Streckenposten sichern Bahnübergänge

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Andreaskreuze stehen entlang der Bahnlinie zwischen Altshausen und Pfullendorf noch, doch die Ampeln sind schon lange außer Bet
Andreaskreuze stehen entlang der Bahnlinie zwischen Altshausen und Pfullendorf noch, doch die Ampeln sind schon lange außer Betrieb. Sie wurden inzwischen verhüllt, damit Autofahrer nicht irritiert werden. (Foto: Symbol: Christoph Schmidt)

Schranken und Signalanlagen gibt es entlang der Bahnlinie zwischen Altshausen und Pfullendorf nicht mehr. Die Schranken sind während der vergangenen Saison abgebaut, die Ampeln mit Plastiksäcken verpackt worden. Die Sicherung der Bahnübergänge übernehmen Zugbegleiter, die in den Ausflugsbähnchen mitfahren.

Seit der Bodo-Radexpress zwischen Altshausen und Pfullendorf fährt, werden die Bahnübergänge von Zugbegleitern gesichert, die im Zug mitfahren. Vor Bahnübergängen hält der Zug an, sodass die Bahnübergangsposten aussteigen können. Sie regeln mit Flaggen den Verkehr auf der Straße und winken den Zug dann durch. Der Zug überquert in Schrittgeschwindigkeit über die Straße und hält anschließend wieder an, damit die Bahnübergangsposten wieder einsteigen können. Zwischen Altshausen und Pfullendorf erfolgt diese Prozedur an fünf Stellen. An Feld- und Waldwegen wird übrigens ganz darauf verzichtet. An solchen Übergängen, die nur mit einem Andreaskreuz beschildert sind, fährt der Zug mit geringem Tempo und pfeift, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. Somit ist der Zug in einem gemütlichen Tempo unterwegs, die Fahrzeiten sind entsprechend eingeplant.

„Die Bahnübergänge sind seit vielen Jahren außer Betrieb“, sagt Frank von Meißner. Der Eisenbahnbetriebsleiter ist im Auftrag der Gemeinden Altshausen, Ostrach und Pfullendorf für die Sicherheit auf der Strecke zuständig. Die Schranken seien abgebaut und eingelagert worden. „Für den Fall, dass die Bahnübergänge später einmal reaktiviert werden“, sagt er. Außerdem seien die Ampeln verhüllt worden, damit für Autofahrer nicht der falsche Eindruck entsteht, dass sie es mit einem funktionierenden Bahnübergang zu tun haben. „Sonst sind sie ja völlig überrascht, wenn auf einmal doch ein Bahnübergangsposten auftaucht und einen Zug durchwinkt“, sagt von Meißner. „Denn es könnten gefährliche Situationen für die Bahnübergangsposten entstehen, wenn die Autofahrer einfach nur eine Ampel sehen, die nicht leuchtet.“ Die Bahnübergänge seien auf Anweisung der Landeseisenbahnaufsicht auf diese Weise demontiert worden.

Posten regeln den Verkehr

Die Sicherung der Linie sei durch die Arbeit der Bahnübergangsposten gewährleistet. Dennoch sei es wünschenswert, wenn die Technik an den Bahnübergängen mittelfristig wieder in Betrieb genommen werde. „Die Reaktivierung der Technik kostet viel Geld, auch der technische Aufwand ist hoch“, erläutert Frank von Meißner. „Derzeit lohnt sich das noch nicht, weil die Strecke nur sporadisch genutzt wird.“ Außerdem störe es derzeit auch nicht, dass der Zug vor Bahnübergängen stoppen muss. „Beim Radexpress kommt es eher auf die Gemütlichkeit an und nicht darauf, möglichst schnell von A nach B zu kommen“, sagt der Eisenbahnbetriebsleiter.

Deshalb veröffentlichen die Stadt Pfullendorf und die Gemeinden Altshausen und Ostrach einmal im Jahr Hinweise in den amtlichen Mitteilungsblättern, dass der Zug nun wieder fährt. „Immer zu Beginn der Radexpress-Saison wollen wir darauf aufmerksam machen, dass an manchen Sonntagen wieder Züge unterwegs sind“, sagt von Meißner.

Die Bahnlinie zwischen Pfullendorf und Altshausen ist im Jahr 1875 für den Verkehr freigegeben worden. 2002 fiel sie allerdings in einen Dornröschenschlaf. Damals wurde der Güterverkehr eingestellt. Vor allem die Pfullendorfer Firmen Alno und Geberit hatten bis dahin die Bahnstrecke genutzt. 2004 wurde die Strecke von der Deutschen Bahn offiziell stillgelegt. Personenzüge waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahrzehnten nicht mehr auf der Bahnlinie unterwegs. Der Personenverkehr wurde am 27. September 1964 eingestellt.

Die Wiederbelebung der Bahnlinie ist vor allem auf eine Initiative der Stadt Pfullendorf zurückzuführen. 2009 gründete sie ein Tochterunternehmen namens „Regionale und öffentliche Bahn der Stadt Pfullendorf“, das die Schienen der Deutschen Bahn nutzte. Seither fuhren wieder Sonderzüge zwischen Aulendorf und Pfullendorf. Seit Mai 2011 fahren mit dem Radexpress wieder regelmäßig Züge von Aulendorf über Altshausen, Ostrach und Burgweiler nach Pfullendorf. Die Kommunen haben die Strecke im Juni 2015 die Strecke gekauft. Ab der Saison 2018 werden doppelt so viele Züge wie bisher fahren, weil der Radexpress dann jede Woche zwischen Aulendorf und Pfullendorf pendeln wird.

Sonderzug fährt am Sonntag

Ein Sonderzug fährt am kommenden Sonntag, 19. Februar, zum OHA-Bruderschaftstreffen nach Altshausen. Der Umzug beginnt um 14 Uhr. Insgesamt werden vier Hin- und Rückfahrten angeboten.

Am Bahnhof Ostrach fährt der Zug zu folgenden Uhrzeiten: 11.05 Uhr, 12.15 Uhr, 17.35 Uhr, 18.44 Uhr

Die Fahrzeiten ab dem Bahnhof Altshausen mit Ziel Ostrach lauten: 10.30 Uhr, 11.40 Uhr, 17.00 Uhr, 18.10 Uhr

Zu der Sonderfahrt sind nicht nur Mitglieder der Bauzemeck-Zunft Ostrach willkommen, sondern auch Gäste und Umzugs-Zuschauer. Die Zunft-Mitglieder fahren kostenlos, alle anderen Fahrgäste zahlen für die Hin- und Rückfahrt vier Euro, außerdem gibt es Gruppentarife. Im Zug wird bewirtet. Um die Sonderfahrt zu organisieren, kooperieren die Bauzemeck-Zunft, der Verkehrsverbunds Bodo, die DB Regio und die Gemeinde Ostrach.

Die reguläre Saison des Bodo-Radexpress, der zwischen Aulendorf und Pfullendorf verkehrt, beginnt im Mai und dauert bis Oktober. In den Sommermonaten fährt der Zug dreimal täglich an rund 15 Sonn- und Feiertagen. Er bedient die Strecken zwischen Aulendorf und Pfullendorf sowie zwischen Aulendorf und Bad Wurzach im wöchentlichen Wechsel. Außerdem fahren Sonderzüge bei Anlässen wie jetzt am OHA-Treffen oder am Pfullendorfer Adventszauber im Dezember.

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