Sechs Kinder erfahren vieles über Fische

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Ludwig Rundler hilft Jonas und Fabian bei der Bestimmung eines der Lebewesen des Jettkofer Baggersee.
Ludwig Rundler hilft Jonas und Fabian bei der Bestimmung eines der Lebewesen des Jettkofer Baggersee. (Foto: Eugen Kienzler)
Eugen Kienzler

Procabarus clarki, der Rote Amerikanische Sumpfkrebs, ist am Sonntagvormittag beim Ostracher Sommerferienprogramm am Jettkofer Baggersee der Star gewesen. Diese Krebsart, die ihre Heimat in Nordamerika hat, gilt als problematische invasive Art, die bei Gewässerverantwortlichen nicht beliebt ist. Vermutlich kam sie, wie so oft durch unbedachte Aquaristik, auch in den Jettkofer Baggersee. Ein handtellergroßes Exemplar hatten die jugendlichen Teilnehmer des Projektes „Leben im Wasser“ im Uferbereich des Sees entdeckt und fangen können.

„Leben im Wasser“ ist eines der Themenschwerpunkte, mit dem das Fischmobil „Fisch on Tour-Gewässerwelten erleben“ des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg landesweit, zuletzt auf der Bundesgartenschau in Heilbronn und in Mosbach im Odenwald unterwegs ist. Dank guter Beziehungen von Bürgermeister Christoph Schulz, der selber ein engagierter Petrijünger ist, ist es gelungen, das landesweit begehrte Fischmobil zum zweiten Mal nach Ostrach zu bringen.

Ziel dieses Projektes ist es, jungen Menschen den Lebensraum Gewässer und die darin vorkommenden Lebewesen zu zeigen und deren ökologischen Zusammenhänge zu verstehen. Nur sechs Kinder hatten sich zu diesem Ferienprogramm angemeldet, was der Betreuer des Mobils, der Biologe Simon Bürkle, als Mindestgröße attestierte, aber damit eine intensive und teilnehmerzentrierte Betreuung ermöglichte, wovon die Sechs profitierten.

Mit dabei waren Ludwig Rundler, Vorsitzender des Sportfischereiverein Ostrach, und der Gewässerwart Martin Bächle, die mit ihrer Kenntnis der Gewässer und ihres Besatzes wichtige Partner waren. Im ersten Schritt lernten die zwei Mädchen und vier Jungs die drei Fischarten Hecht, Wels und Forelle mit ihren Erkennungsmerkmalen und ihrer Anatomie, aber auch die anderen Lebewesen am und im Gewässer wie Libellen, Muscheln und Krebse kennen. Danach ging es mit Käschern an den See, um vor allem die Kleinlebewesen und Larven, die am Beginn der Nahrungskette der Gewässerbewohner sind, zu entdecken. Dass dabei auch der besagte Sumpfkrebs in den Käscher geriet, war das Glück des Tages. Im nächsten Schritt galt es, die Kleinlebewesen mit Hilfe der Mikroskope und einem Bestimmungsbuch zu identifizieren und im Forschertagebuch zu beschreiben. Flohkrebse, Gelbrandkäfer, Schlamm- und Posthornschnecken und verschiedene Libellenlarven waren die Ausbeute.

Als Beispiel für den Fischbestand im vereinseigenen Gewässer hatten Bürgermeister Schulz und Gewässerwart Bächle am frühen Morgen Forellen gefangen. Anatomiekunde und die richtige Vorgehensweise beim Ausnehmen einer Forelle gab es dann von Ludwig Rundler, der den Kindern das Innenleben einer Forelle anschaulich zeigte. Dass bei Forellen nicht männlich und weiblich die Geschlechtsbezeichnung ist, sondern Milchner und Rogner, war eines der Lerneffekte dieser Sequenz. Dass der Mensch Nutznießer eines intakten Gewässers und auch der Fische ist, wurde zum einen daran deutlich, wie die Badegäste an diesem Sommertag das kühlende Nass genossen und zum anderen beim abschließenden Verzehr der frisch geräucherten Forellen. Dass die Eltern beim Abholen ihrer Kinder den einen oder anderen Anklang an Fischerlatein heraushörten, hat wohl was mit der Begeisterung über das Erlebte zu tun.

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