Galerist stellt zwei Künstler vor

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 Peter Weydemann (links) und der Fotograf Ferdinand Joesten vor einem Bild des Künstlers und neben einer Bronze von Michael Jast
Peter Weydemann (links) und der Fotograf Ferdinand Joesten vor einem Bild des Künstlers und neben einer Bronze von Michael Jastram. (Foto: Dorothee Schäfer)
dls

Unter dem Titel „Verwandlung“ stellt Galerist Peter Weydemann in seiner neuen Ausstellung zwei Künstler vor, die seiner Ansicht nach gut zusammen passen – denn der Fotograf Ferdinand Joesten (*1949) und der Bildhauer Michael Jastram (*1953) stammen beide aus Berlin.

Die 40 Fotografien von Ferdinand Joesten bilden eine gelungene Retrospektive auf seine Arbeit als künstlerischer Fotograf seit 1973. Bis 1982 stand der Brotberuf als Ausbildungsfilmer bei Siemens und danach als wissenschaftlicher Fotograf bei den Veterinären an der freien Universität Berlin im Vordergrund. Genaues Hinsehen und Präzision in der damals noch aufwendig analogen Technik gehörte zu solchem Fotografieren. „Eigentlich war es in der Dunkelkammer spannender“, sagt Joesten im Gespräch mit Peter Weydemann zum Thema Digitalfotografie. Andererseits hat er selbst alle späteren Techniken angewandt, zum Beispiel in den 1990er-Jahren mit der Videokamera fotografiert. Das heißt: auf die Fototaste gedrückt und so den Moment der Bewegung –wie hier beim Stierkampf in einer sich überlagernden Dynamik und im Auflösen der Konturen – eingefangen. Nichts ist exakt zu erkennen, aber das wissende Auge ergänzt die Details.

Andere Fotos in reduzierendem Schwarz-Weiß von einer hohen Treppe oder leeren Räumen wirken grafisch, nüchtern, kühl – bis man darin, oft versteckt, ein Detail entdeckt – wie eine Katze in der Berliner Nationalgalerie („miez van der rohe“). Farbstarke Straßenszenen mit Menschen, angeschnittene Gesichter, die gerade deshalb einen Rest Rätsel, das Mysterium der Person in sich bergen. Eine kleine Serie mit beschuhten Füßen, deren Haltung zuweilen mehr auszusagen scheint als eine Mimik es vermöchte – ein klassisches Motiv für die Fotografie, nicht für die Malerei. Oder die Erzählfotos: Haben die beiden Personen in dem Friesformat „mole trieste“ etwas miteinander zu tun? Und wo sind diese Wischmopps zuhause? Ist „walk the line“ wirklich ein Foto oder eine Grafik mit dem Seilläufer hoch über einem Schweizer See?

Bronzen aus 13 Jahren

Bei Michael Jastrams zwischen 2006 und 2019 entstandenen Bronzen – mal zart feingliedrige Wesen, mal massive und kompakte Objekte - ist das komplexe und schwierige Verfahren mit Vorzeichnung, Metallskelettaufbau, Bronzeguss im Wachsschmelzverfahren und Patinierung ungleich aufwendiger und auch nicht in allem völlig vom Künstler beeinflussbar. Bis auf eine gelassen und aufrecht "Sitzende" könnte man mit all diesen Objekten vorantike Skulpturen oder Grabbeigaben assoziieren, die wesentliche Symbole wie Figur, Rad, Haus, Gestirne, Kreis und Bogen - wie den leicht gespannten Balken der "Waage" - zu einer spielerisch austarierten Komposition zusammenbinden. Aber im Resultat der künstlerischen Aussage, die Jastram in oft poetischen Titeln zusammenfasst, zeigt sich ein ähnlich anregender Versuch bei beiden Künstlern, sich die Welt anzueignen und die Verbindungen des Menschen zur Realität der Erscheinungen wie zur Welt der Gedanken in Bezug zu setzen.

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