Bachhaupten war einst ein kulturelles Zentrum

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 Im Inneren hat der Bildhauer und Stuckateur Josef Anton Feichtmayr der Barockkirche St. Michael kunsthistorische Bedeutung verl
Im Inneren hat der Bildhauer und Stuckateur Josef Anton Feichtmayr der Barockkirche St. Michael kunsthistorische Bedeutung verliehen. (Foto: kienzler)
Eugen Kienzler

„Kirchenfels im Oberland – Bachhauptens St. Michael“ betitelt die Denkmalstiftung Baden-Württemberg einen Aufsatz über die Barockkirche St. Michael. In der Tat steht das Kleinod der Oberschwäbischen Barockstraße weithin sichtbar in exponierter Lage über Bachhaupten, einem Teilort Ostrachs. Wie kommt ein solch imposantes Gotteshaus in einen so kleinen Ort? Ihre Geschichte ist auch die Geschichte des Ortes.

Im Jahr 1086 erstmals als „Bachoubiton“ schriftlich erwähnt, gehörte Bachhaupten seit dem späten zwölften Jahrhundert zur Reichsabtei Salem. Bis zur Säkularisation 1803 war die Reichsabtei mit ihren unzähligen Besitzungen eine führende Macht in Oberschwaben und Bachhaupten jahrhundertelang zentraler Verwaltungspunkt und wirtschaftliches wie kulturelles Zentrum der „Oberen Herrschaft“ des Klosters Salem.

So verdankt Bachhaupten seine Ortskrone den Salemern, deren Abt Constantius 1727 dem damals populären Elchinger Baumeister Johann Georg Wiedemann, der auch die Klosterkirche Ochsenhausen baute, den Auftrag dazu gab. Schon 1728 war die Kirche vollendet. Eine äußere Besonderheit von St. Michael ist der Turm mit dem barocken Oktogon und dem mützenflachen achteckigen Dach sowie den geschwungenen Blendgiebeln. Ihre kunsthistorische Bedeutsamkeit steckt aber wesentlich im Inneren. Hier hat der junge Bildhauer und Stuckateur Josef Anton Feichtmayr gewirkt, der später durch seine Arbeiten an der Benediktinerabtei Beuron, der Birnauer Wallfahrtskirche und der Basilika Weingarten berühmt wurde. Feuchtmayr schuf in Bachhaupten eine Kirche des Frührokoko aus einer Hand und in einem Guss. Darin besteht auch der kunsthistorische Wert. Wer die Kirche betritt, dem fällt der klar gegliederte Innenraum mit dem rechteckigen Kirchenraum und dem eingezogenen, halbkreisförmigen Chor ins Auge.

Ungewöhnlicher Hochaltar

Augenfällig sind die in Fantasieformen übergehenden Pflanzen- und Muschelornamente beim Stuck und das über dem Chorbogen von einer prachtvollen Kartusche gerahmte Wappen des Abts Constantius, das von heranfliegenden Putti getragen zu werden scheint. Am bemerkenswertesten in dieser Kirche sind die drei Altäre Feuchtmayers. Die bildrahmenhaften Altarkreationen gelten als singulär für Süddeutschland und sind von Oberitalien und Oberösterreich her inspiriert. Die Aufbauten der beiden Seitenaltäre bestehen aus den stuckmarmorierten Rahmungen für die Altarblätter, darunter das von Maler Franz Joseph Spiegler stammende Ölbild des heiligen Wendelins in der Funktion als Andachtsbild. Noch ungewöhnlicher als die Seitenaltäre ist der Hochaltar. Über einem auffallend hohen Stuckmarmorsockel, der auch das Tabernakelgehäuse hinterfängt, erhebt sich ein einem Tabernakel ähnlicher Korpus, in dessen Nische sich eine Darstellung der Muttergottes befindet. Durch ein Rundfenster in der Chorwand fällt helles, durch ein gelbes Glas gefärbtes Licht ein und hinterleuchtet wirkungsvoll die Gloriole, die ein flammendes Herz umschließt. Ergänzt werden Raumstruktur und Altarausstattung, die nach der letzten Generalsanierung von 1999 bis 2002 um einen Volksaltar erweitert wurde, durch eine ebenfalls in Stuckmarmor ausgeführte Kanzel.

Nachdem eine frühere Orgel nicht mehr existierte, baute Orgelbaumeister Andreas Weber aus Bollschweil eine Orgel mit 468 Pfeifen, die an Pfingsten 2005 eingeweiht werden konnte. Dass die Kirche St. Michael heute immer noch ein kunsthistorisch wichtiges und charakteristisches Zeugnis des oberschwäbischen Barocks darstellt, hat auch damit zu tun, dass das Gotteshaus den Einwohnern von Bachhaupten und der Pfarrgemeinde immer viel wert war. So wurden beispielsweise bei der letzten Generalsanierung 100 000 Euro durch den eigens gegründeten Förderverein durch Spenden und Eigenleistungen aufgebracht. Bis heute ist die Filialkirche nicht nur das Gotteshaus für die 70 Einwohner von Bachhaupten, in dem monatlich einmal ein Gottesdienst abgehalten wird, sondern auch ein immer mehr beachteter Ort für Andachten und Kirchenkonzerte. Seit über 32 Jahren betreut Karl Köberle als Messner mit viel Herzblut „seine“ Kirche, die er gerne bei Führungen interessierten Besuchern vorstellt.

Beim Eingangsbereich der Kirche erinnert eine Gedenktafel an den in Bachhaupten 1896 geborenen Rechtsanwalt und Zentrumspolitiker Reinhold Frank, der im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 im berüchtigten Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde.

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