Polizei achtet verstärkt auf Schutz vor Gewalt

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Die Bauzemeck-Zunft Ostrach, im Bild die Riedblätzle, ist Gastgeber des diesjährigen OHA-Treffens.
(Foto: Archiv: Thomas Warnack)
Barbara Baur

Nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln sind auch für das OHA-Treffen in Ostrach verstärkte Sicherheitsvorkehrungen geplant. Die Bauzemeck-Zunft Ostrach erwartet am Sonntag, 31. Januar, 5000 Maskenträger und Tausende von Zuschauern. Zum einen gilt es, den Umzugsweg zu sichern, zum anderen soll auch verstärkt darauf geachtet werden, dass gewalttätige Übergriffe nicht stattfinden können.

Die Polizei will dieses Jahr bei großen Narrentreffen mehr Präsenz zeigen. „Wir werden mehr Personal auf die Straße bringen, und zwar sowohl mehr Polizisten in Uniform, als auch Zivilbeamte“, sagt Markus Sauter, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Konstanz. „Wir werden die Lage sehr genau beobachten“, sagt er. Dabei arbeiten die Beamten seinen Angaben zufolge eng mit den örtlichen Veranstaltern zusammen.

Beim OHA-Treffen in Ostrach wird neben der Polizei auch ein Sicherheitsdienst vor Ort sein, dessen Personal von Mitgliedern der Zunft unterstützt wird. Die Sicherheitsleute werden zum Beispiel den Einlass am Partyzelt kontrollieren. Dabei achten sie nicht nur auf das Alter der Besucher, sondern auch auf das, was sie mitbringen. „Fremdkörper wie Flaschen müssen draußen bleiben“, sagt Armin Wanschura, Zunftmeister der Bauzemeck-Zunft. Ein Augenmerk legen die Sicherheitsleute deshalb auf Taschen. Sie dürfen nur dann ins Zelt mitgenommen werden, wenn sie zuvor überprüft wurden. Auch im Zelt wird das Sicherheitspersonal Rundgänge machen. „So soll möglichst verhindert werden, dass es Reibereien gibt“, sagt Wanschura.

Viele Rundgänge

Die Zunft plant, mit dem Sicherheitsdienst möglichst viele Rundgänge auf dem Festgelände zu machen. „Wir wollen wachsam sein und möglichst überall mal hingehen“, sagt der Zunftmeister. Zusätzlich sollen dunkle Bereiche um das Partyzelt und um die Toilettenwägen herum hell ausgeleuchtet werden, so dass sie gut einsehbar sind. Auch die Straßenlaternen werden während der Großveranstaltung nicht – wie sonst in Ostrach üblich – nachts abgeschaltet.

Während die Polizei in den vergangenen Jahren die Veranstalter hauptsächlich in Sachen Jugendschutz beraten hat, sei der Schwerpunkt dieses Jahr anders gelagert. „Früher haben wir vor allen über das Thema Jugendschutz informiert, zum Beispiel darüber, wie Einlasskontrollen gestaltet werden sollten. Nach den Ereignissen von Köln hat das eine andere Richtung bekommen“, sagt Sauter. Die Polizei habe die Zünfte auf die Gefahr von gewaltsamen Übergriffen hingewiesen und entsprechende Verhaltensregeln herausgegeben. Das sind Hinweise und Empfehlungen, wie man sich in brenzligen Situationen verhalten sollte (siehe unten).

Auch für den Umzug selbst gibt es ein Sicherheitskonzept. Es wurde sowohl die Strecke des Umzugs, als auch die Rettungswege zwischen Zunft, Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst abgestimmt. Die Feuerwehr wird die Verkehrsregelungen übernehmen, ein Rettungsdienst wird mit zwei Notärzten vor Ort sein. Armin Wanschura hofft auf einen reibungslosen Ablauf des OHA-Treffens: „Ich wünsche mir, dass alle fröhlich mitmachen und keinen Unfug treiben.“

Diese Tipps gibt die Polizei

Für bedrohliche Situationen gibt es kein Patentrezept, wie man sich richtig verhalten kann. Dennoch gibt die Polizei Tipps, die als Anhaltspunkte dienen können.

Aggressiv wirkende Situationen vermeiden: Um Gruppen von pöbelnden Passanten sollte man besser einen großen Bogen machen, rät die Polizei. Wer doch in die Nähe gerät, sollte so schnell wie möglich weitergehen, Diskussionen vermeiden und Angreifer nicht beleidigen. Bestenfalls begibt man sich in die unmittelbare Nähe von anderen Menschen.

Auf sich aufmerksam machen: Wer in eine gefährliche Situation kommt, sollte laut um Hilfe rufen und Passanten gezielt ansprechen, zum Beispiel: „Sie, mit der roten Jacke, bitte rufen Sie die Polizei.“

Distanz wahren: Indem man den Angreifer siezt, demonstriert man Distanz und zeigt Passanten, dass es sich nicht um eine private Angelegenheit handelt.

Sich wehren: Wer angegriffen wird, sollte sich so gut wehren, wie es geht. Vom Einsatz von Abwehrwaffen wie Pfefferspray rät die Polizei allerdings ab. Zu schnell könne dies gefährlich für einen selbst werden und der Angreifer könnte noch aggressiver werden.

Tätermerkmale einprägen: Größe, Kleidung, Auffälligkeiten wie Tätowierungen können für die Polizei später hilfreich sein, den Täter zu ermitteln.

Polizei rufen: Der Notruf ist über die Nummer 110 erreichbar. Wichtig sind die Infos, wo man sich befindet und warum man Hilfe benötigt.

Anzeige erstatten: Nur so können weitere Übergriffe durch den Angreifer verhindert werden.

Zeugen: Zeugen sollten helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, und andere Personen aktiv zur Mithilfe auffordern. Dann gilt es, dem Opfer zu helfen. Zeugen sollten unbedingt eine Aussage bei der Polizei machen.

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