Je lauter sie spielen, desto besser

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Florian Amann leitet die Sunshine-Gugge nicht nur, sondern spielt auch selbst mit.
(Foto: Karin Geupel)
Karin Geupel

Schon bevor der Gemeidnesaal Heudorf in Sicht kommt, ist sie schon zu hören: Die Sunshine-Gugge. Sie probt für die Fasnet. Damit die einzelnen Orchesterteile besser üben können, haben sie sich aufgeteilt. Vor der Tür des Gemeindesaals stehen die Schlagzeuger und üben ihre Rythmen: Laute Paukenschläge dringen von außen in den Probenraum im Untergeschoss des Gebäudes, wo die Blasmusiker üben. Dort sitzen rund 40 Musiker und spielen so laut, dass buchstäblich die Wände beben.

„Wir spielen keinen Auftritt, ohne danach durchgeschwitzt zu sein“, sagt Hanna Irßlinger. Die 21-Jährige ist seit fünf Jahren bei der Sunshine-Gugge und spielt Posaune. Eigentlich spielt sie in der Musikkapelle Menningen, aber wenn die Fasnet vor der Tür steht, dann gilt ihre Leidenschaft der Guggenmusik. „Viele denken: Guggenmusik, das ist nur so dahingespielt. Aber wenn jeder spielt wie er will, dann hört sich das komisch an. Wir müssen also schon proben. Und ich freue mich jedes Jahr riesig darauf.“ Im September beginnt die Gugge mit den Proben. Am 11. November startet dann die Fasnetsaison, bei dem die Gugge zuerst auf Guggentreffen auftritt und ab Februar dann fast jedes Wochenende bei Umzügen und auf Fasnetsfeiern spielt. Guggenmusik ist aber nicht nur was für Fasnet-Fans, findet Hanna Irßlinger: „Jeder kann mitspielen, der auf laute Brass-Musik steht.“

Die Gugge hat ein festes Repertoire, auf das sie zurückgreifen kann, aber die Musiker versuchen auch, moderne Stücke einzubauen. Dieses Mal ist der bekannte Hit „Happy“ von Pharell Williams mit dabei. „Bitte versucht das locker flockig zu spielen. Nicht so breit“, ermuntert Florian Amann seine Musiker. Der Posaunist leitet die Proben, schreibt auch jedes Jahr neue Stücke für die Gugge um und spielt natürlich selbst mit. „So, sind alle mit Noten versorgt? Dann: Eins, zwei, drei, vier“, zählt Amann an und auf sein kommando dröhnt der Refrain des Liedes durch das Gemeindehaus. „Das hört sich ja schon ganz gut an“, sagt er anschließend, aber so ganz von dem Lied überzeugt ist Amann noch nicht. „Ich find den Titel aber gut“, antwortet ein Trompeter. In einer kurzen Diskussion entscheiden die Musiker gemeinsam, dass „Happy“ doch ins diesjährige Programm genommen wird.

60 Musiker umfasst die Sunshine-Gugge inzwischen. „Wir haben inzwischen so viele Mitglieder, dass kein Bus mehr ausreicht, wenn wir zu Konzerten fahren. Für die Instrumente brauchen wir jetzt einen Anhänger“, erzählt Hanna Irßlinger. Weil sie so viele Musiker sind und sie außerdem oft sehr spät auf Festen auftreten, würde die Gugge keine Mitglieder unter 16 Jahren aufnehmen, sagt sie. „Wir sind ganz froh, dass die Mitgliederzahlen inzwischen stagnieren. Sonst würde es ja noch schwieriger, mal einen Termin für Proben zu finden.“

Eines der Lieder, das die Gugge garantiert wieder auf einem der Umzüge spielen wird, ist „Tante Emma“, welchem das Lied „I need a Dollar“ von Aloe Black zugrunde liegt. „Das proben wir jetzt noch“, sagt Florian Amann. Einige der Musiker kramen nun in einem Notenordner, aber die meisten haben „Die Tante Emma“ schon auf einem kleinen Blatt auf dem Notenständer liegen. Kurz nachdem die Blaskapelle angefangen hat, winkt Amann vorne schon wieder ab. „Ba, da,da! Das kommt auf den Schlag. Das probieren wir nochmal.“

Dieses Jahr ist schon die zehnte Fasnetsaison für die Sunshine-Gugge. Das soll im Herbst 2015 auch noch groß gefeiert werden. Vorher ist aber zuerst einmal Fasnet angesagt. Am 29. November findet das erste Guggentreffen der Saison in Jungnau statt. Und dafür will auch maschieren gelernt sein. Als die Bläsergruppe im Haus eine kurze Pause macht, hört man die Schlagzeuger am Fenster vorbeiziehen. „Die machen Marschier-Übungen“, ruft Hanna Irßlinger und lacht. Jetzt kann beim Fasnetsumzug nichts mehr schief laufen.

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