Henriette Gärtner handelt mit musikalischen Kostbarkeiten

Lesedauer: 5 Min

Das letzte Konzert der Saison ist das Feuerwerk der Reihe gewesen. Die Pianistin Henriette Gärtner entfachte ein Klangfeuerwerk, ließ Herzen brennen, Seelen beben und den Geist staunen. Sie spielte ganz unterschiedliche Musik und präsentierte die Werke wie kostbare Edelsteine. Klar, dass bei so viel Brillanz der Abend in einem spontanen stehenden Applaus münden musste.

Von unserer Mitarbeiterin  Vera Romeu

Der große Renaissancesaal des Zimmerischen Schlosses war Schauplatz eines musikalischen Ereignisses. Die Pianistin Henriette Gärtner hat nachhaltige Spuren hinterlassen: Die Zuhörer haben die Klänge mit in die neue Woche hineingenommen, immer noch perlen die Melodien in der Erinnerung.

Gärtner begann mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate in a-moll. Unter Gärtners Händen glänzt Mozarts Zauber auf besondere Weise: Die Hektik und Last des Alltags fällt vom Hörer ab, man ist herausgerissen und in einen Traum hinein versetzt. Es ist, als wäre es ein musikalisches Glasperlenspiel. Ihre außergewöhnliche Phrasierung macht die kleinsten Nuancen hörbar – ein Springen, ein Schauder, ein Zaudern werden in den großen Satzbogen selbstverständlich hineingewoben. Präzise ziseliert sie Mozarts Melodien und gibt ihnen wie ein Bildhauer die feinsten Konturen. Gärtner müsste, um sich mitzuteilen, nicht unbedingt sprechen. Musizieren würde reichen, da gibt sie ihre Seele preis. Doch sie spricht, sie spricht charmant und souverän mit dem Publikum.

Sie führt in jedes Werk ein. Sie nimmt sich noch Zeit, dem Fotografen zuzunicken. Auch das ist Teil ihres Auftrittes. Doch wenn sie sich an den Flügel setzt, dann verändert sich ihr Gesicht. Sie wirkt total introvertiert. Die Tastatur ist der Kosmos ihrer Möglichkeiten. Das Konzert trug den richtigen Titel: „Tastenzauber“. Auf Brillanz lässt sich ihr Spiel jedoch nicht reduzieren. Es ist mehr, es hat Tiefe.

Wagners große Kunst

Diese Tiefe zeigte sich im Werk „Isoldes Liebestod“ aus der Oper „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner. Gärtner erklärte, Wagners große Kunst ist, dass er nicht einfach ein Ende setzt. „Bei Wagner endet und endet es nicht. Er lässt die Musik sich steigern. Das macht Wagner so anders“, erklärte Gärtner.

Die Todesahnung strömt von der ersten Note an durch den Saal. Die Todeskrämpfe wölben sich, ebnen ab und kehren wie Wellen wieder. Gärtner spielt die Verzweiflung in ihrer ganzen Dimension, macht die Tragik erlebbar. Sie hinterlässt ein betroffenes Publikum.

Bilder werden zu Musik

Gärtner holte das Publikum aus diesem Abgrund wieder heraus und nahm es mit auf eine Ausstellung, was zufällig ganz gut zum Schloss und der Kreiskunstgalerie passte. Gärtner spielte „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski. Der Komponist hatte Bilder einer Ausstellung in Musik verfasst, die für seinen plötzlich verstorbenen Freund – Architekt und Künstler – Viktor Hartmann organisiert wurde.

Da zeigt sich die volle Bandbreite von Gärtners musikalischer Sprache. Gärtners Ausdruck ist so stark, dass der Hörer beim ersten Anschlag weiß, dass er steht vor einem anderen Bild steht. Gärtner leistet eine ungeheuer virtuose Klangfülle, pointiert Ereignisse, setzt Hiebe und Zärtlichkeiten. (sz)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen