Ganzer Betrieb unterm Hammer

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Hunderte Bieter kommen am Mittwoch zur Versteigerung der Betriebsausstattung der Firma Senn in die Buchbühlhalle.
Hunderte Bieter kommen am Mittwoch zur Versteigerung der Betriebsausstattung der Firma Senn in die Buchbühlhalle. (Foto: Christoph Klawitter)
Schwäbische Zeitung
Christoph Klawitter

Die Betriebs- und Geschäftsausstattung der insolventen Ostracher Erd- und Tiefbaufirma Senn ist am Mittwoch unter den Hammer gekommen. Die Auktion lockte Hunderte Besucher an. Die Buchbühlhalle war brechend voll und draußen reichten die Parkplätze der Halle nicht aus: noch einige Straßen weiter reiht sich Auto an Auto.

„700 zum ersten, zum zweiten, 750 zum ersten, zum zweiten, und…“ – ein Hammerschlag ertönt, für 750 Euro ist das Schutzgasschweißgerät verkauft. Auktionator Peter Hämmerle ist in seinem Element, in Windeseile geht er von Posten zu Posten. Ob Lastwagen, Bagger, Radlader, oder Kleinzeug wie beispielsweise eine Ladung Schrauben – alles kommt unter den Hammer, rund 1000 Artikel. Die Firma Hämmerle aus Bayern verkauft im Namen von Insolvenzverwalter Michael Pluta die Gegenstände der Firma Senn. Man könnte meinen: Wenn eine traditionsreiche Firma abgewickelt wird, geht es traurig zu. Aber von wegen: es herrscht unterhaltsame Stimmung, Peter Hämmerle hat Entertainer-Qualitäten. Die gute Stimmung gehört dabei zum Geschäft: Dann verkauft es sich leichter. Zunächst werden kleinere und mittelgroße Gegenstände veräußert, erst später kommen die schweren und teureren Sachen an die Reihe.

Auktionator macht Stimmung

Nicht immer dürfte so eine Auktion ein gutes Geschäft für die Käufer sein. So versteigert Hämmerle einen defekten Hochdruckreiniger, die Angebote kommen reihenweise. 50, 60, 70 Euro: Die Stimme von Hämmerle rattert die Gebote herunter. „Der ist kaputt!“, ruft Hämmerle voller Verwunderung aus, als man schon bei 180 Euro angekommen ist. Letztlich landet man bei 300 Euro. Einen Posten Altreifen dagegen will niemand haben. Da verspricht Hämmerle, dass ein Interessent zehn Euro dafür bekomme, wenn er die alten Reifen abnimmt. Es findet sich nun ein Interessent, Hämmerle drückt ihm unter dem Gelächter des Publikums zehn Euro in die Hand.

Mindestgebote für Maschinen

Dass der Auktionator Geld austeilt, ist aber natürlich die Ausnahme. Geboten wird, in dem die Interessenten eine Bieterkarte hochhalten. Die Preise legt der Auktionator fest. Da bleibt er konsequent, wenn einzelne Bieter im Publikum ihre Preisvorschläge zu ihm rufen. „Ich mache die Preise“, betont Hämmerle dann. Öfters streut er eine witzige Bemerkung ein, beispielsweise als ein Schubkarren für 90 Euro verkauft wird. „Für den Vatertag muss man sich schön ausrüsten, ist ja klar.“

Für die einzelnen Positionen gibt es Mindestgebote. Eine Volvo-Straßenfertiger-Asphaltiermaschine startet mit 65000 Euro. In Tausend-Euro Schritten bis 70000 Euro und dann mit 500-Euro-Schritten preist Hämmerle das Fahrzeug aus. An dem Straßenfertiger haben einige Bieter Interesse, bei 87000 Euro gibt es am Ende den Zuschlag für einen Bieter. Interessiert verfolgen mehrere Männer aus Polen die Auktion. Immer wieder geht der Blick auf den Katalog, indem die Artikel verzeichnet sind. „Wir sind extra aus Polen hergekommen“, sagt einer der Männer. Interessieren würden sie sich vor allem für Lastwagen. Unterdessen steht ein Landwirt aus Wilhelmsdorf auf der Empore der Buchbühlhalle und verfolgt die Auktion. Er interessiert sich für Anbaugeräte für einen Radlader. Wenn dieser Posten an der Reihe ist, will er hinuntergehen in die Halle um mitzusteigern. Von einem Kollegen habe er von der Auktion erfahren, berichtet er.

Für die Käufer ist der letztlich aufgerufene Preis nicht der Endpreis. Hinzu kommen 15 Prozent „Aufgeld“, schließlich muss der Auktionator auch etwas verdienen.

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