Dem Räubermythos auf der Spur

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Gerhard Fetscher zeigt, wo das Lager der Räuberbande war.
Gerhard Fetscher zeigt, wo das Lager der Räuberbande war. (Foto: Archiv: bbb)
Schwäbische Zeitung

Legenden abbauen und Klischees entlarven: Mit einer neuen Abteilung über den Schwarz Vere will Gerhard Fetscher, Leiter des Heimatmuseums in Ostrach, über das tatsächliche Dasein des Räuberhauptmannes aufklären. Die Eröffnung findet am Sonntag, 6. Mai, um 10.30 Uhr im Museum im Amtshaus statt.

Alte Aufzeichnungen, Gerichtsakten und vor allem das Buch „Die letzten Räuberbanden in Oberschwaben“ von Max Planck dienten dem Ostracher Heimatkundler als Grundlage. „Ich möchte in der Ausstellung darstellen, wie die Situation damals tatsächlich war“, sagt Fetscher. Bislang ist dem Räuberhauptmann nur eine Nische im Museum gewidmet. Ab Anfang Mai hat das Thema eine eigene Abteilung und damit ist auch die letzte Ecke des Heimatmuseums im Amtshaus gefüllt.

Die Armut hat den 1788 als Franz Xaver Hohenleiter in Rommelsried geborenen Mann zum Räuberdasein getrieben. „Die Bevölkerung wuchs damals so stark, dass die Lebensmittelversorgung nicht mithalten konnte“, berichtet Fetscher. Hinzu kämen Anfang des 19. Jahrhunderts politisch unruhige Zeiten, Missernten und eine steigende Arbeitslosigkeit. Aus der Not heraus nahm die Räuberkarriere 1817 mit ersten belegten Einbrüchen im Raum Riedlingen ihren Lauf.

Ein Mythos, der über den Schwarz Vere kursiert, ist, dass er eine Art Robin Hood war, also seine Beute an die Armen verteilt hat. „Das war er ganz sicher nicht. Er hat die Beute für sich und seine Bande gebraucht“, sagt Fetscher. Die Räuber hätten auch eher wenig Geld ergattert und mussten sich oft mit Kleidung und Nahrungsmitteln zufrieden geben. Auch mutig sei die Bande keineswegs gewesen. „Sie haben schließlich immer nur einzelne Höfe überfallen und hatten auch kein lustiges Leben im Wald. Es ging für sie ums schiere Überleben.“

Auch die Darstellung des Schwarz Vere und seiner rund zwölf Mitstreiter als Schwerverbrecher sei ein Mythos. „Sie haben bewaffnete Raubzüge gemacht, hatten insgesamt aber nur eine Pistole und haben auch nie jemanden umgebracht“, berichtet Fetscher. Die Menschen hätten einerseits einen gewissen Respekt und auch Angst gehabt, andererseits hätten die Räuber ab und zu auch in den Bauernhäusern bei ihnen übernachtet. „Es ist unklar, ob sie gern gesehene Gäste waren. Die Menschen dachten vielleicht auch einfach, dass sie sicher vor den Räubern sind, wenn sie sie zumindest reinlassen.“ Die meiste Zeit aber lebten sie im Wald. Noch ein Mythos: Unter den Männern und Frauen soll es dabei wild zugegangen sein. „Die lebten alle in eheähnlichen Beziehungen miteinander. Ein wilder Haufen waren die nicht“, klärt Fetscher auf. Selbst die Rollenverteilung war ganz klassisch: Die Männer waren auf Raubzügen unterwegs, die Frauen zuständig für Essen und Wäsche.

80 Prozent ihrer Überfälle hat die Bande im Württembergischen gemacht, weitere im Badischen. Im Hohenzollerischen aber war sie nicht aktiv, denn dort lag im Wald zwischen Ostrach und dem Arnoldsberg der Hauptsitz der Räuber. So machten sie sich nach einem Überfall immer wieder über die Grenze und waren vor der Polizei sicher. Ab 1819 aber haben sie es übertrieben. „Fast im Wochentakt sind sie auf Beutezug gegangen. Das wurde dann der Polizei zu viel und sie haben länderübergreifend zusammengearbeitet“, sagt Fetscher. Die Taktik der Räuberbande ging nicht mehr auf und bei der Laubbacher Mühle wurden sie schließlich am 16. April 1819 gefasst.

Ein Aspekt der Geschichte über den Schwarz Vere ist aber kein Mythos: Sein Tod. Am 20. Juli 1819 schlägt im Siechenturm in Biberach, wo Franz Xaver Hohenleiter angekettet war, ein Blitz ein, an dessen Folgen der damals rund 30 Jahre alte Mann laut des Totenberichts gestorben ist.

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