Conradin Kreutzer misst sich mit Beethoven

Lesedauer: 5 Min
Sieben Musiker des Ensembles „Himmelpfortgrund“ musizieren im Meßkircher Schloss.
Sieben Musiker des Ensembles „Himmelpfortgrund“ musizieren im Meßkircher Schloss. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Ein überaus schönes Konzert haben die vielen Besucher im Saal des Meßkircher Renaissance-Schlosses erlebt. Das Ensemble „Himmelpfortgrund“ – sieben talentierte Musiker – haben auf historischen Instrumenten Werke von Conradin Kreutzer und Ludwig van Beethoven gespielt. Es waren zwei sehr ähnliche Werke, die beide denselben Titel tragen: „Septett Es-Dur“. Bürgermeister Arne Zwick begrüßte die Besucher, die Stadt hatte das Ensemble eingeladen.

Das Konzert „Von der Talmühle aus in die Welt“ zeigte, wie Conradin Kreuzer – als junger Musiker in Wien angekommen – sich mit dem Meister messen wollte. Beethoven hatte das „Septett Es-Dur“ bereits 1799 komponiert. Kreutzers frühe Fassung stammt aus der Zeit zwischen 1804 und 1810. Beide Werke haben sechs Sätze, die Satzbezeichnungen sind die selben. Die Herausforderung, ein Werk für sieben Musiker zu schreiben, ist enorm. In diesem kleinen Ensemble ist die Transparenz der Stimmführung sehr groß und die Instrumentierung nicht einfach. Doch beide Stücke hatten ihren Reiz. Das Konzert war eine Art Spiegelung zweier Komponisten. Dazwischen legten die Musiker eine Pause ein.

Im ersten Teil des Abends erklang Kreuzers „Septett Es-Dur“. Voller Schwung und mit großer Leichtigkeit erfüllte die Musik die große Akustik des Raumes. Die historischen Instrumente unterscheiden sich sehr von den heutigen. Die Streichen haben Darmsaiten, die sensibel auf höhere Luftfeuchtigkeit reagieren und deshalb öfter gestimmt werden müssen. Sie haben aber auch einen sehr weichen Klang. Die Klarinette klingt wärmer. Das Horn hat einen wundervollen Charakter und das Fagott etwas Samtiges. Dadurch bekamen die Stücke besondere Farben und eine feine Harmonie. Für den Hörer war es ein eindrucksvolles Erlebnis.

Höfische Eleganz

Es ist erstaunlich, wie stark sich Kreutzer an das Werk von Beethoven angelehnt hat. Gerade im zweiten Teil des Konzerts wurde das den Zuhörern sehr bewusst. Man bekam ein Gefühl für die Zeit und die Stimmung. Die Werke haben eine höfische Eleganz, die Klangkultur ist einfach schön. Voller Impetus bläst das Horn, die Streicher bilden ein Echo und gehen in Führung. Leise und dunkle Passagen begeisterten. Das Menuett suggerierte vergangene Tänze am Hof. Man hatte das Gefühl, das Flackern von Kerzen in Spiegeln zu spüren. Festlich erklang die Klarinette. Immer wieder tat sich ein Instrument solistisch hervor. Raum und Zeit schienen sich während des Konzerts aufzuheben.

Thomas Fleck (Violine), Ildiko Ludwig (Viola) Georg Zeike (Cello), Martin Siebach (Kontrabass), Benjamin Reissenberger (Klarinette), Stephan Katte (Horn) und Veit Scholz (Fagott) bilden ein wunderbares Ensemble. Es gehörte schon auch ein bisschen Humor dazu, um das Programm mit zwei sehr ähnlichen Werken zu gestalten. Doch die Zuhörer genossen diese zwei Sichten und Arten der Komposition. Beethovens Werk erschien stringenter, die Sätze sind auf den Punkt gebracht, die Variationen gekonnt instrumentiert. Das vorantreibende Scherzo, in dem das Horn dominiert, hat eine herrliche Dynamik. Kreutzer hat seinem Stück einen Duktus gegeben, in dem schöne Höhen und Tiefen gestaltet sind, in dem das Musizieren ausladender und schwungvoller anmutet. Das Konzert war sehr gelungen und hatte einen besonderen Charme.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen