Kardinal Karl Lehmann lebte als Kind in Ostrach

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Der verstorbene Karl Lehmann ging als Kind in die Schule in Tafertsweiler.
Der verstorbene Karl Lehmann ging als Kind in die Schule in Tafertsweiler. (Foto: Fredrik Von Erichsen, dpa)
Schwäbische Zeitung
Josef Unger

Der verstorbene Kardinal Karl Lehmann hat einen starken Bezug zur Region, insbesondere zum Ostracher Teilort Tafertsweiler. Karl Lehmann lebte dort in den letzten Jahren vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im damaligen Schulhaus. Sein Vater war Lehrer an der Volksschule. Später besuchte er das Fideliskonvikt in Sigmaringen.

Für die heutige Generation mag es neu sein, dass der Tod von Kardinal Karl Lehmann sowohl die Gemeinde Ostrach und noch mehr die Ortschaft Tafertsweiler traurig berührt. Als Kind lebte Karl Lehmann in den letzten Kriegsjahren und am Kriegsende mit seiner Familie, den Eltern Karl und Margarete und einem Bruder Reinhold, in Tafertsweiler. Die Familie wohnte im Schulhaus, der Vater war Lehrer an der einklassigen Volksschule.

Karl Lehmann ging bei seinem Vater zur Schule. Er war Ministrant und wurde einmal Palmesel, weil er die Kirche in Tafertsweiler wegen der Größe seines Palmens als letzter verlassen hatte. Karl besuchte später das Fideliskonvikt in Sigmaringen. Doch das war schwierig. Jeden Tag musste er sehr früh mit dem Fahrrad oder zu Fuß nach Ostrach kommen, um dort den Omnibus nach Sigmaringen zu erreichen. In der Biografie von Daniel Deckers heißt es wörtlich: „Einen direkten Busverkehr gab es auf dieser 30 Kilometer langen Strecke nicht. Vielleicht von Ostrach aus? Die Entfernung dorthin beträgt nur gut drei Kilometer. Doch wie nach Ostrach kommen? Der Krieg liegt erst kurze Zeit zurück, die Franzosen holzen die Wälder ab, die Straßen sind in einem so schlechten Zustand, sodass an regelmäßige Fahrten nicht zu denken ist. Bleibt der Fußweg über den Berg. Außerdem sind die Wälder nicht sicher. Ehemalige Kriegsgefangene und Soldaten halten sich hier versteckt. Des Nachts unternehmen sie Raubzüge, um sich Nahrungsmittel zu besorgen.“

In Tafertsweiler bereitete der junge Karl Lehmann sich auf den Besuch des erzbischöflichen Knabenkonvikts St. Fidelis in Sigmaringen vor. Der Vater lehrte Deutsch und Mathematik, Pfarrer Ludwig Schäfer weihte ihn in die Geheimnisse der lateinischen Sprache ein. In Ostrach lebte die Lehrerin Maria Straßner, eine gebürtige Lothringerin, deren nachmittags angebotenen Französischunterricht Karl Lehmann besuchte. Außerdem lernte er bei der Ostracher Lehrersfrau Rosa Löffler das Klavierspielen. Karl Lehmann und der Ostracher Karl Missel, der spätere zum Monsignore und Leiter Sigmaringer Konvikts, waren Freunde und dmals zugleich die jüngsten Besucher des Konvikts.

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