Vorfreude weicht Enttäuschung: Tiny-House-Projekt auf der Alb ist auf Eis gelegt

 Der Traum scheint ausgeträumt: Jungunternehmer Stefan Hermann hatte in der Gemeinde Neufra neun Tiny Houses samt Grundstück ver
Der Traum scheint ausgeträumt: Jungunternehmer Stefan Hermann hatte in der Gemeinde Neufra neun Tiny Houses samt Grundstück vermarkten wollen. Steigende Preise für Baumaterial und die Folgen von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg haben seine Pläne nun aber durchkreuzt. (Foto: Kleine Nachbarn)
Redakteur Alb/Lauchert

Das private Tiny-House-Projekt „Kleine Nachbarn“ in der Gemeinde Neufra ist mit großer Sicherheit gescheitert: Rapide gestiegene Preise auf dem Holzmarkt sowie Unsicherheiten durch Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg haben den ambitionierten Plänen von Unternehmer Stefan Hermann einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Es ist eine traurige Geschichte nicht nur für mich, sondern für alle, die mit so viel Herzblut dabei waren“, sagt er. „Aber mit 90-prozentiger Sicherheit wird es leider nichts mit dem Projekt.“

Platz für neun Mini-Häuser

Im Frühjahr 2021 war Hermann mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit gegangen. Demnach wollte er ein 3000 Quadratmeter großes Areal am nordwestlichen Ortsausgang der Gemeinde kaufen, um dort neun Tiny-Houses mit den dazugehörigen Grundstücken zu vermarkten. Die Fläche befindet sich zwar in Privatbesitz, allerdings musste auch die Gemeindeverwaltung mitspielen: Damit die Pläne hätten umgesetzt werden können, wäre ein entsprechender Bebauungsplan nötig gewesen.

Mit Begeisterung gingen alle Beteiligten an die Sache heran. „Wenn alles rund läuft, können die ersten Häuser vielleicht noch in diesem Jahr entstehen“, sagte der Jungunternehmer damals im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Und auch Bürgermeister Reinhard Traub blickte Hermanns Plänen mit Vorfreude entgegen und berichtete von wohlwollender Unterstützung des Gemeinderats.

Preise sinken nur vorübergehend

Knapp anderthalb Jahre später ist von der Vorfreude allerdings nicht mehr viel übrig geblieben. Bereits im August vergangenen Jahres sah sich Stefan Hermann mit Preissteigerungen für Baumaterial in Höhe von etwa 80 Prozent konfrontiert. Die Situation auf dem Holzmarkt entspannte sich kurz darauf zwar wieder, allerdings nur vorübergehend. Die anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie und Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine taten ihr übriges.

„Wegen der gestiegenen Preise und der vielen Unsicherheiten auf dem Markt sind meine Interessenten nach und nach wieder abgesprungen“, sagt Stefan Hermann. „Nach sehr langem Überlegen haben sich dann alle Beteiligten leider dazu entschließen müssen, das Projekt einzustellen.“

So ganz abhaken will der Unternehmer seine Idee noch nicht, sein Optimismus aber ist inzwischen verflogen. „Ich fürchte, dass die Bedingungen sobald nicht besser werden“, sagt er. „Damit es doch noch klappt, müsste sich in den nächsten Monaten alles um 180 Grad drehen.“

Neuer Job als Unternehmensberater

Auch beruflich hat sich Hermann mittlerweile neu orientiert: Arbeitete er bis vor Kurzem noch für den Tiny-House-Hersteller Tiny Homeland mit Sitz in Gäufelden (Kreis Böblingen), so verdient er sein Geld jetzt als Unternehmensberater – indem er Firmen bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen unterstützt.

Derweil macht Reinhard Traub aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. „Es ist schade, dass es nicht geklappt hat“, sagt der Bürgermeister. „Wir hätten das Projekt gerne mit Herrn Hermann gemeinsam umgesetzt. Für uns als Gemeinde wäre das eine schöne Geschichte gewesen.“ Vor dem Hintergrund rapide steigender Baukosten könne er jedoch verstehen, dass der Unternehmer die Idee auf Eis gelegt hat.

Bürgermeister hofft auf andere Wohnbebauung

Das Bebauungsplanverfahren habe noch nicht begonnen, der Gemeinde sei kein finanzieller Schaden entstanden, sagt Traub. Er hofft nun, dass es auf dem Grundstück früher oder später trotzdem neue Wohnbebauung geben wird – denn die Ausweisung neuer Bauplätze gestaltet sich in der Gemeinde derzeit extrem schwierig. Grundsätzlich eigne sich die Fläche nicht nur für Tiny-Houses, sondern auch für eine normale Wohnbebauung, sagt Traub. „Deshalb werden wir mit dem Eigentümer in Kontakt bleiben.“

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