Narren tragen Schuhe aus Ölkofen

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Joachim und Helga Reck zeigen Schule, die sie speziell für Narrenvereine aus der Region herstellen.
Joachim und Helga Reck zeigen Schule, die sie speziell für Narrenvereine aus der Region herstellen. (Foto: Fotos: Jennifer Kuhlmann)

Menschen, die in Kühlhäusern oder im Wald arbeiten, und Mitglieder von Narren- und Brauchtumsvereinen haben oft eine überraschende Gemeinsamkeit. Sie tragen Schuhe, die in der Schuhfabrik Reck und Sohn GmbH in Ölkofen hergestellt wurden. Vor 127 Jahren begann das Familienunternehmen als Reparatur-Service im Esszimmer von Josef Reck. Heute stellen 24 Mitarbeiter in vielen Arbeitsschritten hochwertige Sicherheits- oder Wanderschuhe sowie individuelle Schuhe für Vereine her.

Bei voller Auslastung schaffen Geschäftsführer Joachim Reck und seine Mitarbeiter rund 80 Paar Schuhe am Tag. In der Produktionshalle wird vom Ausstanzen der Lederteile über das Zusammennähen und das Verkleben der Sohle bis zum Einfädeln der Schnürsenkel noch jede Maschine mit der Hand bedient. Zum Teil wird mit Maschinen gearbeitet, die es heute schon lange nicht mehr gibt. Reparaturen muss Reck selbst vornehmen, Ersatzteile lassen sich nur mühsam beschaffen. „Wenn ich sehe, dass eine passende Maschine zum Kauf angeboten wird, muss ich zuschlagen, um künftig noch Ersatzteile zu haben“, sagt er.

Wer heute entscheidet, seine Forstmitarbeiter mit neuen Sicherheitsschuhen auszustatten, muss mit einer Lieferzeit von vier bis fünf Monaten rechnen. „In der Regel wissen das unsere Kunden, manchmal müssen wir aber auch versuchen schneller zu sein und das Unmögliche möglich zu machen“, sagt Reck. Dazu gehört auch, dass Narrenvereine gern in der Sitzung am 11. November über neue Schuhe für bestimmte Gruppen entscheiden und diese gern noch vor der nächsten Fasnet bekommen würden. „Das kann dann auch mal schwierig werden.“

Bundeswehr orientiert sich neu

Ohne die Spezialisierung auf diese Nischen hätte sich das kleine Unternehmen aus Ölkofen nicht am Markt behaupten können. „Wir leben in Zeiten, in denen die Leute für 20 Euro Schuhe kaufen und sie wegwerfen, wenn sie ein wenig kaputt sind“, sagt Recks Frau Helga. Vor allem hier in der ländlichen Region wolle privat niemand 200 Euro für neue Schuhe ausgeben. Auch seien im Laufe der Zeit immer wieder Großaufträge verloren gegangen. „Die Bundeswehr hat sich zum Beispiel anders orientiert“, erzählt sie. Zum Glück kämen aber auch immer wieder neue Kunden hinzu, die auf das Programm der Firma Reck aufmerksam geworden sind oder Extraanfertigungen - die etwa besonders kälte- oder schnittfest sind – benötigen. „Neuentwicklungen brauchen aber ihre Zeit“, sagt Joachim Reck. Seit zwei Jahren sei er etwa dabei, mit der Forsthochschule Rottenburg einen neuen Sicherheitsschuh zu entwerfen.

Innerhalb des Mitarbeiterteams greift ein Rädchen ins andere. Wen Reck einmal angelernt hat, möchte er am liebsten nicht mehr gehen lassen. „Heutzutage möchten kaum mehr junge Leute Schuhfertiger oder Stepperin werden“, sagt er. Trotzdem hätten schon einige erfolgreich ihre Ausbildung in Ölkofen beendet. „Es dauert einfach länger, die richtigen Leute zu finden.“

Wer einen Blick in die Produktion wirft, merkt, wie eng es für die Mitarbeiter dort ist. Deshalb möchte Reck eine neue Lagerhalle bauen. Diese Maßnahme würde auch mit Mitteln aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum unterstützt werden. Die Zusage ist bereits vor einem Jahr gemacht worden. „Wir haben den Bauantrag vor neun Monaten gestellt“, sagt Reck. Die Genehmigung sei erst jetzt vom Landratsamt gekommen, die Freigabe stehe immer noch aus. „Wenn wir die Halle haben, können wir wieder aufatmen“, so Reck.

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