Leitstelle schickt Feuerwehr zum falschen Ort

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Das Wohnhaus ist seit dem Brand unbewohnbar. Wie es weitergeht, ermittelt ein Gutachter.
Das Wohnhaus ist seit dem Brand unbewohnbar. Wie es weitergeht, ermittelt ein Gutachter. (Foto: Laura Keiß)
Redaktionsleitung

Auf dem Weg zu einem brennenden Wohnhaus in Sauldorf hat die Feuerwehr am vergangenen Samstag wertvolle Minuten verloren. Grund war ein Fehler bei der Alarmierung: Die Leitstelle in Ravensburg ging zunächst davon aus, dass es am Talweg im Meßkircher Teilort Langenhart brennt. Es brannte aber am Talweg im Sauldorfer Teilort Bichtlingen. Die Leitstelle erklärt ihren Fehler mit einer unklaren Aussage der Anruferin, die den ersten Notruf absetzte. Sie sei „in sehr, sehr großer Aufregung“ gewesen, teilt Leitstellenleiter Martin Weber schriftlich mit. Zur dadurch verlorenen Zeit machte er keine Angaben. Ein Feuerwehrmann geht davon aus, dass es sich um circa zehn Minuten handelte. Ein anderer Informant, der dem Lager der Feuerwehr zuzuordnen ist, beziffert den Zeitverlust auf rund 20 Minuten. „Wäre eine richtige Alarmierung erfolgt, wäre vermutlich der Schaden geringer ausgefallen“, sagt er. Langenhart und Bichtlingen trennen rund 14 Kilometer.

Laut Leitstelle wurde zuerst die Stützpunktfeuerwehr Meßkirch alarmiert. Bei größeren Schadensereignissen hilft sie den kleineren Wehren, da sie über eine Drehleiter verfügt. Erst ein zweiter Anrufer machte eindeutig klar, dass es in Bichtlingen brennt. Dieser Anrufer landete jedoch bei der Polizei, die die Information an die Leitstelle in Ravensburg weiterleitete; durch dieses Hin und Her kam die Feuerwehr deutlich verspätet am Brandort an – die Meßkircher waren zuerst da. Warum der Mitarbeiter der Leitstelle die erste Anruferin missverstanden hat, dazu äußert sich Leitstellenleiter Weber nicht. Er verweist darauf, dass Meßkirch und Sauldorf identische Postleitzahlen und obendrein Meßkirch und Bichtlingen dieselbe Telefonvorwahl haben. „Dies ist eine Fehlerquelle, die in emotional sehr angespannten Situationen schlecht bis gar nicht zu kompensieren ist“, schreibt Weber. Die Frau hat allerdings von einem Handy aus bei der Leitstelle angerufen, was eine Verwechslung der Vorwahl ausschließt. Ob die Frau in ihrer Aufregung die Postleitzahl genannt hat, ist unbekannt. Für weitere Nachfragen war der Leitstellenleiter nicht mehr zu erreichen.

Bis jetzt gab es kein Problem

Der Sauldorfer Bürgermeister Wolfgang Sigrist möchte die Angelegenheit zügig aufarbeiten und „klären, wo die Schwachstellen sind“, wie er sagt. Aktuell schließe er auch nicht aus, in Absprache mit seinem Meßkircher Amtskollegen Arne Zwick doppelte Straßennamen zu ändern. „Das kommt alles auf den Prüfstand“, sagt Sigrist. „Wenn man dadurch ein Menschenleben retten kann, muss man in den sauren Apfel beißen.“ Bislang habe es durch dieselbe Postleitzahl vielleicht mal ein falsch zugestelltes Paket gegeben, „das war bis jetzt nie ein großes Problem“. Doch nach diesem Vorfall sehe es anders aus: „Nicht auszudenken, wenn der Mann nicht mehr aus der Garage herausgekommen wäre“, sagt Sigrist. „Was wir jetzt machen können, das müssen wir auch machen.“

Das Feuer war am Samstagabend in einer Garage neben einem Einfamilienhaus in Bichtlingen ausgebrochen, während der Hausbewohner dort etwas an einem Auto reparierte. Er musste mit leichteren Verletzungen stationär ins Krankenhaus, hat es inzwischen aber wieder verlassen. Die Feuerwehrleute konnten nach ihrer Ankunft nicht mehr verhindern, dass das Feuer auf das Haus und eine weitere Garage übergreift. Das Wohnhaus wurde durch den Brand unbewohnbar, die Garagen wurden völlig zerstört. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf 300 000 Euro. Sie geht nach ihren ersten Ermittlungen weiterhin von einem technischen Defekt aus, teilt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Konstanz mit. Die Familie ist laut Bürgermeister Sigrist bei Verwandten untergekommen. Ob und wann sie wieder in ihr Haus einziehen kann, wird ein Gutachter ermitteln.

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