nach Baden-Württemberg zurückgekehrt ist. Wie der Wildtierökologe Johannes Erretkamps von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg damals sagte, könne man nicht sagen, ob sich der Wolf noch in der Region aufhalte. Dem scheint nun also so zu sein. „Es ist davon auszugehen, dass es sich bei dem gesichteten Tier um denselben Wolf handelt, der am 17. Februar dieses Jahres in der Gemeinde Beuron von einer Fotofalle fotografiert wurde“, sagt Heineken. Aber mit letzter Sicherheit lasse sich das natürlich nicht sagen, da keine genetischen Spuren vorlägen. Heißt: Der Wolf hinterließ an einem Riss oder irgendwo sonst keinen genetischen „Fingerabdruck“, also Haare, Speichel oder anderes verwertbares Material, der es erlaubt, das Tier eindeutig zu identifizieren.

Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren, seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, 26-mal Wölfe in Baden-Württemberg gesichtet, fotografiert oder gefilmt. „Es ist aber nicht davon auszugehen, dass es sich dabei immer um verschiedene Tiere handelt. Wir gehen von insgesamt sechs verschiedenen Tieren in den vergangenen beiden Jahren aus. Derzeit sind es wahrscheinlich drei Wölfe, die in Baden-Württemberg umherstreifen“, sagt Heineken. Auch die Herkunft des Ostracher Tiers ist unklar. „Zwei von den drei derzeit in Frage kommenden Tieren kommen nach unseren Informationen aus Niedersachsen, eins aus dem nördlichen Italien“, sagt Heineken.

Es gibt auch „Problemwölfe“

Heineken tritt Panikmache entgegen und rät im Namen des Ministeriums zum sachlichen Umgang mit dem Wolf. „Natürlich sind entsprechende Warnungen an die Nutztierverbände rausgegangen. Aber Viehzüchter können ihre Tiere mit einem Elektrozaun schützen, den sie bei der FVA ausleihen können. Soll es schnell gehen, sogar kostenlos.“ Trotz allem reiße der Wolf in erster Linie Wildtiere, „und Menschen haben vor ihm ohnehin nichts zu befürchten, Hundebesitzer leinen ihre Tier am besten an“, sagt Heineken und bestätigt so die Regel: Bevor der Mensch einen Wolf sieht, muss dies der Wolf zulassen. „Der Wolf ist ein geschütztes Tier und man weiß nun, dass er da ist.“ Die Beziehung des Menschen zum Wolf gilt seit Jahrhunderten als angespannt. Man spricht auch vom „Rotkäppchen-Syndrom“, da Märchen und Filme das angeblich völlig zerrüttete Verhältnis belegen.

Trotzdem: Es gibt sie, die „Problemwölfe“, analog zu Bruno, dem „Problembären“. „Kurti“ hieß der erste Wolf, der nach der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland geschossen oder, um im Amtsdeutsch zu bleiben, „entnommen“ wurde. Solche Fälle entstehen, wenn sich Wölfe zu nahe an Menschen wagen. Oftmals geschehe das aber erst, wenn sie gefüttert würden, sagt Heineken und rät dringend davon ab. „Das geht nicht. Das darf man nicht.“ In diesem Fall könne es nämlich sein, dass ein Wolf zu zahm werde, seine Scheu vor Menschen verliere. Dann lässt sich der Wolf auch durch entsprechende „Vergrämungsmaßnahmen“, sprich durch den Beschuss mit Gummiknüppeln nicht mehr vertreiben. Wie im Falle „Kurtis“, der – wohl als Welpe gefüttert – immer aufdringlicher wurde, sich Spaziergängern näherte, einer Frau mit Kinderwagen gefolgt sein soll und am Ende sogar einen Hund biss. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der Ostracher Wolf in der Gemarkung bleibt, ist ohnehin nicht allzu groß. Doch Heineken möchte dazu keine Prognose abgeben, stellt aber fest. „Es kann sein, dass ein Wolf in einer Nacht 60 Kilometer zurücklegt. Wir haben in Baden-Württemberg Waldgebiete die groß genug sind.

Video liegt dem Landkreis nicht vor

Ob ein Wolf aber bleibt, hängt von vielen Faktoren ab: Findet er genügend Nahrung? Eine Partnerin, einen Partner? Derzeit ist nicht viel über den Ostracher Wolf bekannt. Über den gegenwärtigen Aufenthaltsort wisse man nichts. „Das Video liegt dem Landkreis Sigmaringen leider nicht vor“, sagt Tobias Kolbeck, Pressesprecher des Landratsamtes Sigmaringen. Gut möglich, dass das Tier ohnehin schon über alle Berge ist.

Wolf tappt bei Beuron in eine Fotofalle
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