Jugendliche geben Denkanstöße für ein besseres Europa

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Sarah Fischer erläutert, warum Europa wichtig für sie ist.
Sarah Fischer erläutert, warum Europa wichtig für sie ist. (Foto: Anna-Lena Buchmaier)
Schwäbische Zeitung

Leader Oberschwaben hat bei seiner jüngsten Mitgliederversammlung einen Fachausschuss Jugend gegründet, um die Stimme der jüngeren Generationen in die Leader-Arbeit einfließen zu lassen. Die sieben Jugendlichen von der Jugendbeteiligung Scheer, die anlässlich des Europatags zur Versammlung nach Langenhart in den Brigel-Hof gekommen waren, wurden von Leader-Geschäftsstellenleiter Emmanuel Frank direkt eingeladen, sich am neuen Fachausschuss zu beteiligen.

Sie bezogen die Anwesenden in ein Spiel mit ein, das die Vorteile der Europäischen Union darstellte – sei es in Bezug auf eine einheitliche, wenn auch ausbaufähige Gesetzgebung als auch auf die Abschaffung von Roaming-Gebühren, offene Grenzen oder das Einhalten von Klimazielen. Auch die Nachteile kamen zur Sprache: Zu viel Bürokratie, nannten die Jugendlichen, und eine ungerechte Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU. Auch ihren Wunsch für Europa bis 2038 taten die Jugendlichen kund: Eine sicherere Digitalisierung, effizientere Verbrechensbekämpfung, ein einheitlicher Mindestlohn, die Angleichung der Lebenshaltungskosten sowie einheitliche ökologische Standards und Bildungssysteme. Die Aspekte hatten die Jugendlichen gemeinsam erarbeitet.

Im Anschluss richtete Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), Staatssekretärin im Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, das Wort an die Anwesenden. Sie ergänzte den Vortrag der Jugendlichen um einen wichtigen Aspekt: Frieden. „Seit 70 Jahren ohne Krieg, das ist das Wichtigste“, sagte sie.

„Sehnsucht nach Europa erfüllen“

Mit der Einleitung „Für mich ist Europa eine persönliche Sache“ gab die Staatssekretärin Einblicke in ihre Jugend, als man an der Grenze noch Geld wechseln und den Ausweis vorzeigen musste. Sie erinnerte an Adenauers Worte, „die Einheit Europas war ein Traum von Wenigen. Sie wurde eine Hoffnung für Viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für uns alle“ und appellierte an die Jugend, die Sehnsucht nach Europa zu erfüllen und Europa zu verteidigen. „Die negativen Dinge, die ihr genannt habt, kann man alle reparieren“, drückte sie ihren Optimismus aus. In den Augen der Landespolitikerin bedürfe es mehr europäische Sicherheit, Zusammenarbeit, verlässliche Rahmenbedingungen und Konditionen sowie gemeinsame Schlagkraft und europäische Identität.

Dass es vor allem an letzterer mangelt, wurde bei der Vorstellung der Studie „Generation What!?“ des Journalisten Tobias Bönte offenbar, zu der 998 000 18- bis 34-Jährige aus ganz Europa zwischen April 2016 bis 2017 zu verschiedenen Aspekten befragt worden waren. So fühlen sich die wenigsten jungen Menschen originär als Europäer, können sich eher mit kleineren Einheiten, wie ihrem Heimatland oder ihrer Region, identifizieren. Nur für ein Zehntel der Befragten ist Europa identitätsstiftend. Auch das Vertrauen in Europa und die Politik wird als gering angegeben, wobei „die Bildung hier separierender Faktor dieser Generation zu sein scheint“, wie Bönte sagt. Auch die Sorge um zunehmenden Nationalismus treibt Jugendliche um – beispielsweise 80 Prozent der befragten jungen Menschen in Griechenland, 78 Prozent in Deutschland – 65 Prozent sind es im Durchschnitt. Bei der Frage nach dem Austritt aus der EU sind die Deutschen jedoch optimistisch: 78 Prozent der Befragten finden, Deutschland sollte nicht austreten. Griechen, Österreicher und Tschechen sehen das laut Umfrage anders.

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