Der Ostracher Schlösslehof ist Geschichte

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Der Ostracher Schlösslehof ist Geschichte (Foto: unger)
Schwäbische Zeitung
Josef Unger

In aller Stille hat Ostrach Abschied vom Schlösslehof genommen. Ende 2012 war das letzte Gebäude auf dem Areal abgerissen worden. Über Jahrhunderte hinweg war das Hofgut nahe der Gemeindeverbindungsstraße Ostrach-Kalkreute Symbol landwirtschaftlicher Einöde inmitten grüner Wiesen und Weiden und reifender Getreidefelder mit Waldkulisse im Hintergrund.

Die Grabhügel hinter dem Anwesen nennt man „Hünengräber“. Archäologen und sonstige Goldsucher glaubten bis Anfang des 20. Jahrhunderts, durch mühsame Grabungen reich zu werden. Man sprach seinerzeit von der Suche nach dem Grab und Schatz des Hunnenkönigs Attila, auch Etzel genannt. Bereits im 12. Jahrhundert soll laut Urkunden die „Veste Arnoldsberg“ als befestigter Adelssitz als Burg oder Schlössle bestanden haben. Dieses damalige Reichslehen umfasste, wie Walter Kempe in seiner heimatgeschichtlichen Beilage im Ostracher Gemeindeblatt berichtet, auch den gesamten Flecken Ostrach. Ostrach gehörte demnach zum Schlösslehof.

Der Eigentümer des Anwesens, das auch als „Arnoldsberg“ weitum bekannt war, hat sich für den Abbruch des Ökonomiegebäudes entschlossen, dem bereits im Jahre 1977 der Brand zweier großer Scheunen vorausgegangen war. Nicht zuletzt waren es auch die wechselnden Eigentumsverhältnisse im vergangenen 20. Jahrhundert, die das Ende des Hofgutes vorausschauen ließen.

Die enge Verbindung der Gemeinde Ostrach mit der geschichtlichen Tradition des Schlösslehofes kommt im Gemeindewappen zum Ausdruck. Den Heimatforschern Willy Riegger und Walter Kempe verdankt Ostrach Klarheit über die Besitzverhältnisse bis in das zurückliegende 13. Jahrhundert.

Um den Hof wurde gehandelt, verhandelt und gestritten

Von der Niederadelsfamilie Heinrich, genannt „Schwende“, stammt die Speerspitze in der oberen Hälfte des Wappens. In den vielen Jahrhunderten wurde um den Schlösslehof gehandelt, verhandelt und öfter auch gestritten. Als Reichslehen umfasste die „Veste Arnoldsberg“ anliegende Güter und den ganzen Flecken Ostrach. Ende des 13. Jahrhunderts wurde es nach und nach an das Kloster Salem verkauft. Ein Arnold von Binzwangen soll der Gründer gewesen sein. Aber auch der Bruder des Grafen Rudolf von Pfullendorf hieß Arnold, es könnte ihm der Name des Wohnsitzes zu verdanken sein.

Keine verwandtschaftliche Beziehung gab es zwischen den einstigen Besitzern mit den Arnolds im 19. und 20. Jahrhundert. Dazwischen findet man das Geschlecht der Birkhofer. Ein Abkömmling war der sogenannte Kirchenbauer Alois Birkhofer, der an der Stelle des heutigen Ostracher Rathauses eine Landwirtschaft betrieb. Matthias Birkhofer modernisierte sie durch Neubauten und Intensivierung von Äckern und Grünland zur Viehhaltung und die Anlegung einer eigenen Wasserversorgung. Nach dessen Tod trug Sohn Fidelis Birkhofer stolz den Titel „Schlösslebauer“. Ihm folgte 1812 der Sohn Jakob.

Nach 1840 findet man den Bauern Franz Xaver Arnold auf dem Arnoldsberg. Er wohnte zuvor in Hausen a.A. und war in Granheim geboren. Nachfolger wurde 1906 der Enkel Wunibald Arnold, und nach dessen Tod führte Schwester Kreszentia das als Erbhof eingestufte Gut. Sie ist als die legendäre „Schlössle-Senze“ der älteren Generation heute noch in Erinnerung. Ihr wurde allerdings während des Dritten Reiches die Bauernfähigkeit abgesprochen. Käufer war der persönliche Freund Adolf Hitlers und spätere Gesandte des Deutschen Reiches in der Slowakei: Hanns Ludin. Fünf Jahre nach Vollstreckung dessen Todesurteils veräußerte die Witwe den Gutshof an Franz Josef und Gabriele Oberdorfer. Er ging schließlich durch Heirat von deren Tochter an die Familie Härle in Königseggwald über. Über einen weiteren kurzfristigen Besitzer, der erfolglos versuchte, das Ökonomiegebäude zu restaurieren, wurde über Zwangsversteigerung ein Landwirt im benachbarten Kalkreute jetziger Eigentümer der ehemaligen Hofstelle und des gesamten Areals.

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