Mit der „Amboss-Polka“ beweisen die Musiker Kreativität

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 Das Vorstandsteam des Musikvereins und der Blasmusikverband Sigmaringen waren zur Ehrung der verdienten Musikantinnen und Musik
Das Vorstandsteam des Musikvereins und der Blasmusikverband Sigmaringen waren zur Ehrung der verdienten Musikantinnen und Musikanten zur Stelle: Christoph Andelfinger (von links), Julia Steurer, Christina Strobel, Felix Maier, Sonja Ermler, Isabell Steinhart, Kerstin Falsner, Iris Löw, Sabine Kirsch, Max Schmid, Lorenz Faber, Laura Ailinger, Markus Burth, Paul Maier und Josef Kugler. (Foto: bay)
Artur K. M. Bay

In der voll besetzten Buchbühlhalle ging am Samstagabend das Jahreskonzert des Musikvereins über die Bühne, das vor allem durch seine hohe musikalische Ausdruckskraft bestach. Die 56 Musiker mit Dirigent Paul Maier präsentierten sich in Topform und in einer auffallend positiv wirkenden Spiellaune, sodass der berühmte Funke gleich mehrere Male ins Publikum übersprang, und so waren am Ende gleich drei Zugaben fällig.

Kompetent und auch mit hintergründigem Humor gewürzt, moderierte Schlagzeuger Dieter Hornstein die einzelnen Darbietungen. Nach der Pause nahm das Vorstandsteam, unterstützt durch den Bezirksvorsitzenden des Blasmusikverbandes Sigmaringen, Josef Kugler, Ehrungen für zehnjähriges Mitwirken für Laura Ailinger, Lorenz Faber und Max Schmid vor. Seit 20 Jahren sind Sonja Ermler, Kerstin Falsner, Sabine Kirsch, Iris Löw, Isabell Steinhart und Christina Strobel dabei. Paul Maier wurde für seine 20-jährige Tätigkeit als Dirigent ausgezeichnet.

Festlich und grandios war der musikalische Auftakt des Jahreskonzerts, nachdem Julia Steurer aus dem dreiköpfigen Vorstandsteam die Besucher begrüßt hatte. Richard Wagners „Sei uns gegrüßt“ vermittelte durchaus etwas Erhabenes, was einladend und gefällig wirkt. Seine Art zu komponieren mag zwar dominante und oftmals ein wenig theatralische Züge aufweisen, wenn man aber weiß, dass er es in diesem Fall für den sächsischen König Friedrich August schrieb, als dieser von einer Englandreise zurückkehrte, war die Lautstärke für die damaligen Zeiten und Umstände durchaus legitim; beeindruckend vor allem die Schlussakkorde.

Einen „großen König der Operette“ nannte Moderator Peter Hornstein den Komponisten Franz von Suppé, aus dessen Feder die weltberühmte Ouvertüre zur Operette „Pique Dame“ stammt. Ein unerreichtes Glanzlicht französischer Lebensfreude, rasant, temperamentvoll und mit viel Einfallsreichtum und Esprit vom Musikverein interpretiert. Das bestätigten deutlich auch die ersten Bravo-Rufe aus den Reihen der Zuhörer. Auf dem Fuß folgte der „Mambo“, ein rhythmisches Spektakel aus dem Klassiker „West Side Story“ von Leonard Bernstein, wiederum ein Juwel aus der Musikgeschichte. Obwohl diesem Musical ein tragischer Moment innewohnt, gelang dem Musikverein durch eine geradezu orchestrale Spielweise erneut eine beeindruckende Wiedergabe des Stoffs. Hier waren vor allem die Schlaginstrumente gefordert.

Die musikalische Reise führte weiter Richtung Fernost in das Land der aufgehenden Sonne. Von einem japanischen Komponisten namens Itaru Sakai stammt das Stück „The Seventh Night of july“, welches das traditionelle Fest „Tanabata“, das die Japaner am 7. Juli jeden Jahres feiern, musikalisch beschreibt. Bei dieser gelungenen Aufführung war vor allem Lenny Hornstein am Schlagzeug gefordert. Am Ende gab es stürmischen Beifall. Nach der Pause und den Ehrungen stand der Titel „76 Trombones“ des amerikanischen Komponisten Meredith Willson auf dem Konzertprogramm. Hier lieferte Felix Baier mit einem sagenhaften Solo am Schlagzeug sein Meisterstück ab. Schließlich waren alle Musiker gefragt, die eine Trommel oder ein Becken hatten, mit andern Worten: ein echtes Festival der Trommler-Fraktion im Musikverein. Bravo-Rufe folgten massenweise.

Mit drei weiteren konzertanten Stücken begeisterte der großartig aufspielende Klangkörper des Musikvereins so eindringlich und überzeugend, dass das Publikum sich insgesamt drei Zugaben mit anhaltenden Klatschvariationen regelrecht ergatterte. Darunter die „Amboss-Polka“, bei der Lenny Hornstein bravourös die Hämmer schlug. Diese erste Zugabe wurde von den überaus munteren Zuhörern klatschend begleitet. Der Jubel war aber immer noch so lautstark, dass der Musikverein schlussendlich eine sanfte Abendmelodie in die Halle zauberte, welche die große Fangemeinde derart beruhigte, dass es einige Sekunden mucksmäuschenstill in der Halle war. Dann aber brandete ein Schlussapplaus auf, der sich gewaschen hatte. Der Musikverein hatte geliefert: Ein großartiges Musikerlebnis, so die einhellige Meinung.

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