Theaterabend wird zum großen Erlebnis

Lesedauer: 9 Min
Monika Fischer

Nach einem von Unwettern gebeutelten Auftakt ist Ewald Reichles historische Komödie „Der Schwarze Vere kommt“ bisher zweimal in voller Länge und trockenen Fußes über die Bühne gegangen. Die Zuschauer bejubelten eine Inszenierung, die geschichtliche Fakten so lebensnah, farbig und pointenreich umsetzte, dass innerhalb von knapp vier Stunden kein Fünkchen Langeweile aufkam.

Kein Zweifel, mit dem Stück „Der Schwarze Vere kommt“ hat das „Räubertrio“ (Originalton Bürgermeister Schulz) mit Autor Ewald Reichle, Regisseur Michael Skuppin und Organisator Martin Klawitter eine Meisterleistung hingelegt, die die Handschrift absoluter Profis trägt. Ewald Reichle verknüpfte in seiner Textvorlage überaus geschickt Geschichte und Gegenwart, Dichtung und Wahrheit und verwendete zum Teil einen Dialektwortschatz, der zunehmend in Vergessenheit gerät.

Als historisch erwiesen gilt die marodierende Räuberbande um den Schwarzen Vere sowie die geografische Lage Ostrachs im Fadenkreuz der Herrschaftsbezirke Baden, Hohenzollern und Württemberg. Das Bühnenbild rückte die Bezirke ins Blickfeld des Publikums, indem es großformatige Fotos der Kirchen aus Laubbach (württembergisch) und Burgweiler (badisch) zeigte, dazu den modernen Bannwaldturm als symbolische Grenzstation. Ein Emblem des Spöcker Gasthofs „Kreuz“ erinnerte daran, dass sich Räuber und Hehler hier zu treffen pflegten.

Talente werden entdeckt

Bei der Auswahl der Schauspieler hat Ewald Reichle viel Gespür bewiesen und manches mimische Talent entdeckt. Nicht nur die Räuber mit ihrem Anführer Vere waren optisch wie schauspielerisch absolute Hingucker. Ebenso die Schar halbseidener „Menscher“, die von Veres Gefährtin, der „Seffa“, wortgewaltig wie derb in die Schranken gewiesen wurde. Dem Räuberklientel stand die Bauernbevölkerung gegenüber, die mit Dreschflegel, Teppichklopfer und Bügeleisen Jagd auf die Einbrecher machte.

Bedrohte Liebe

Ein weiterer Handlungsstrang zeigte das Techtelmechtel zwischen dem württemberger Bauernsohn Dominik aus Laubbach und seiner Angebeteten Rösle aus dem badischen Hahnennest. Eine Liebe, die angesichts der Animositäten zwischen Badnern und Württembergern zum Scheitern verurteilt schien. Für Autor Reichle eine Gelegenheit, den Bewohnern der betreffenden Bezirke kabarettistisch gehörig eins auf die Mütze zu geben. Zum Vergnügen des Publikums tönte es im württembergischen Laubbach: „Dia Burgweilerer saget zum Ladewaga Laddewagga, haha.“ Oder: „Besser an Ratz em Küchekaschta als an Badner em Hausgang“.

Letztere wiederum konterten „De Laubbacher wia de Riedhausener dät amol a Bluatauffrischung guat.“ Eine solche gab es tatsächlich, denn das Verhältnis zwischen Dominik und Rösle blieb nicht ohne Folgen. Und Dominiks Vater, der sture Härlebauer (Martin Klawitter), wurde zum „Nehne“, sprich Großvater eines Buben „mit Migrationshintergrund“.

Die Handlungsstränge wurden immer wieder zusammengeführt, etwa, als der Vere das Pärchen im Wald aufstöbert und ungeschoren ziehen lässt. Oder als der Ostergottesdienst durch eine verzweifelten Bäuerin gestört wird, die von einen Raubzug in Burgweiler berichtet, worauf die Kirchenbesucher entsetzt davonstürmen.

Weihwasser soll helfen

Schließlich überschlugen sich die Ereignisse. Der Hochzeitszug von Dominik und Rösle endet gewaltsam an der Landesgrenze zu Württemberg, die geschlossen wurde, weil der Vere gefangen werden müsse. Die Braut kommt nieder, und der Widerstand gegen die badische Schwiegertochter wird dem Härlebauer mithilfe von viel Weihwasser des Küsters (Ewald Reichle) ausgetrieben. Ein Happyend voll Lokalkolorit und zwerchfellstrapazierender Situationskomik.

Das Schicksal des Schwarzen Vere hat der Autor durch einen dramaturgischen Kniff angedeutet. Statt eine Jagd auf den Ganoven zu inszenieren, schuf er die Figur der rassigen Zigeunerin Romana aus Levertsweiler, die Vere einen goldenen Feuerschweif prophezeit. Den Blitzschlag, der ihn schließlich ins Jenseits beförderte. Tosender Beifall und stehen Ovationen für eine Aufführung der Superlative.

In seinen Dank an die Theatermacher schloss Bürgermeister Schulz die etwa hundert Darsteller ein, dazu den Musikverein Ostrach, drei Instrumentalisten der ehemaligen Schwaaz Vere Jazz Gang, das Ensemble der Mädchenkantorei Bad Saulgau und die vielen weiteren Helfer, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen