Tote Schweine und verwahrloste Tiere - Frau aus Ostrach hält trotz Verbot weiter Katzen

Um die 30 Menschen versammeln sich am Montagabend, um den Katzen zu helfen.
Um die 30 Menschen versammeln sich am Montagabend, um den Katzen zu helfen. (Foto: Mareike Keiper)
Redakteurin Sigmaringen

Sie hört nicht auf: Die Bewohnerin des Hofs in Mengen, auf dem im Winter 2020 sieben tote Schweine und Dutzende verwahrloste Tiere gefunden wurden, hält weiterhin Katzen. Trotz Tierhalteverbot, das das Veterinäramt des Landkreises Sigmaringen damals verhängt hat, befinden sich offenbar weiterhin etwa 20 Tiere bei ihr, nun allerdings in Ostrach, wo sie inzwischen wohnt.

Umfeld beobachtet die Situation mit Sorge

Tierschützer, Nachbarn und Ortsansässige beobachten das schon seit einer Weile mit Sorge und reagieren nun: Am Montagabend fand eine Rettungsaktion statt, angeführt vom Tier-Service-Zentrum Bad Waldsee.

Mit seinen großen, gepflegten Sträuchern und der gepflasterten Auffahrt wirkt das Haus in der Ortsmitte eher unscheinbar. Hätten sich dort am Abend nicht Dutzende Menschen am Bürgersteig versammelt, wäre das Gelände nicht aufgefallen. Laut Horst Fallenbeck, Organisator der Aktion, hatten sich etwa 30 Helfer getroffen, um die Tiere zu fangen und zu versorgen.

Tierschützer haben Familie seit Vorfällen in Mengen im Blick

Schon bei den Vorfällen in Mengen war das Tier-Service-Zentrum treibende Kraft und habe die Familie seitdem im Blick behalten, sagt Fallenbeck. Weil die Einrichtung von Ostrachern fast täglich Beschwerden über die Beschuldigte erhalte, habe sein Team entschieden, wieder zu handeln und schnell eine Horde Menschen gefunden, die mitmachen wollten.

Das Vorgehen am Montag hatte er zuvor mit dem Veterinäramt besprochen, sagt er im Gespräch mit der SZ: „Da hieß es, dass nichts dagegen spricht, wenn wir die Tiere einfangen, untersuchen und vermitteln.“ Auch die Polizei Bad Saulgau, die für Ostrach zuständig ist, habe Bescheid gewusst und die Aktion toleriert, sofern die Tierretter das Grundstück verlassen, wenn die Beschuldigte sie dazu auffordert.

Familie verweist Helfer des Grundstücks

So kommt es auch am Montagabend: Die Helfer betreten zwar das Grundstück, verlassen es aber, als die Frau und ihre Familie sie verweisen. Daraufhin suchen sie auf dem umliegenden Gelände nach Katzen und werden fündig: Zwei von ihnen fangen sie ein, beide in schlechtem Zustand, ohne Chip und damit erst einmal keinem Besitzer zuzuordnen. Fallenbecks Argumentation geht noch weiter: „Wenn sie keine Tiere halten darf, können die Tiere auch nicht ihr gehören.“ Auch eine tote, laut Fallenbeck offenbar erst kürzlich gestorbene Katze findet die Gruppe.

 Diese und eine weitere Katze finden die Tierretter auf dem Gelände. Sie sind weder gechipt noch tätowiert, allerdings in schlec
Diese und eine weitere Katze finden die Tierretter auf dem Gelände. Sie sind weder gechipt noch tätowiert, allerdings in schlechtem Zustand. (Foto: Mareike Keiper)

Obwohl die Helfer das Grundstück längst verlassen haben, kommt kurz darauf die Polizei mit zwei Fahrzeugen und fordert zum Abbruch der Aktion auf. Angeblich habe die Beschuldigte die Tiere ihrer Schwiegertochter geschenkt, womit die Berechtigung zur Rettung wegfalle, so die Polizisten. Das treibt Fallenbeck zur Weißglut: „Sie kann nichts verschenken, was sie nicht besitzen darf.“

Bewohnerin erstattet Anzeige

Darüber hinaus, so die Polizei, sei das Veterinäramt für das Beschlagnahmen der Tiere zuständig und nicht die Tierretter. Nachdem die Beschuldigte Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet und die Polizei Personalien des Bad Waldseer Teams aufgenommen hat, kommt zur Sprache, dass durchaus eine Kommunikation zwischen Veterinäramt und Polizei stattgefunden habe.

Es ist unterirdisch vom Veterinäramt, dass sie die Polizei vorschicken.

Ein Polizist vor Ort

So sollen die Polizisten nach Aufforderung des Veterinäramts im Falle einer Auseinandersetzung zwischen Beschuldigter und Tierrettern bei dieser Gelegenheit auch die Katzen zählen und das Ergebnis melden. „Es ist unterirdisch vom Veterinäramt, dass sie die Polizei vorschicken“, urteilte ein Polizist am Abend.

Daniela Baier, Sprecherin des Polizeipräsidiums Ravensburg, erklärt das wie folgt: Veterinäramt und Polizei haben sich vor dem Hintergrund verständigt, dass die Beamten im Falle eines Ausrückens Beweise sichern können, sofern die Bewohnerin gegen das Tierhalteverbot verstößt. Dadurch könne der Bericht an die Staatsanwaltschaft weitergereicht werden. Die Tiere retten dürfen die Beamten allerdings nicht, das obliege dem Veterinäramt.

Katzen sind neuerdings Streuner

Laut Fabian Oswald, Sprecher des Landrat- und damit auch Veterinäramts, sei die Beschuldigte immer wieder kontrolliert und dort lebende Tiere auch eingezogen worden. Seit Ende 2021 gebe es allerdings eine neue Tierhalterin, die unter derselben Adresse lebt, woraufhin auch sie über die Vorgaben des Tierschutzgesetzes informiert worden sei.

Die Frau sei nun vor Kurzem umgezogen, habe die Tiere aber zurückgelassen, womit diese herrenlos geworden seien, teilt Oswald mit. Nun sei die Gemeinde als Ortspolizeibehörde zuständig und könne handeln, zum Beispiel, indem sie die Tierrettung beauftragt, die streunenden Katzen einzufangen. „Als Landratsamt haben wir keine rechtliche Handhabe, die herrenlosen Katzen in Obhut zu nehmen“, so Oswald. Anders wäre das, wenn die Beschuldigte sich als Halterin zu erkennen gibt. Dann drohe ihr unter anderem ein Bußgeld und die Wegnahme der Katzen.

Das fördert nicht das Vertrauen in Institutionen wie diese.

Horst Fallenbeck über das Veterinäramt

Fallenbeck zeigt sich am Dienstag pessimistisch, aber dennoch zufrieden: Obwohl nur zwei Katzen mitgenommen wurden und am neuen Wohnort der Frau in Hüttenreute bereits etliche Kratzbäume und Katzenfutter stünden, was klar für eine erneute Tierhaltung spricht, freue ihn das große Engagement der Bürger. In dieser Hinsicht sei er enttäuscht vom Veterinäramt, das seines Wissens nach trotz etlicher Beschwerden über die Tierhaltung der Familie und Hilfsangeboten aus der Bevölkerung nicht reagiere. „Das fördert nicht das Vertrauen in Institutionen wie diese“, sagt er.

Weitere Aktionen geplant

Schon bald sei nun die nächste Aktion geplant, denn die Gruppe wolle nicht aufgeben, bis das Amtsgericht Bad Saulgau ein Urteil gefällt hat. Dann wäre das Tierhalteverbot amtlich und ein Verstoß strafbar. Bisher ist er lediglich eine Ordnungswidrigkeit.

Diese Katze, die die Helfer am Abend finden, hat offene Wunden an beiden Wangen.
Diese Katze, die die Helfer am Abend finden, hat offene Wunden an beiden Wangen. (Foto: Mareike Keiper)

Bis dahin kann es aber noch dauern: Nach der Anklage der Staatsanwaltschaft Ravensburg im September hieß es von Ralph Ettwein, Direktor des Amtsgerichts Bad Saulgau, dass es aufgrund der offenen Schöffengerichtsverfahren, der neun Angeklagten sowie der ausstehenden Gutachten frühestens Ende 2023 zur Verhandlung kommen wird.

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