Philosophische Runde im Schlosskeller

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Auch Essen kann ein philosophisches Thema sein.
Auch Essen kann ein philosophisches Thema sein. (Foto: Archiv)
Elisabeth Weiger

Im Schlosskeller der Museumsgesellschaft in Meßkirch hat sich am Dienstagabend eine Gruppe getroffen, um sich in einer philosophischen Veranstaltung über Themen, die das Leben aufwirft, zwanglos auszutauschen. Initiator des Philosphischen Cafés ist Alfred Denker, Doktor der Philosophie und Leiter des Martin-Heidegger-Archivs der Stadt Meßkirch.

„Einen offenen Raum möchte ich schaffen, Leute aus den unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen zu einem Gespräch zusammenbringen, zum eigenen Philosophieren ermuntern und philosophische Grundlagen vermitteln“, so formulierte Denker seine Vorstellung.

Ging es bei der ersten Veranstaltung um das Thema Liebe war das „banale Thema Essen und Trinken“ so Alfred Denker, an diesem Abend Grundlage des Gedankenaustausches. Die Teilnehmer nahmen auf den Barhockern an der Theke Platz, um sich mit diversen Getränken, Baguette, Oliven und Käsewürfeln dem Thema anzunähern.

Die unterschiedliche Verwendung der beiden Begriffe „Essen“ und „Fressen“ ließ die Teilnehmer zu Beginn über die Frage nachdenken: „Was unterscheidet Mensch und Tier bei der Nahrungsaufnahme?“ Können Tiere genießen, sich zu Tode fressen oder fasten?

Die Diskussion weitete sich aus, als die Sprache auf Vegetarier, Veganer, Fruktarier und dergleichen kam, um anschließend bei der veränderten Bedeutung vieler Wörter zu verweilen. Negativ besetzt sind beispielsweise, so eine Teilnehmerin der Runde, die Begriffe Füttern oder Latz. Sie dürfen im Krankenhaus oder in Einrichtungen für Senioren und Menschen mit Behinderung nicht mehr verwendet werden.

Woran liegt es, dass das Essen heute so einen großen Stellenwert hat? Überall und immerzu wird gegessen, was weit über die Stillung eines Grundbedürfnisses hinausgeht. Kochshows dominieren bei den Nachmittagsfernsehprogrammen, Küchen sind mittlerweile Hightechanlagen, obwohl immer weniger gekocht wird.

Das Themas entwickelte geografische und geschichtliche Dimensionen. In Basel und England gelte es als Fauxpas bei einer Einladung das Essen zu loben. Das veranlasste Denker zu der Bemerkung: In England gibt es am Essen auch nichts zu loben.

Interessantes zum Thema konnte der gebürtige Holländer auch aus seiner Heimat beisteuern. Im katholischen Südholland wird bei einer Einladung immer für vier, fünf Leute mehr gekocht als eingeladen sind. Im calvinistischen Norden des Landes ist das Essen exakt auf die Anzahl der Gäste bemessen. Dass die Trinkkultur nachgelassen habe bemängelte ein Teilnehmer der Runde.

Das nächste philosophische Café zum Thema Leben und Sterben, findet am 22. Oktober statt.

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