Zum Monatsende ist bei Oschwald in Meßkirch Schluss

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Die den Werkshallen von Oschwald wird kaum noch gearbeiten, zum Monatsende ist endgültig Schluss.
Die den Werkshallen von Oschwald wird kaum noch gearbeiten, zum Monatsende ist endgültig Schluss. (Foto: Karl Heinz Kirchmaier)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Sigmaringen

Die Meßkircher Metallbaufirma Oschwald wird zum Monatsende den Betrieb endgültig einstellen. Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Firma einen Insolvenzantrag gestellt. Von den rund 60 Angestellten haben fast alle einen anderen Arbeitsplatz gefunden. Die Firma blickt auf eine lange Tradition bis 1648 zurück. Eine Schmiede mit Namen Oschwald wird in der Zimmern’nschen Chronik erwähnt. Die Hängebrücke im Inzigkofer Park konnte die Firma aufgrund der Insolvenz nicht mehr bauen (die SZ berichtete).

Auslöser für den Insolvenzantrag sind die Arbeiten an einem Großprojekt in Frankfurt gewesen. Dort hatte der Auftraggeber, ein großer Baukonzern, Arbeitsmängel geltend gemacht und daher über 200 000 Euro Abschlag nicht gezahlt. Damit verfügte die Firma Oschwald nicht mehr genügend Liquidität und musste somit den Insolvenzantrag stellen. Die Auseinandersetzungen mit der Baufirma zogen sich hin, während weitergearbeitet wurde. „Schließlich beliefen sich die Außenstände auf rund 300 000 Euro“, rechnet Inhaber Anton Oschwald zusammen.

Oschwald hatte schon einmal schlechte Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit einem Großkonzern gemacht, als er auf einen Teil der ihm zustehenden Gelder verzichten musste, um einen Prozess mit hohen Kosten zu vermeiden. Danach wollte Oschwald eigentlich nicht mehr mit Großkonzernen zusammenarbeiten. Dass er seinen Vorsatz aufgab, hängt damit zusammen, dass ein Geschäftsfreund Projektleiter bei einem Baukonzern geworden war und ihm einen Vertrag angeboten hat. „Ich hatte Vertrauen zu ihm, aber nach vier Monaten hat dieser Freund die Firma verlassen, weil ihm die Strukturen nicht gefallen haben“, erzählt Oschwald. Da waren die Verträge allerdings schon unterschrieben. Nach dem Weggang seines Freundes ist es zu Auseinandersetzungen mit dem Konzern gekommen. Oschwald spricht von einem Kleinkrieg.

Baurechtsprozesse dauern in der Regel mehrere Jahre

Dass Oswald gegen den Konzern keine Klage eingereicht hat, hängt nach seiner Auskunft mit der Komplexität von Baurechtsverfahren zusammen. „Bei solchen Prozessen sind eine Dauer von fünf Jahren gar nichts“, sagt Oschwald. Wenn er sich dann ausrechne, dass er in diesen Jahren nicht nur auf sein Geld warten, sondern auch alljährlich fünfstellige Beträge für Anwälte und Gutachter zahlen müsse, dann sei ihm das Risiko zu groß und die Dauer zu lange. „Bei den meisten dieser Prozesse kommt am Ende ein Vergleich heraus und dann ist noch mehr Geld kaputt gemacht“, sagt Oschwald.

Er sei sei jetzt 59 Jahre alt und wolle es sich nicht mehr zumuten, jahrelang Energie in einen Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang zu investieren. Sich mit Großkonzernen anzulegen sei für einen Mittelständler mehr oder minder aussichtslos. Eine Übernahme durch einen anderen Betrieb ließ sich auch nicht verwirklichen, sodass nun zum Monatsende der Betrieb eingestellt werden muss. Anton Oschwald hat sich aber aktiv um seine Mitarbeiter gekümmert und bei befreundeten Firmen angerufen, ob diese einige von seinen Leuten übernehmen können. Damit war er erfolgreich.

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