Rat ebnet Weg für Biohybrid-Energiespeicher

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Der Gemeinderat Ostrach beschließt in öffentlicher Sitzung die Änderung des Bebauungsplans für einen Biohydrid-Energiespeicher,
Der Gemeinderat Ostrach beschließt in öffentlicher Sitzung die Änderung des Bebauungsplans für einen Biohydrid-Energiespeicher, der von Erdgas Südwest im Energiepark Hahnennest gebaut werden soll. (Foto: Barbara Baur)
Schwäbische Zeitung
Cäcilia Krönert

Deutschlands erster Biohybrid-Energiespeicher, der im Energiepark Hahnennest geplant ist, ist in der Ostracher Gemeinderatssitzung am Montagabend im Foyer der Grundschule im Reinhold-Frank-Schulzentrum mit einer Änderung des Bebauungsplans für das Sondergebiet Regenerative Energien Hahnennest-Fohrenbühl einstimmig beschlossen worden – nach langen Diskussionen um die daraus resultierende Lärmbelästigung für die angrenzenden Bewohner. Ein Sachverständiger soll nun Klarheit schaffen.

Anlass der Bebauungsplanänderung ist der geplante Bau einer Gasverflüssigungsanlage, auch Biohybridanlage genannt, der vom Energiedienstleister Erdgas Südwest im nächsten Jahr umgesetzt werden soll. Der Biohybrid-Energiespeicher ist in Deutschland der erste seiner Art. Eine vergleichbare Anlage gebe es derzeit nur noch im norwegischen Oslo, sagte Projektleiterin Melanie Gimmy vom Energieversorger Erdgas Südwest.

Mit der Biohybrid-Anlage sollen künftig bis zu zehn Tonnen verflüssigtes Biomethan pro Tag produziert werden. Zuerst wird Biogas entschwefelt und Kohlenstoffdioxid abgetrennt. Danach erfolgt die Verflüssigung. Für diesen Prozess braucht man Wärme und Strom. Beides wird durch die Energiezentrale, dem Herzstück der Anlage, bereitgestellt.

Stromnetz wird entlastet

Das Besondere der Anlage ist die hybride Fahrweise. Entweder wird die Energie über ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk oder durch erneuerbaren Strom aus dem Netz bereitgestellt. „Das entlastet nicht nur das Stromnetz, sondern macht erneuerbare Energien aus Sonne und Wind speicherbar“, sagte Gimmy in der öffentlichen Sitzung. Der Bebauungsplan decke jedoch die Erweiterungsmaßnahmen nicht ab und machte daher eine erste Änderung notwendig, so Ostrachs Bürgermeister Christoph Schulz. Es sei festgelegt, wie viel Energie erneuerbar sein muss, nur 20 Prozent Erdgas dürfe und könne wegen der Gesamtkapazität hinzu kommen, ergänzte Schulz.

Erdgas Südwest habe einen Standort gesucht, wo beides – Biogas und Erdgas möglich sei – denn so viele Standorte gebe es nicht, sagte Schulz. „Wir sind alleiniger Investor, wir reden da von zehn bis 13 Millionen Euro für dieses Projekt. Wir haben ein Genehmigungsantrag eingereicht, das Verfahren wird demnächst losgehen, der Baubeginn ist für Ende nächsten Jahres geplant“, so Melanie Gimmy.

Bereits in Kalkreute habe ein Informationsgespräch stattgefunden, an dem ein Schallgutachter anwesend war und das Projekt für die umliegenden Gemeinden vorgestellt wurde. „Die Lärmbelastung wird nach den Berechnungen des Gutachters deutlich unter den Grenzwerten liegen, doch die Bedenken der Anwohner nehmen wir ernst. Wir sind bereit, auch für das künftige Projekt die Lärmbelastung zu prüfen und für eine sinnvolle Lösung zu sorgen“, ergänzte Gimmy.

Der Gemeinderat stimmte nach der angeregten Diskussion der ersten Änderung im Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren und einem Aufstellungsgesuch zu.

Rund um die Uhr

Auch der Entwurf vom 13. Juli, der ins Internet gestellt wurde, wurde einstimmig gebilligt. Die Verwaltung wird somit beauftragt, diesen Beschluss bekannt zu machen. Darüber hinaus wird die Verwaltung die Beteiligung der Behörden und der sonstigen Träger öffentlicher Belange veranlassen.

Trotz alledem gab es im Vorfeld starke Diskussionen im Gemeinderat, die die Ängste, Bedenken und Sorgen der Bürger von Hahnennest und Kalkreute wegen der dann 24-stündigen Lärmbelästigung aufzeigten. Ein Gutachter solle daher sofort von der Gemeinde beauftragt werden, der die geeignetste Stelle für diesen Schutzwall finden solle. Es sei bereits jemand in Aussicht, der sich um die Schallminimierung mit dem Augenmerk auf neutrale Betrachtung kümmere, ergänzte Gertrud Stark-Rothacher, Mitarbeiterin der Gemeinde Ostrach.

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