Toter Säugling hat nach seiner Geburt noch gelebt

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Tot aufgefundener Säugling hat nach seiner Geburt gelebt
Neue Erkenntnisse sind nach der Obduktion des toten Säuglings in Frohnstetten bekannt.

Die 16-köpfige Ermittlungsgruppe ist beim Kriminalkommissariat Sigmaringen unter der Telefonnummer 07571/1040 zu erreichen. Wer am vergangenen Wochenende Beobachtungen gemacht hat, die im Zusammenhang mit dem Geschehen stehen können oder Hinweise zur Herkunft des Handtuches oder der Papiertüte geben können, wird dringend gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

Der Säugling, der am Montag tot in einem Waldstück in Frohnstetten gefunden wurde, ist am vergangenen Wochenende zur Welt gekommen. Das ist das vorläufige Ergebnis der Obduktion. Wie Polizei und Staatsanwalt am Donnerstagnachmittag gemeinsam mitteilten, hat der Junge demnach nach seiner Geburt gelebt; zur genauen Todesursache ist aber nach wie vor nichts bekannt. „Sie steht immer noch nicht fest“, sagt Polizeisprecher Markus Sauter vom Polizeipräsidium Konstanz auf Nachfrage.

Das Neugeborene war zusammen mit einem 160 mal 80 Zentimeter großen Handtuch und einer Papiertüte neben einem Waldweg abgelegt worden. Ob der Gebärvorgang dort oder ganz woanders stattgefunden hat, ist ebenfalls noch unbekannt. Beim Kriminalkommissariat Sigmaringen wurde eine 16-köpfige Ermittlungsgruppe eingesetzt, die sich mit der Aufklärung dieses Falls beschäftigt – doch eine heiße Spur fehlt nach wie vor. „Es sind vielleicht ein Dutzend Hinweise eingegangen“, sagt Sauter. „Durch die Veröffentlichung der Fotos von Handtuch und Tüte erhoffen wir uns einiges.“

Die Polizei hat am Fundort des toten Babys ein Handtuch und eine Tüte sichergestellt. Die Ermittler erhoffen sich nun den entsch
Die Polizei hat am Fundort des toten Babys ein Handtuch und eine Tüte sichergestellt. Die Ermittler erhoffen sich nun den entscheidenden Hinweis. (Foto: Polizei)

Das Baby war am Montag von einem Zeugen bei Arbeiten in seinem Wald gefunden worden. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte der kleine Junge dort vermutlich einen Tag lang gelegen. Zur Klärung der genauen Todesursache, des Todeszeitpunkts und des Alters des Säuglings hatte die Staatsanwaltschaft Hechingen beim zuständigen Amtsgericht die Obduktion des Neugeborenen beantragt. Zur Identität der Kindsmutter ist bislang noch nichts bekannt. Die Ermittler schließen auch nicht aus, dass der Säugling von jemandem dort abgelegt wurde, der nicht in der Gegend wohnt. Die Auswertung der Spuren ist laut Polizeisprecher Markus Sauter noch nicht abgeschlossen.

In Frohnstetten ist der grausige Fund Gesprächsthema Nummer 1. Die Menschen zeigen sich tief betroffen und schockiert vom Tod des Säuglings. Die einhellige Meinung ist, dass dieser in Zeiten von Babyklappen und anonymer Geburt sinnlos war. Viele wollen sich aber auch nicht an Spekulationen beteiligen, so lange zu den genauen Umständen des Todes nichts bekannt ist.

Wer kennt jemanden, der eine solche Tüte besitzt?
Die Polizei hat am Fundort diese Tüte sichergestellt. Die Ermittler erhoffen sich nun Heinweise darauf, wer jemanden kennt, der eine solche Tüte besitzt. (Foto: Polizei)

In der Raumschaft gibt es Babyklappen in Singen, Villingen-Schwenningen und Friedrichshafen. Wenn eine Mutter ihr Kind in andere Hände geben möchte, kann sie es anonym dort abgeben. Außerdem ermöglicht eine Gesetzesänderung Frauen seit einigen Jahren eine vertrauliche Geburt. Krankenhäuser garantieren ihnen eine medizinisch betreute Entbindung und dabei eine gewisse Anonymität.

Die 16-köpfige Ermittlungsgruppe ist beim Kriminalkommissariat Sigmaringen unter der Telefonnummer 07571/1040 zu erreichen. Wer am vergangenen Wochenende Beobachtungen gemacht hat, die im Zusammenhang mit dem Geschehen stehen können oder Hinweise zur Herkunft des Handtuches oder der Papiertüte geben können, wird dringend gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

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