Mit neuem Bürgermeister sind nicht alle zufrieden

Lesedauer: 5 Min
84 Prozent der Stimmen bei der Bürgermeisterwahl in Ostrach sind für den Amtsinhaber und einzigen Kandidaten Christoph Schulz „k
84 Prozent der Stimmen bei der Bürgermeisterwahl in Ostrach sind für den Amtsinhaber und einzigen Kandidaten Christoph Schulz „k (Foto: Barbara Baur)
Schwäbische Zeitung

Christoph Schulz ist zwar von 84 Prozent der Wähler in seinem Amt als Bürgermeister von Ostrach wiedergewählt worden. Doch auch wenn ihm die große Mehrheit das Vertrauen aussprach: Immerhin 404 Bürger – 16 Prozent der Wähler – stimmten gegen ihn. 128 Wähler gaben einen ungültigen Stimmzettel ab, 278 trugen einen anderen Namen auf das freie Feld des Wahlzettels ein.

Zahlreiche Ostracher bekamen auf diese Weise Stimmen, unter anderem die Gemeinderäte Matthias Seitz, für den 64-mal gestimmt wurde, und Andreas Barth, dessen Namen 18 Bürger auf ihren Wahlzettel schrieben. „Auch die Ortsvorsteher haben jeweils einige Stimmen bekommen“, sagt Christoph Schulz. Gewählt wurden nicht nur Ostracher, sondern vereinzelt auch Prominente. Zum Beispiel gab es für US-Präsident Barack Obama und Schauspieler Arnold Schwarzenegger bei der Bürgermeisterwahl in Ostrach jeweils eine Stimme.

Dass diese 404 Stimmen nicht an den einzigen Kandidaten Schulz gingen, fasst dieser als Kritik auf. „Das zeigt, dass ein gewisser Prozentsatz der Bürger entweder mit Einzelentscheidungen oder grundsätzlich nicht einverstanden ist“, sagt er. Laut Schulz gibt es teils große regionale Unterschiede, die diese Annahme bestätigen. Ausreißer nach unten ist Tafertsweiler. Dort erhielt der Bürgermeister nur 55 Prozent der abgegebenen Stimmen. „Dort war sicherlich die Windkraft-Thematik entscheidend“, nimmt Schulz an. Dafür bekam in Tafertsweiler Michael Knoll 19 der 21 Stimmen, die insgesamt auf ihn entfielen. In dem kleinen Ort machen diese Stimmen immerhin 24,4 Prozent aus.

„Dahinter steckt natürlich Kritik“, sagt Christoph Schulz. Die ein oder andere Stimme könne zwar als Jux gemeint sein. „Der Großteil davon will aber zeigen, dass er mit etwas nicht einverstanden ist“, sagt er. Ausgesprochen gut fiel das Wahlergebnis für Schulz in Levertsweiler aus. Dort gingen die abgegebenen Stimmen ausnahmslos an Schulz. Beide Extreme bilden jedoch Ausnahmen. Die meisten der 13 Wahlbezirke spiegeln in etwa das Gesamtergebnis wieder.

Kritische Themen als Ursache

Eine Ursache, weshalb 404 Wähler ihre Stimme nicht ihm gaben, vermutet er vor allem in gewissen Themen, die von diesen Wählern kritisch gesehen wurden. „Bürgerinitiativen richten sich gegen manche Entscheidungen des Gemeinderats und der Verwaltung. Die werden dann im Bürgermeister personifiziert“, sagt er. Zu nennen seien etwa das Thema Windkraft und die Schließung einer Gruppe des Kindergartens St. Pankratius.

Dass so viele Einzelnamen auf die Wahlzettel geschrieben wurden ist auch der Grund dafür, dass die Auswertung der Wahl am Sonntagabend länger ging, als es die meisten Ostracher erwartet hatten, die auf dem Herbert-Barth-Platz auf die Verkündung der Ergebnisse warteten. „Die Namen mussten einzeln erfasst werden“, erläutert Hauptamtsleiterin Renate Döring im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung.

Er selbst will sich mit dem Wahlergebnis noch im Detail befassen. „Ich werde es für mich noch genauer analysieren und bewerten“, sagt er. Darüber hinaus wolle er sich weiterhin für Entscheidungen einsetzen, die in der Gesamtbetrachtung das Beste sind. „Das Gemeinwohl soll vor Einzelinteressen stehen“, sagt er. Eine offene Form der Kommunikation sei ihm wichtig – auch bei kritischen Themen. Trotz der Kritik, die im Wahlergebnis steckt, ist er froh, dass sich mit 84 Prozent eine klare Mehrheit hinter ihn gestellt hat. „84 Prozent sind schon was“, sagt Christoph Schulz.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen