Der musikalische Weltbürger

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Julian Kehrer möchte eine CD mit selbst komponierten Stücken aufnehmen.
Julian Kehrer möchte eine CD mit selbst komponierten Stücken aufnehmen. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Julian Kehrer lebt seit einem Jahr in Neufra. Hier hat der Musiker, Gitarrist und Gitarrenlehrer in einer Dachwohnung den richtigen Ort zum Musik machen und zum Leben gefunden. Inzwischen hat er seine persönliche Balance im „das eine tun und das andere nicht lassen“ gefunden.

Musikalisch sieht sich Julian Kehrer als Weltbürger. Jazz, Bossa Nova, Klezmer, Folk, Blues, Rock-n-Roll und Gypsy Jazz sind seine Heimat. Seit Kurzem lockt ihn die Gitarrenmusik der Renaissance. Von der Technik zeichnet ihn vor allem das filigrane Fingerpicking aus, also das Zupfen der Saiten. Vielseitigkeit und Weiterentwicklung sind dem 29-Jährigen wichtig. Von seinem Vater erhielt er „die Basics“. In seinem Wohnort Meidelstetten gab es zudem schon früh die Möglichkeit, im „Adler Meidelstetten“, der Stamm-, Kulturkneipe seiner Familie, gute Musikgruppen zu hören und auch selber Konzerte zu geben. Als Jugendlicher gründete er mit Freunden und seinem Bruder eine Band. Neben der Musik arbeitet Julian Kehrer halbtags in der Familienhilfe.

Die Mischung macht’s

„Die Mischung ist für mich richtig, weil ich dann auch unabhängig und frei meine Musik weiterentwickeln kann“, sagt er. Seit seinem ersten Unterricht beim Vater – „es war wie ein Feuer, das entfacht wurde“ – spielte er in gefühlt jeder freien Minute Gitarre oder hörte Musik der verschiedensten Stilrichtungen. „Durch die Musik konnte ich mein Gehör weiterentwickeln", so Kehrer, der von sich selbst sagt: „Das genaue Hinhören ist neben dem Improvisieren meine Stärke.“ Er habe für sich erkannt, dass er ein Gitarrist sei, der immer dazulernen möchte und so offen und flexibel bleiben kann. Zuerst spielte er mehrere Jahre ohne Noten, aber längst ist ihm das Spielen vom Blatt vertraut. Die Theorie brachte er sich selbst bei. Für den Autodidakt erweiterte sich so ein immer größer werdendes Repertoire: „Musik ohne Noten ist einfacher, aber die Noten sind unglaublich wichtig, je mehr man sich damit beschäftigt.“

Unter der Woche gibt Kehrer selbst Kurse und an den Wochenenden ist er meist musikalisch in unterschiedlichen Formationen unterwegs. Bei solchen „Jobs“ verdient er nicht nur, sondern ist Teil der musikalischen Szene, in der er sich, neben dem Leben in der Natur, wohlfühlt. So hatte Kehrer mit der Sängerin Petra Haller einen denkwürdigen Auftritt: „Wir haben bei einem Dunkelkonzert im Stuttgarter Theater Rosenau gespielt, wir mussten in der absoluten Dunkelheit spielen, ohne etwas zu sehen.“ Kehrer konnte sich hier voll und ganz auf seine Hände und sein Gefühl für die Gitarre verlassen.

Konzert auf dem Marktplatz

Auch im Süden Europas sammelte er vor zwei Jahren mit einer Band bei spontanen Straßenkonzerten zwischenmenschliche Erfahrungen: „Nach dem Auftritt auf dem Marktplatz in einer südfranzösischen Kleinstadt setzten wir uns auf eine Mauer und hörten plötzlich einen Pfiff, gleichzeitig flog vom Käsestand ein riesiger Käse auf uns zu.“ Sein nächstes musikalisches Ziel ist es, eine Solo-CD mit selbst komponierten Instrumentalstücken zu veröffentlichen. Die CD soll eine Mischung aus seinen bisherigen musikalischen Einflüssen werden. So erkenne der Hörer Rhythmen und „Grooves“ der unterschiedlichen Musikstile Jazz, Funk und Latin. „Mit dieser Platte lade ich zu einem neuen Hörerlebnis ein“, so Julian Kehrer.

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