Vipingo bereitet Kinder auf das Leben vor

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 An der Future Hope Montessori School gibt es seit 2015 einen Kindergarten-Anbau.
An der Future Hope Montessori School gibt es seit 2015 einen Kindergarten-Anbau. (Foto: privat)

Als Karl Eberhardt 1999 mit seiner Frau Doris Urlaub im kenianischen Dorf Vipingo macht, fällt ihnen der sympathische Alibaba am Strand sofort auf. Er verkauft Souvenirs, bietet Safaris an, unterhält die Touristen, weil er im Goethe-Institut Deutsch gelernt hat. Die Ostracher buchten ihn als Reiseleiter und verbrachten viel Zeit miteinander, lernten nicht nur die sonnigen Seiten des Lebens in dem ostafrikanischen Land kennen, sondern auch viel Armut und Perspektivlosigkeit. Bei der Abreise gaben sie Alibaba ihre Adresse und meinten, dass er sich mal melden solle, wenn er in Deutschland sein sollte. Kein halbes Jahr später war er da, Karl Eberhardt gab ihm spontan Arbeit in seinem Supermarkt und ein Zimmer in seinem Haus. Im Hinterkopf keimte bereits ein Grundgedanke für den Verein Vipingo, um den Menschen in Kenia zu helfen.

Im Supermarkt half Alibaba etwa beim Einräumen der Regale, hatte aber am meisten Spaß dabei, den Kunden die Früchte seiner Heimat näher zu bringen. So zerteilte er in Windeseile unter anderem Ananas, verriet den Kunden ein paar Tricks. „Das wurde so beliebt, dass ich eine eigene Firma gegründet habe, weitere Kenianer einstellte und bis zu zehn Mitarbeiter in ganz Deutschland unterwegs waren“, berichtet Eberhardt. Bei den Aktionen kamen immer auch Spenden zusammen und 2006 gründete Karl Eberhardt mit neun Mitstreitern den Verein Kinderhilfe Vipingo. In dem kenianischen Dorf kaufte der Verein ein Grundstück, baute ein Haus für die Alibaba Primary School mit fünf Klassen. „Heute gehen dort täglich mehr als 400 Kinder in den Unterricht“, berichtet Eberhardt. Es freue ihn besonders, dass Alibaba und seine Mitstreiter mittlerweile selbstständig sind, sich auch in Eigenregie um die Schule kümmern.

Unterricht für 140 Kinder

So baute der Verein Kontakte zu weiteren Organisationen in der Region auf und engagiert sich unter anderem besonders für die Future Hope Montessori School. Sie wurde 2006 durch das englische Ehepaar Peter und Carol Hardmann gegründet. Peter Hardmann war in der Chefetage einer Zementfabrik in Mombasa, Carol Hardmann war freie Reporterin, beide leben nahe Vipingo. In der Schule erhalten derzeit rund 140 Kinder Unterricht. „Es sind Waisenkinder, die bei Verwandten oder Bekannten ein Dach über den Kopf bekommen. Aber sie können es sich aus finanziellen Gründen nicht leisten, die Kinder durchzufüttern, geschweige noch einen Schulbesuch zu finanzieren“, sagt Dietmar Rusch, der den Vereinsvorsitz von Eberhardt übernommen hat. Die Schule ermöglicht diesen Kindern kostenlosen Unterricht, die Schuluniform sowie drei Mahlzeiten am Tag. Auch ärztliche Untersuchungen und Arzneimittel werden von der Schule finanziert. Um dies leisten zu können, ist das Paar unter anderem auf Spenden von Vipingo angewiesen. „Wir wiederum haben ein sehr gutes Gefühl, das Geld nach Kenia zu geben, weil das Paar vor Ort ist und sich persönlich kümmert“, sagt Rusch. Denn Korruption sei in Kenia ein großes Problem. Um nicht erst Waisen im Schulalter zu helfen, wurde mit Geldern von Vipingo 2015 ein Kindergarten-Anbau finanziert.

Größtes Projekt ist derzeit, ein neues Haus für die freiwilligen Helfer zu bauen. Das Grundstück hat der Verein bereits, von den erforderlichen 35 000 Euro etwa die Hälfte zusammen. „Wo die Volontäre derzeit übernachten, gibt es weder fließend Wasser noch Strom. Wer nachts auf die Toilette will, muss den rund 300 Meter weiten und unbeleuchteten Weg bis zur Schule nehmen. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Rusch. Wenn die jungen Menschen schon freiwillig und ohne Gehalt in der Schule mitarbeiten, sollten sie wenigstens eine angemessene Unterkunft haben. Es kann aus Platzgründen nur ein Volontär die Lehrer beim täglichen Unterricht unterstützen. Wenn das neue Haus erstellt ist, gibt es Platz für bis zu vier Volontäre, die aus ganz Europa nach Kenia kommen.

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