Vipingo hält Versorgung aufrecht

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Die Schüler bedanken sich bei den SZ-Lesern für die Spende aus der vergangenen Aktion „Helfen bringt Freude“.
Die Schüler bedanken sich bei den SZ-Lesern für die Spende aus der vergangenen Aktion „Helfen bringt Freude“. (Foto: privat)

Der Ostracher Verein Vipingo geht an seine finanziellen Reserven. Rund 10 000 Euro hat er seit dem Frühjahr an die Future Hope Montessori School im Ort Vipingo an der kenianischen Ostküste überwiesen. „Jeder Cent wird gerade für Lebensmittel benötigt. Die Menschen haben sehr mit einer Hungersnot zu kämpfen“, berichtet Dietmar Rusch, Vorsitzender des Vereins.

Die Corona-Pandemie trifft Kenias Bevölkerung und Wirtschaft hart. Nach Angaben der Regierung haben 2,5 Millionen Kenianer in den vergangenen Monaten ihren Job in der Tourismusbranche verloren. „In Vipingo leben sehr viele Menschen oft von einfachen Jobs im Tourismus. Die haben jetzt nichts mehr“, sagt Rusch. Da es weder Sozialleistungen noch Hilfsprogramme vom Staat gibt, seien die Menschen in jeglicher Hinsicht sich selbst überlassen. Seit März überweist der Verein regelmäßig Geld an Schulleiterin Carol Hardman, die vor Ort Lebensmittelpakete zusammenstellt und dafür sorgt, dass die Familien in der Region versorgt sind. Mit dem Paket aus Mehl, Reis, Bohnen und Öl, aber auch Seife kommt eine fünfköpfige Familie rund zwei Wochen durch und kann auch auf Hygiene achten – umgerechnet 15 Euro kostet solch eine Ration. In den vergangenen Monaten haben rund 750 Menschen aus 119 Familien dank des Vereins Essen gehabt. „Zusammengerechnet ergab das bislang rund 300 000 Mahlzeiten, was den Unterschied zwischen Leben und Tod macht“, berichtet die Schulleiterin.

Dennoch musste Hardman mit der Vorstandschaft von Vipingo im Oktober eine schwere Entscheidung treffen und den Kreis der Lebensmittelempfänger deutlich reduzieren. „Die finanziellen Mittel haben einfach nicht ausgereicht, um dauerhaft allen zu helfen. Nun versorgen wir nur noch die Familien, die direkt zur Schule gehören“, sagt Rusch. Denn er befürchtet, dass der Verein auch das ganze kommende Jahr irgendwie genügend Spenden für die Lebensmittel zusammenbekommen muss. Es sei nicht absehbar, dass der Tourismus in Kenia so schnell wieder anlaufen werde und mancher Betrieb wohl auch nie wieder öffnen wird. „Mit der Unterstützung gehen wir an unsere finanziellen Reserven“, sagt Rusch. Unangetastet bleiben zweckgebundene Spenden für das geplante Volontärshaus. „Das liegt vorerst auf Eis, weil die Bauarbeiter derzeit auch gar nicht arbeiten dürfen“, sagt Rusch.

Neben den Folgen der Pandemie hat die kenianische Bevölkerung in diesem Jahr noch zwei Probleme zu schultern: In Ostafrika herrscht laut der Landwirtschaftsorganisation FAO der Vereinten Nationen die schlimmste Heuschreckenplage seit 70 Jahren. Zudem hat es während der Regenzeit ungewöhnlich starke Schauer gegeben, sodass Dörfer überflutet wurden, einige der oft einfachen Lehmhäuser einstürzten.

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