Die Firma Tegos ist Zulieferer für die Wohnmobilbranche.
Die Firma Tegos ist Zulieferer für die Wohnmobilbranche. (Foto: Archiv baur)

Der Serviceclub Round Table lädt unter der Überschrift „Denker oder Schaffer - welche Bildung braucht's Ländle?“ zu seiner Diskussionsrunde „Talk im Hofgarten“ ein. Fünf regional und überregional bekannte Gesprächspartner werden am Samstag, 13. Oktober, unter der Moderation von Hendrik Groth, Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung“, im Hofgarten in Sigmaringen das Thema beleuchten. An der Runde wird auch Peter Müller, Geschäftsführender Gesellschafter des Ostracher Wohnmobil-Zulieferer Tegos, teilnehmen. SZ-Redakteurin Julia Freyda sprach vorab mit ihm über den Fachkräftemangel und den Folgen gesprochen.

Besteht auch bei Tegos ein Fachkräftemangel?

Ja, den gibt es ganz klar. Uns fehlen zum Beispiel Schreiner, Tischler und Mechatroniker. Aber auch bei den Ingenieuren ist der Markt enger geworden.

Wie macht sich das im Alltag bemerkbar?

Wir haben zwar genügend Mitarbeiter, die Maschinen bedienen können. Aber zu wenige, die diese Maschinen auch programmieren können. Wenn diese dann ausfallen, dann schlägt sich dies entweder auf die Produktion nieder oder muss von der nächst höheren Hierarchie übernommen werden.

Sie waren bei mehreren mittelständischen Unternehmen in der Geschäftsführung. Unterscheidet sich der hiesige Fachkräftemangel von dem in anderen Regionen?

Der Mangel hat sich insgesamt durch die Super-Konjunktur verschärft, aber auch die Demografie spielt eine Rolle. Mein Eindruck ist aber, dass wir im Raum Ostrach und Pfullendorf noch besser dran sind. Anfang der 90er-Jahre war ich während einer ähnlich starken konjunkturellen Phase im Großraum Stuttgart und habe die Fachkräfteproblematik dort damals intensiver erlebt.

Tritt der Fachkräftemangel im ländlichen Raum also gar nicht so verstärkt auf?

Das dürfte ganz unterschiedlich sein. Der Raum Ostrach und Pfullendorf hat eine geschickte Lage. Je näher es an Gebiete wie Friedrichshafen und Ravensburg geht, desto schwieriger wird die Mitarbeitergewinnung. Unsere Mitarbeiter kommen vor allem aus dem direkten Umland. Die Fahrt bis nach Friedrichshafen oder Ravensburg wäre ihnen vermutlich schon zu weit.

Bremst der Fachkräftemangel die Unternehmensentwicklung?

Wir haben 2016 aus dem Stand 40 Arbeitsplätze schaffen müssen, da hat er also nicht gebremst. Momentan bauen wir pro Jahr fünf bis zehn Arbeitsplätze auf und das ist aufgrund der starken Konjunktur schon schwieriger geworden. Wir spüren einen hohen Druck bei den Endgeldforderungen und stehen in einem enormen Wettbewerb um Azubis und die wenigen Fachkräfte.

Ingenieure oder Azubis – Wo ist der Bedarf denn größer?

Der Azubibereich ist ein spezieller Markt. Durch unsere Ausbildungskooperation mit den Ostracher Firmen HFM Schnetz und Neher Dia haben wir uns wettbewerbsfähig mit größeren Firmen gemacht. Der Azubimarkt ist aus strategischen Gründen sehr wichtig, weil darüber eine Bindung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen geschaffen wird. Es ist aber schwierig und aufwändig Azubis zu finden. Ein Ingenieur lässt sich durch eine gute Bezahlung einfacher herholen.

Ist die Bezahlung da das einzige Mittel?

Nein, es muss grundsätzlich auch eine tolle Aufgabe mit einem breiten Verantwortungsbereich und Entwicklungsmöglichkeiten sein. Außerdem muss ein Mitarbeiter stolz auf sein Unternehmen sein können. Das klappt, wenn es gute Produkte macht und auch nach außen positiv wahrgenommen wird.

Was kann der Unternehmer selber noch leisten?

Er muss eine Form der Mitarbeiterorientierung leben. Mit einem autoritären Führungsstil aus früheren Zeiten lassen sich heute keine Mitarbeiter mehr gewinnen. Die wollen mitentscheiden und auch Verantwortung übernehmen. Auch Flexibilität bei den Arbeitszeiten ist wichtig. Und es muss Spaß machen, im Unternehmen zu arbeiten, aber ohne dass es in einen Ponyhof ausartet.

Sehen Sie die Politik in der Verantwortung, etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun?

Ja, natürlich. Es wird auch schon viel getan, aber das reicht angesichts der Demografiefalle nicht. Schon vor knapp 20 Jahren zeigte sich eine starker Rückgang bei den Geburten und Unternehmer haben schon damals vor einem folgenden Fachkräftemangel gewarnt. Vor allem muss aber auch die grundlegende Bildung verbessert werden. Mein Enkel ist zum Beispiel jetzt in der ersten Klasse und bei ihm fällt schon Unterricht aus. Das ist schlecht, wenn die Bildung so startet.

Die Veranstaltung

Die Teilnahme ist kostenlos, um Spenden für einen wohltätigen Zweck wird gebeten. Der „Talk im Hofgarten“ findet am Samstag, 13. Oktober, um 20 Uhr im Sigmaringer Hofgarten statt. Der Einlass ab 19.30 Uhr. Voranmeldung unter kontakt@talk-im-hofgarten.de

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