Feuer und Flamme für die Ökumene

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Artur K. M. Bay

Was die beiden christlichen Kirchen trennt, vor allem aber, was sie verbindet, ist beim ökumenischen Kirchentag am Wochenende in Ostrach deutlich geworden. Das Fazit: Der Gemeinschaft steht gar nicht so viel im Wege, wie man auf den ersten Blick meinen mag. Beim gemeinsamen Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Pankratius war das Gotteshaus demonstrativ voll besetzt. Der katholische Pfarrer Meinrad Huber und der evangelische Pfarrer Michael Jung leiteten die festliche Feierstunde, musikalisch begleitet von der Gitarrengruppe „Griffbrett“ und der Orgel. Zum Auftakt der Festivitäten am Samstagabend gab es eine herrliche Feuershow unter dem Motto „Worte wie Feuer“, dazwischen geistliche Impulse zum Thema Feuer.

Auch der Gottesdienst stand ganz im Zeichen des feurigen Leitspruchs – „Worte wie Feuer – Wenn der Funke überspringt“ –, der so gut wie bei allen anderen Aktionen wie ein starkes Signal wirkte. Michael Jung griff in seiner Ansprache einige Facetten des Kirchentag-Themas auf, zum Beispiel die Einbildung, immer und überall perfekt sein zu müssen. Dann stellte er zwei alles entscheidende Fragen in den Raum: Wofür brennst du? Und: Woran bist du ausgebrannt?

Warnung vor dem Hamsterrad

Viele Zeitgenossen hielten sich für unentbehrlich, sagte der Pfarrer. Gelassenheit sei eines der Zauberworte – und sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Auch sollten die Menschen nicht der Versuchung unterliegen, sich so zu verhalten, als müssten sie von allen gemocht werden. Er wisse durchaus, wie zermürbend Mehrfachbelastung sein kann. Dennoch warnte Jung davor, sich nicht wie in einem Hamsterrad zu drehen.

Meinrad Huber betonte, dass es in vielen Lebenssituationen bedrohlich werden kann, wenn man mit dem Feuer spielt. Als „Gebot der Stunde“ war es ihm ein ganz besonderes Anliegen, „gegen Rassenhass einzutreten und für Frieden und Gerechtigkeit alles menschenmöglich zu tun“. Ein Leben ohne Gott sei trostlos. Wichtig sei es für die Kirche, sich ganz den Menschen zuzuwenden. Ein Bild des Künstlers Sieger Köder diente Pfarrer Huber als Anschauungsmaterial, das fast alle Besucher vor sich liegen hatten, wo Gott in der Apostelgeschichte 2 spricht: „Ich werde von meinem Geist eingießen.“ Von diesem Geist sollten sich alle Menschen, ganz gleich in welchen Lebenslagen, beeinflussen und tragen lassen.

Mit einer Lesung in der Bücherei beim Pfarrhaus schlossen sich zahlreiche Aktionen und Workshops an. „Es brennt! Es brennt!“ hieß es, als der Brand eines Papphauses auf dem Herbert-Barth-Platz entfacht wurde. Ein Löschtrupp der Jugendfeuerwehr Ostrach war zur Stelle und hatte den Brand im Nu unter Kontrolle. Viel Beifall gab es für diese tadellose Übung. Inzwischen hatten auf dem roten Sofa hinter dem Rathaus die ersten prominenten Gesprächspartner Platz genommen. Moderator Wolfgang Gnannt stellte die Leiterin des Hofguts Müller, Annegret Jäger, vor. In ihrer Einrichtung werden 29 Menschen mit Behinderung betreut. Im Elisabethenhaus, das ebenfalls unter Jägers Leitung steht, gibt es 34 Pflegeplätze sowie sechs Plätze für Tagespflege-Gäste. Ihre Motivation bringt sie auf einen einfachen Nenner: „Der Dienst am Nächsten.“

Einsiedler als Gesprächspartner

Oliver Paul, dem Leiter des Schulzentrums Ostrachtal, ist es ein Anliegen, junge Menschen, Kinder und Jugendliche zu motivieren, gerne zu lernen und ihre individuellen Stärken herauszufinden und zu fördern. In der darauffolgenden Gesprächsrunde war Einsiedlermönch Bruder Jakobus Kaffanke OSB zu Gast. Man müsse, sagt er als gläubiger Christ und Mönch, das geistige Feuer moderieren. „Die Kunst ist es, die richtige Balance zwischen Diagnose und Therapie zu finden.“

Weitere Gäste waren Bürgermeister Christoph Schulz, Heidi Knödler sowie Meinrad Huber und Michael Jung. Im Kinderprogramm wurde ein Gebetswürfel gebastelt. Im Pfarrheim zum Mittagstisch fiel der Wandspruch auf: „An jedem einzelnen liegt es, ob aus diesem Haus ein Zuhause wird.“ Im Eingangsbereich bot die Partnerschaftsinitiative Cajamarca, Peru und Ostrach, die seit 26 Jahren besteht, unter anderem verschiedene Teesorten an. In der Christuskirche gab es ein offenes Singen. Der Tag klang aus mit einem Luftballonstart vor der Kirche mit den Botschaften „Wofür brenne ich?“. Anschließend läuteten zum Abschluss des ökumenischen Kirchentags 2018 alle verfügbaren Kirchenglocken und andere in Ostrach.

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