Klirrende Waffen und Handwerkskunst

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Susanne Grimm

In Scharen sind die Besucher am Sonntag auf den Campus Galli geströmt, um das Sommerfest mitzuerleben. Petrus hat den Veranstaltern und Akteuren der mittelalterlichen Klosterstadt wettertechnisch einen perfekten Tag beschert, die daraus ein einen großen Erfolg gemacht haben.

Mitmachaktionen, reichlich Marktstände, die mit Unikaten aller Art punkteten, Zauberer und Jongleure, sowie Alphornbläser und Ritterspiele zogen das Publikum in ihren Bann. Wobei natürlich die Kämpfe der Ritter für Groß und Klein außergewöhnliche Höhepunkte darstellten. Als bei einer „Hochzeitsfeier“ plötzlich ein schwarzer Ritter auftauchte, der martialisch von der Braut das Recht der ersten Nacht forderte, was aber erst durch Kampf mit anderen „Bewerbern“ geklärt werden musste, sorgte das natürlich für ein ganz besonderes Spektakel. Dicht gedrängt verfolgten die Zuschauer das waffenklirrende Geschehen, das die Mittelaltergruppe „Brachmanoth“ eindrucksvoll demonstrierte. Begleitet von Dudelsack und Trommel lieferten sie sich einen brachialen aber auch gleichzeitig humorvollen Ritterkampf um die Braut.

Wie im vergangenen Jahr erlebten die Besucher ein buntes Markttreiben mit einem überaus abwechslungsreichen Angebot. Groß war das Interesse an natürlich hergestellten Produkten, wie sie auch während der Saison im Campus-Galli-Laden angeboten werden: Essbare Holzkohle, Spatzenhirn, Ziegenwürste – all das und noch viel mehr an heimischen Exoten konnte verkostet und gekauft werden. Erstklassige Töpferware von einheimischen Künstlern sowie aus der Töpferei der Campus-Galli-Töpferei, Lederwaren und handgefärbte Wolle – es gab eine breitgefächerte Auswahl an Schätzen, Leckereien und Raritäten, die sonst nirgends zu finden sind. Auch für das leibliche Wohl hat das Campus Galli Team mit Dennetle, Klosterwurst und deftigem Linseneintopf gesorgt. Zudem gab es Verpflegungsstände wie die „süße Ecke“ mit Kaffee, Kuchen und Crêpes. Das Rahmenprogramm bereicherte „Tomberg der Gaukler“, der die Großen und Kleinen mit seinen mittelalterlichen Zaubereien begeisterte und mit markigen Sprüchen erheiterte. „Aahs“ und „Oohs“, Gelächter und immer wieder aufbrandender Beifall zeugten davon, dass der Gaukler sein Handwerk wirklich verstand.

Fahnen basteln und Taschen färben

Gemeinsam mit „Thomy dem Weltenbummler“ durften die kleinsten Gäste in der „aria fabrica – Mittelalter Erlebniswerkstatt“ Fahnen gestalten und in der Färbewerkstatt mit Naturfarben, die zum Beispiel aus Tee gewonnen werden, Stofftaschen färben. Dicht umlagert waren auch die Tische, an denen die Kinder Halbedelsteine schleifen konnten. Mit dem Campus-Galli-Tierpfleger Raphael durften die Kinder unter fachmännischer Anleitung zum Beispiel Ziegen füttern und erfuhren dabei auch viel Wissenswertes rund um Hühner, Schweine, Ochsen und andere Tiere. Jonathan, einer der beiden mächtigen Ochsen, schaute gelassen durchs Gebüsch und ließ sich, unbeeindruckt durch das Besuchergetümmel, Blumen und Kräuter schmecken. Die zutraulichen Ziegen hatten es mit ihrem lustigen Meckern besonders den kleineren Kindern angetan. Ein großer Anziehungspunkt für die „Großen“ war auf jeden Fall die sich seit 2014 im Bau befindliche Holzkirche, die derweil zum Teil schon mit handgeschlagenen Holzschindeln bedeckt ist. Die ausschließlich mit im neunten Jahrhundert bekannten Methoden erbaute Kirche fasziniert durch die Art ihrer Entstehung die Besucher immer wieder. „Über 100 Eisennägel sind in der Schmiede hergestellt worden, und noch viel mehr Holznägel halten die Schindeln an ihrem Platz“, so die Erläuterungen des Gästeführers, während alle Augen sich nach oben auf die handbehauenen Dachbalken richten. Rustikale Latten, ebenfalls nur mit der Hand bearbeitet, halten die Holzschindeln in Position.

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