Datensammlung für Verkehrskonzept

Lesedauer: 5 Min
 Die Schüler Olivia Japs (links) und Dean Sorg helfen der Gemeinde bei einer Verkehrsbefragung.
Die Schüler Olivia Japs (links) und Dean Sorg helfen der Gemeinde bei einer Verkehrsbefragung. (Foto: André Beinke)
André Beinke

50 Schüler des Reinhold-Frank-Schulzentrums Ostrach haben am Dienstag, 9. April, zusammen mit Verkehrsplanern und der Polizei an sechs Ortseingängen die Verkehrsteilnehmer nach ihren Fahrzielen befragt. Die Ergebnisse sollen Grundlage für die Wiederbelebung der Innenstadt in Ostrach sein, um Leerstände zu reduzieren. Dafür hat die Gemeinde ein neues Verkehrskonzept vorgesehen. Insgesamt 30 000 Euro gibt die Gemeinde hierfür aus. Den Auftrag setzt die Planungsgruppe Kölz aus Ludwigshafen um. In drei Monaten sollen dem Gemeinderat erste Ergebnisse präsentiert werden.

Am Dienstag gegen 16 Uhr hat der zwölfjährige Schüler Dean Sorg seinen hundertsten Strich auf seiner Liste verzeichnet, als ein großer Lastwagen von Bad Saulgau nach Ostrach an ihm vorbeifährt. Ein Polizist hält den Fahrer in einem abgesperrten Bereich an, sodass Mitschülerin Olivia Japs den Fahrer fragen kann, aus welcher Richtung er kommt und wohin er fährt. Schon nach einer halben Minute und zwei weiteren Fragen setzt er seine Fahrt fort. „Wir bekommen 25 Euro für uns selbst und weitere 25 Euro gehen in die Klassenkasse. Damit wollen wir noch in Österreich ins Landheim fahren“, sagt die 13-jährige Olivia.

Noch bis 19 Uhr setzten die Schüler die Befragung fort. Unterstützt wurden sie von der beauftragten Planungsgruppe Kölz aus Ludwigshafen. Die Ingenieure installierten zudem automatisierte Zähler an verschiedenen Verkehrsschildern. Aufgrund der Daten und Analyse der Verkehrsexperten soll der Gemeinderat entscheiden, wie Autos und Lastwagen zukünftig durch Ostrach fahren. „Je nachdem, zu welchen Ergebnissen wir kommen, schlagen wir zum Beispiel vor, welche Straßen sich für eine 30er-Zone eignen, oder zeigen auf, welche Auswirkungen eine Umleitung auf die verschiedenen Straßen hat“, sagt Neslihan Kilinc von der Planungsgruppe Kölz. Durch eine entsprechende Software können die Ingenieure Simulationen durchführen.

„Wir haben Leerstände bei uns in Ostrach und versuchen deswegen auch, durch ein neues Verkehrskonzept die Innenstadt wiederzubeleben“, sagt Ostrachs Bürgermeister Christoph Schulz. Trotz einer Umleitungsstrecke fahren zurzeit viele Autos und Lastwagen durch die Hauptstraße, an der die meisten Geschäfte angesiedelt sind.

Mit in den Überlegungen des Bürgermeisters für das Verkehrskonzept: eine Sperrung der Hauptstraße für den Autoverkehr. Doch die hält Schulz für eher sinnlos, da der Verkehr auch gleichzeitig Kunden mit sich bringe, sagt der Bürgermeister. „Erst so werden Menschen von außerhalb auf die Geschäfte aufmerksam“, ergänzt Schulz. Auch die Umleitung des Verkehrs zieht er in seine Überlegungen mit ein. Beim Bau einer neuen Umleitungsstrecke hingegen müsse auch das Land Baden-Württemberg mit ins Boot geholt werden, das für Landesstraßen zuständig sei, sagt Schulz.

Neben den Überlegungen im Gemeinderat wurden auch Anwohner in verschiedenen Workshops und Vorträgen einbezogen. „Die Bürgerbeteiligung ist uns sehr wichtig“, sagt Schulz. Um weitere Schlüsse ziehen zu können, wolle Schulz jedoch erst die Ergebnisse der Verkehrsexperten abwarten. Neben der Optik der Hauptstraße sollen auch im Bereich der Hohenzollernstraße bis zur Firma Polykontakt Sanierungsarbeiten an der Kanalisation stattfinden und die Glasfaserkabeln verlegt werden. Für diesen Bereich stehen Landesmittel zur Finanzierung bereit.

Gleichzeitig hofft Schulz, dass das Land auch die Sanierung des Ortskerns priorisiert. So könnte der Belag der Hauptstraße erneuert werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen