Storzinger Nahwärmenetz ist offiziell eingeweiht

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Ingenieurin Veronika Paolino und Walter Willibad von den Stadtwerken (von links) informieren die Besucher.
Ingenieurin Veronika Paolino und Walter Willibad von den Stadtwerken (von links) informieren die Besucher. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Zahlreiche Gäste haben sich zur Einweihung des Storzinger Nahwärmenetzes im Gemeindehaus Weckenstein eingefunden. Darunter auch die Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden, Bündnis 90/ Die Grünen. Bene Müller und Oliver Dreher vom Vorstandsteam der solarcomplex AG aus Singen gaben dem Publikum noch einmal einen Überblick über die Entstehung des Wärmenetzes, das von einer örtlichen Biogasanlage gespeist wird.

Anschließend konnten die Besucher die neu entstandene Heizzentrale mit dem 50 Kubikmeter fassenden Pufferspeicher besichtigen. „Storzingen ist jetzt Bioenergiedorf - und das ist gut so“, freute sich Bürgermeister Maik Lehn in seiner Ansprache. Mit der heutigen Einweihung des Nahwärmenetzes im Stettener Teilort an der Schmeie sei ein wichtiger Schritt in Richtung Nutzung regenerativer Energie vor der eigenen Haustür gemacht. Gerne hätte die Gemeinde auch den Storzinger Bahnhof, die Kläranlage und das alte Pumpenhaus angeschlossen. Dies sei jedoch nicht machbar gewesen, weil im betreffenden Bereich zu wenig Anwohner Interesse hatten, sich anschließen zu lassen. Insofern hätte sich der Anschluss der betreffenden Gebäude wirtschaftlich nicht gerechnet.

Insgesamt haben sich bisher rund 30 Haushalte an das neue Nahwärmenetz anschließen lassen, sagte Ingenieurin Veronica Paolino, etwa 40 weitere Hausbesitzer haben sich aber bereits einen Anschluss für eine spätere Nutzung vor das eigene Grundstück legen lassen. Der Bürgermeister betonte, dass für die Gemeinde der Ausbau und die Unterstützung von regenerativen Wärmeversorgungssystemen der richtige Ansatz ist, um eine klimafreundliche, nachhaltige und verantwortungsvolle Energieversorgung in der Region zu gewährleisten. Auch dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass durch das Projekt eine regionale Wertschöpfung vor Ort generiert werden könne. „Mit der „Nahwärme Region Sigmaringen“, getragen durch die Firma solarcomplex AG sowie den Stadtwerken Sigmaringen, haben die Gemeinde sowie die Kunden des Nahwärmenetzes zwei starke Partner an der Seite, welche ihre jeweiligen Stärken passgenau einsetzen“, so Lehn.

Natürlich erwähnte er auch, dass im Zuge der Leitungsverlegung Leerrohre für einen späteren Glasfaserausbau mitverlegt worden seien, obwohl die Genehmigung viel Zeit und die Antragstellung „fast gar einem bürokratischen Monster gleichgekommen ist“.

Öltank kommt nur im Notfall zum Einsatz

In der im örtlichen Randbereich gelegenen neuen Heizzentrale beantworteten Veronica Paolino und Walter Willibald von den Stadtwerken Sigmaringen alle Fragen, die die Besucher auf dem Herzen hatten. So ist die Biogasanlage der Familie Mors Lieferant der benötigten Energie, um die angeschlossenen Häuser zu heizen und mit Warmwasser zu versorgen. Dazu sind spezielle Leitungen über eine Länge von 2,5 Kilometern verlegt worden. Ein großer Öltank vor der Anlage komme nur zum Einsatz, wenn die Zufuhr von Biogas aus irgendeinem Grund ausfallen sollte, so Willibald.

Von der ursprünglich angedachten Hackschnitzelanlage sei aus mehreren Gründen abgesehen worden. So sei beispielsweise die Technik einer solchen Feuerung sehr teuer, wobei jedoch das Heizmaterial sehr preiswert ist. „Umgekehrt ist das Heizöl sehr teuer, dafür ist die Technik ausgereift und entsprechend billig“, sagte Willibald. Aber das Heizöl solle ja nur im äußersten Notfall eingesetzt werden. „Wir sind dazu verpflichtet, bei einem solchen Nahwärmenetz die Versorgung zu garantieren“, sagte der Fachmann: „Deswegen haben wir nicht nur diesen Plan B in petto, sondern auch einen Plan C in Form einer mobilen Energieversorgung“.

Auch Gemeinderat Martin Biebl besichtigte die Heizzentrale, die künftig einen Großteil von Storzingen mit Wärme versorgen soll. Er lobte die Einwohner des kleinen Stettener Ortsteils: „Die Storzinger waren schon immer sehr aufgeschlossen, wenn es um technische Neuerungen und den Schutz der Natur ging.“

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