Die Zahl der Hausärzte in Ostrach sinkt weiter

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 Die ehemalige Lederfabrik in der Sigmaringer Straße wird umfangreich saniert. Im Frühjahr 2020 soll die Gemeinschaftspraxis dor
Die ehemalige Lederfabrik in der Sigmaringer Straße wird umfangreich saniert. Im Frühjahr 2020 soll die Gemeinschaftspraxis dort einziehen. (Foto: freyda)

Fehlende Nachfolger bei den Hausärzten in Ostrach bereiten Gemeinderat und Verwaltung Sorgen. Im Gemeinderat entstand am Montagabend durch eine Anfrage von Wangens Ortsvorsteher Franz Steinhart ein intensive Debatte zu dem Thema. Die Befürchtung: Mit dem nahenden Ruhestand von Adelbert Pfaff im Sommer wird die Patientenversorgung noch schwieriger.

„Was gibt es Neues zur Ärzteversorgung“, erkundigte sich Steinhart unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes und löste eine längere Diskussion aus. Zwar zählte Bürgermeister Christoph Schulz die bisherigen Bemühungen der Verwaltung auf, aber auch Hubert Frank, Ortsvorsteher von Magenbuch-Lausheim, betonte: „Das Thema beschäftigt die Leute und im Ort besteht der Eindruck, dass Gemeinderat und die Verwaltung nicht genug machen.“

Darüber äußerte Schulz seine Verwunderung. „Der Gemeinderat hat zu der Angelegenheit vorbildliche Beschlüsse gefasst. Ich verstehe aber, dass der Unmut wächst, weil das Problem sich zu verschärfen droht“, sagte der Bürgermeister. Charly Schmid (CDU) kritisierte, dass die Förderungen nicht gut genug an potenzielle Ärzte kommuniziert würden. Denn der Gemeinderat hatte bereits beschlossen, dass es von der Gemeinde einen Zuschuss für Niederlassung und Praxisausstattung gibt, wenn ein Arzt nach Ostrach kommen will.

Weiterbildung wird finanziert

Schon Mitte 2013 hatte die Gemeindeverwaltung Experten des Hartmannbundes, dem Berufsverband der Ärzte, zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. „Bereits damals war absehbar, dass Hausärzte bei uns sich dem Ruhestandsalter nähern und wir wollten für das Thema sensibilisieren“, berichtet Schulz im Gespräch mit der SZ. Der bei der Veranstaltung von den Experten angekündigte Ärztemangel im ländlichen Raum ist trotz der Bemühungen von Verwaltung und Gemeinderat auch in der Region Ostrach eingetreten. Ende 2015 gab Volker Hamm seine Praxis auf, Manfred Schweigart ging vor über einem Jahr in den Ruhestand, Adelbert Pfaff schließt seine Praxis zum Juli.

Es bleibt die Gemeinschaftspraxis von Kim Hofrichter und Andreas Simon, in der auch Hamm mittlerweile wieder einen Tag pro Woche tätig ist. Weitere Maßnahmen der Gemeinde: Sie zahlt die Weiterbildung von Arzthelferinnen zu Versorgungsassistentinnen Hausarztpraxis. Diese können dadurch den Ärzten bestimmte Arbeiten abnehmen. Zudem hat es Gespräche mit den SRH-Kliniken gegeben, ob ein Medizinisches Versorgungszentrum in Ostrach möglich wäre. „Wir arbeiten an vielen Möglichkeiten, aber können bislang noch keine weiteren Lösungen präsentieren“, sagte Schulz.

Im kommenden Frühjahr soll die Gemeinschaftspraxis in die Sigmaringer Straße umziehen, wo derzeit die ehemalige Lederfabrik saniert wird. Außerdem soll das Team schon bald von einem weiteren Arzt unterstützt werden. „Uns ist bewusst, dass wir aber den Bedarf mit der Gemeinschaftspraxis allein nicht decken. Wir benötigen eine weitere Praxis“, sagt Schulz. Die Gemeinde habe bereits die Finanzierung von Annoncen für Praxisnachfolger unterstützt und pflege auch den Kontakt zu potenziellen Hausärzten. „Mittelfristig habe ich Hoffnungen, aber im nächsten halben Jahr sehe ich keine Lösung“, sagte Schulz.

Praxiseröffnung derzeit möglich

Wo ein Hausarzt praktizieren kann, wird über die Kassenärztliche Vereinigungen geregelt, der die gesetzlichen Vorgaben umsetzt. Dazu sind die Landkreise in Mittelbereiche eingeteilt, von denen es im Kreis Sigmaringen drei gibt: jeweils für die Städte Bad Saulgau, Pfullendorf und Sigmaringen samt den umliegenden Gemeinden. Ostrach gehört zum Mittelbereich Bad Saulgau, wo nach einer aktuellen Berechnung vom Februar die Versorgung bei 93,1 Prozent liegt. „Es ist also ein wenig Luft nach oben und es könnten sich aktuell ohne planungsrechtliche Hürde sogar mehrere Ärzte in dem Mittelbereich ansiedeln“, sagt Kai Sonntag, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung.

Denn die Statistik lässt rechnerisch eine leichte Überversorgung zu. In dem Gebiet wohnen rund 40 500 Menschen, für eine hundertprozentige Versorgung sollte für knapp 1700 Einwohner ein Hausarzt zur Verfügung stehen. Dabei ist aber offen, in welcher Kommune des Mittelbereiches sich ein Arzt niederlässt. Eine Besonderheit für den Mittelbereich Bad Saulgau: Ihm werden neben Bad Saulgau, Ostrach und Herbertingen auch die elf Gemeinden des Verwaltungsverband Altshausen zugeordnet. „Die Systematik hat Schwächen“, räumt Sonntag ein. Beispielsweise werde nicht berücksichtigt, wie viele Patienten ein Arzt tatsächlich behandelt.

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