Räte bewilligen 300000 Euro für Campus Galli

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Auf dem Campus Galli bei Meßkirch setzen Handwerker den St. Galler Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert um.
(Foto: Archiv: Musolf)
Sebastian Musolf

Mit einer Gegenstimme hat der Gemeinderat Meßkirch einen Betriebskostenzuschuss für den Campus Galli für das Jahr 2015 in Höhe von 300000 Euro bewilligt. Darüber hinaus bürgt die Stadt für einen Bankkredit in Höhe von 100000 Euro, mit dem der Trägerverein der Klosterstadt einen Teil der neuen Küche anschaffen möchte. Der Geschäfstfrüher des Campus Galli, Hannes Napierala, stellte den Räten den Finanzierungsplan für 2015 vor und ließ die diesjährige Saison Revue passieren.

Bürgermeister Arne Zwick machte in einem Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, dass wir in unserer Berichterstattung am Dienstag fälschlicherweise von einem diesjährigen städtischen Zuschuss in Höhe von insgesamt 265000 Euro ausgegangen sind. Diese Zahlen beruhen auf der Reduzierung des Saisonziels im Mai von 44000 auf 30000 Besucher. Zu dieser Summe kommen aber unter anderem noch die Kosten für die Einstellung des Geschäftsführers Napierala, eines Zimmermanns und die Beauftragung des Finanzberaters Thomas Schlude hinzu. Der städtische Zuschuss für die Klosterstadt betrage dieses Jahr bereits mehr als 300000 Euro, sagte Zwick – weshalb es nicht der Fall sei, dass der Campus Galli nächstes Jahr „noch mehr Geld“ erhalte. Geschäftsführer Napierala bezifferte den diesjährigen städtischen Zuschuss in seinem Vortrag auf rund 350000 Euro.

Der 300000-Euro-Zuschuss für 2015 beruhe auf einem Rechenbeispiel, nachdem die Klosterstadt im nächsten Jahr 25 Prozent mehr Besucher verzeichne als in der Vorsaison. Dieses Jahr kamen rund 36500 Besucher – doppelt so viele wie 2013.

Napierala geht für die kommende Saison von insgesamt 45000 Gästen aus. Den geplanten Umsatz für 2015 bezifferte der Geschäftsführer auf 655000, die anfallenden Kosten auf 951000 Euro. In diesem Fall würde es ein Defizit von rund 300000 Euro geben, das der städtische Zuschuss ausgleichen soll. Bürgermeister Zwick sagte, dass der Trägerverein nicht die volle Summe auf einen Schlag erhalten werde, sondern die Auszahlung je nach Bedarf vorgenommen werde: „Wir bleiben Herr der Lage. Die Kontrolle der öffentlichen Mittel ist da.“ Dieses Jahr konnte der Campus Galli einen Umsatz in Höhe von 367000 Euro erzielen, dies sind 20000 Euro mehr als noch im Mai geplant.

Napieralas vorgelegte Berechnung geht nicht nur für das Jahr 2015 von einer Besuchersteigerung von 25 Prozent aus – in den kommenden Jahren soll das Aufkommen ebenfalls jeweils um diesen Faktor ansteigen: Demnach sei im Jahr 2018 die 100000-Gäste-Marke erreicht und die Klosterstadt sei nicht mehr defizitär. „Die 25 Prozent sind ein Stück weit geraten. Es ist eine sehr vorsichtige Berechnung. Ich bin guter Hoffnung, dass wir das übertreffen“, sagte Napierala. Sollten sich die Zahlen besser entwickeln, werde der städtische Zuschuss entsprechend niedriger ausfallen. In anderen Berechnungen, die von einer 30- oder 40-prozentigen Besucherzunahme ausgehen, gebe es bereits ab 2017 kein Defizit mehr.

„Wenn sich der Campus Galli in vier bis fünf Jahren von selbst trägt, haben wir das Ziel erreicht. Unsere Fraktion steht hinter dem Zuschuss“, sagte CDU-Chefin Christel Golz. „Wir stimmen dem Zuschuss zu und hoffen, dass wir nicht den gesamten Betrag stellen müssen. Aufgrund der Berechnungen müssen wir nicht das gesamte Jahr über nachschießen“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Martina Mülherr. Patricia Hutla von den Freien Wählern hatte Bedenken: „300000 Euro sind ein Riesenbatzen. Ich habe ein bisschen Bauchweh angesichts der Haushaltslage.“ Auf die Stadt Meßkirch kommt nächstes Jahr wohl eine Neuverschuldung von mehr als einer Million Euro zu. Hutla schlug vor, dass die Stadt die Gelder als zinslosen Kredit bewilligen könnte und der Klosterstadtverein diesen zurückzahle, wenn das Projekt sich selbst trage. Der Verein sollte sich verstärkt um Sponsoren bemühen. Für die Küchenerweiterung sollte die Stadt nicht bürgen müssen, meinte Hutla.

Mit Blick auf den prognostizierten 25-prozentigen Gästezuwachs sagte sie: „Wenn wir an diese Besucherzahlen nicht ran kommen, wird es knapp.“ Bürgermeister Zwick lehnte es ab, die Zuschüsse in Form von Krediten zu gewähren: „Ein Verein, der ein Defizit anhäuft, wird eines Tages insolvent. Es ist nicht geschickt, wenn der Verein eine Schieflage aufbaut.“ Meßkirch müsse für die neue Küche bürgen, da der Verein wegen seines Defizits den Banken keine Sicherheiten anbieten könne.

Letztendlich stimmten auch die Freien Wähler bis auf Patricia Hutla für den Zuschuss und die Übernahme der Bürgschaft – sie stimmte dagegen. Bei der Abstimmung über die Bürgschaft gab es eine Enthaltung.

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