Eingestürzte Hütte war nicht genehmigt

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Dieses Gebäude auf dem Campus Galli ist eingestürzt. Ein Mitarbeiter erlitt dabei hauptsächlich sehr schmerzhafte Prellungen.
Dieses Gebäude auf dem Campus Galli ist eingestürzt. Ein Mitarbeiter erlitt dabei hauptsächlich sehr schmerzhafte Prellungen. (Foto: Archiv: Campus Galli)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Meßkirch

Beim Einsturz eines Schuppens auf dem Campus Galli hat sich ein Mitarbeiter am 28. Mai schmerzhafte Prellungen zugezogen und musste ins Krankenhaus (die SZ berichtete). Das Landratsamt Sigmaringen bestätigt jetzt auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung, dass für dieses Gebäude keine Baugenehmigung vorgelegen hat. „Das Bauwerk hatte offensichtlich über 40 Kubikmeter Rauminhalt und wäre baurechtlich genehmigungspflichtig gewesen. Eine Genehmigung wurde nicht eingeholt“, teilt die Pressesprecherin des Landratsamtes, Sabine Stark, mit.

Das Gebäude wurde daher „folglich auch nicht genehmigt“, fügt Stark an. Das Landratsamt habe keine Kenntnis von diesem Bauwerk gehabt: „Insofern konnten wir auch keine Stellungnahme in puncto Arbeitssicherheit abgeben und damit auch keine Auflagen formulieren“, sagt Stark. „Unser Haus hat über den Bau des Gebäudes und seinen Einsturz aus der Presse erfahren.“ Bei dem zerstörten Gebäude handelt es sich um einen Schuppen im Mitarbeiterbereich, der vor allem zum Unterstellen eines Traktors dienen sollte.

Verantwortliche haben Unfall nicht der Behörde gemeldet

Das Landratsamt bemängelt weiter: „Der Unternehmer wäre verpflichtet gewesen, die Arbeitsschutzbehörde unmittelbar vom Vorfall zu unterrichten – was jedoch nicht erfolgte.“ Am vergangenen Dienstag haben Mitarbeiter der Behörde das eingestürzte Gebäude besichtigt. Ein Bericht vom Ortstermin werde der Polizei beziehungsweise der Staatsanwaltschaft zeitnah zugeleitet. „Über den Inhalt der Feststellung können wir wegen der laufenden Ermittlungen derzeit keine Aussagen machen“, sagt Stark. Über das weitere Vorgehen in Sachen ungenehmigter Bau befinde sich die Aufsichtsbehörde noch in der internen Klärung.

Stark berichtet, dass bereits am 22. November 2012 eine Besprechung über Baumaßnahmen auf dem Campus Galli durchgeführt wurde – anwesend waren Vertreter der Stadt Meßkirch und des Fachbereichs „Umwelt, Sachgebiet Arbeitsschutz“ am Landratsamt sowie der Projektbetreiber. Dabei sei generell auf Einhaltung des derzeit gültigen Arbeitsschutzgesetzes hingewiesen worden.

Der Geschäftsführer der Klosterstadt, Hannes Napierala, spricht bei dem Unfall von einer „Verkettung unglücklicher Umstände.“ Die Bauleitung ging eingangs davon aus, dass der Schuppen die Grenze von 40-Kubikmeter-Rauminhalt nicht übersteigen werde und daher keine Baugenehmigung nötig sei. Als die ersten Balken standen, habe der Bauleiter gesehen, dass der Schuppen doch größer ausfallen werde. „Mit den endgültigen Maßen wollten wir die Genehmigung nachholen“, sagt Napierala. Dies funktioniere oftmals auch – wenn das Landratsamt die nachträgliche Genehmigung verweigert hätte, hätte das Gebäude im schlimmsten Fall abgerissen werden müssen.

Doch bevor solch ein Antrag eingereicht werden konnte, geschah der Unfall: Dabei stürzten zwei Mitarbeiter zwei beziehungsweise drei Meter in die Tiefe. Einer der Männer musste mit Prellungen stationär behandelt werden. Er konnte nach einer Übernachtung das Krankenhaus wieder verlassen. Die Handwerker der Klosterstadt nennen als mögliche Einsturzursache nicht ausreichend befestigte Holzbalken. Kein Konstruktionsfehler sei schuld am Zusammenbruch, sondern menschliche Unachtsamkeit, sagt Napierala.

„Uns war nicht bewusst, dass wir den Unfall dem Landratsamt melden müssen“, räumt der Geschäftsführer ein. Die Polizei sei ja vor Ort gewesen und habe den Vorfall aufgenommen. Die bisherige Zusammenarbeit mit der Behörde bezeichnet der promovierte Archäologe als „sehr gut“. Alle historischen Gebäude seien von deren Mitarbeitern besichtigt worden.

Das ist der Campus Galli:

Auf dem Campus Galli bei Meßkirch soll ohne Maschinen und nur mit den handwerklichen Methoden des 9. Jahrhunderts der Klosterplan von St. Gallen umgesetzt werden. Dieser entstand zwischen 819 und 826 auf der Insel Reichenau und ist nie verwirklicht worden. Er gilt als älteste erhaltene Architekturzeichnung zwischen der Antike und dem 12. Jahrhundert. Der Projektinitiator ist der Aachener Journalist Bert M. Geurten. Die Eröffnung des Campus Galli war am 22. Juni 2013.

In der vergangenen Saison kamen rund 36500 Besucher. Dieses Jahr sind 45000 Gäste als Saisonziel angepeilt. Seit dem 4. April waren 9576 Besucher auf der Baustelle (Stand Ende Mai). Das Projekt läuft defizitär, die Stadt Meßkirch musste Gelder zuschießen: Im vergangenen Jahr waren dies rund 350000 Euro, für dieses Jahr hat der Rat 300000 Euro bereitgestellt. Nach den Planungen des Geschäftsführers der Klosterstadt, Hannes Napierala, soll das Projekt ab 2018 schwarze Zahlen schreiben. Dies sei ab 100000 Besucher pro Jahr möglich.

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